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April 22 2015

09:18
08:21

Mehr als ein Jahr

Mehr als ein Jahr war ich kaum online. Gestern hatte ich Geburtstag und angesichts der vielen lieben Wünsche auf Facebook habe ich folgendes gepostet:

An meinem letzten Geburtstag konnte ich auf die Facebook-Messages nicht mal reagieren - und auch keine richtige Freude spüren, dass da jemand an mich denkt. Das hat sich geändert und ich weiss, es ist ein großer Schritt für mich: das Wieder-Freuen-Können und das Öffentlichmachen, was Sache ist, warum ich mich so sehr zurückgezogen habe.

Ich möchte der Facebook-Message noch ein Stückchen Theologie hinzufügen. Wer damit nichts anfangen kann, möge es überlesen. Aber für mich ist es so, dass manch religiöse Gehalte etwas viel viel besser auf den Punkt bringen können als alle anderen Worte.


Depressionen. Karfreitag.
Tiefste Verzweiflung. Mein Gott, warum hast Du mich verlassen?
Innerliches Sterben. Jesus ist auch nicht sofort gestorben, sondern über Stunden elendig verreckt.
Zuschauen wie die Kräutertöpfe am Fensterbrett vertrocknen, aber nicht aufstehen können und ihnen Wasser geben. Kein neues Leben. Keine Hoffnung.
Nicht wissen, ob es ein morgen gibt. Nicht verstehen können.
Nichts mehr machen können. Ausgeliefert. Gedemütigt. Opfer.
Heimlich die Arbeits-Emails noch immer lesen.
Schlechtes Gewissen, dass die Arbeit jetzt die KollegInnen machen müssen.
Ich muss mir auf die Antidepressiva-Schachtel draufschreiben, ob ich die Tabletten schon genommen habe, weil ich mir nicht mal mehr das merken kann.
Wieder sind 900 Menschen im Mittelmeer elendig ersoffen. Mein Gott, warum hast du sie verlassen?
Über Monate lernen, es anzunehmen, dass es so ist.
Ich kann nicht mehr, ich bin krank, ich brauche Hilfe.

Depressionen. Karsamstag.
Ein langer Karsamstag. Ein Jahr lang Karsamstag.
Wissen, dass es immer wieder Karfreitage und Karsamstage in meinem Leben gab und ich diese verdrängt habe und sie mir nicht erlaubt habe. "Es wird schon irgendwie gehen". Jetzt geht es nicht mehr irgendwie.
Körperliche Schmerzen, psychosomatische Symptome, jede Woche andere, alle einschränkend und hemmend.
Keine Gewissheit, alles ist offen.
Gott? Ich weiss nicht. Die anderen sind geliebte Kinder Gottes. Aber ich?
Alles ist von der Vergangenheit determiniert und der Stein ist zu schwer, um wegzurollen.
Vereinzelung. Einsamkeit. Angst vor Menschen und der Wunsch nach Kontakt mit Freund_innen.
Auf der GKK beim Chefarzt im Wartezimmer sitzen und an alles Schlechte dieser Welt denken, damit ich dann möglichst krank ausschaue. Weil ich weiss, ich schaffe es noch nicht wieder zu arbeiten und will wenigstens diesen zeitlichen Freiraum haben, wenn ich sonst schon nichts habe.
Langsam lernen wieder ein bisschen Freude zu empfinden: die Sonne spüren, das Nähen lernen und endlich wieder was mit meinen Händen machen, im Wasser plantschen und mich endlich für zwei Minuten wieder lebendig fühlen.
Doch noch geht nicht alles. Eigentlich nur sehr wenig. Ja, ich habe mir heute was Gutes zum Essen gemacht und es hat mir geschmeckt. Geduld. Geduld. Geduld. Wann endlich? Ich will es doch. Es geht nicht.

Depressionen. Auferstehung.
Nein, sie ist nicht einfach so da, die Auferstehung.
Das Leben ist nie fertig, sondern ein langer Prozess.
Ich möchte mein Leben so leben, dass ich im Moment meines Todes in die Hoffnung der Auferstehung sinken kann.
Ich möchte mein Leben so leben, dass ich jeden Tag diesen Horizont der Aufstehung spüren kann.
Ich möchte mein Leben so leben, dass auch andere Menschen diesen Horizont erahnen können, wenn sie mir begegnen.
Manchmal ist er schon da dieser Horizont der Auferstehung. So wie gestern, wo ich mutig genug war, auf Facebook zu schreiben, was Sache ist mit mir und was mich trägt.
Der Horizont ist da, wenn ich endlich wieder in meinem Körper sein kann, wenn ich Körper bin, wenn ich ganz bin.
Manchmal frage ich mich, warum schon wieder Karfreitag, warum schon wieder Karsamstag? Aber ich kann wenigstens den Schmerz und die Erniedrigung des Karfreitag spüren. Im Spüren-Können wird zwischen all den ungeweinten Tränen etwas sichtbar, was Sinn gibt, was ich Gott nenne.


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PS: Die Kommentare sind deaktiviert, weil ich technisch ein Spam-Problem habe im Blog. Darum mag ich mich aber aktuell nicht kümmern. Falls mir wer Feedback geben mag, möge er_sie einen der anderen Wege nutzen. Ich bin aber sicherlich jetzt nicht ständig wieder online, das ist nicht gut für mich, und es kann mit Antworten etwas dauern.

April 17 2015

15:23

April 09 2014

20:31

December 20 2013

23:19
23:19
22:56

Religion ist eine Ressource für Gerechtigkeit

Für das Blog des Bayrischen Rundfunks Woran glauben? Götter, Quanten, Wirtschaftswachstum habe ich einen Text geschrieben. Im Unterschied zu Michael Schmidt-Salomon von der Giordano Bruno Stiftung vertrete darin ich die Meinung, dass Religion eine Sinn-Ressource ist, die einen Beitrag für mehr Gerechtigkeit auf dieser Welt leisten kann.

Da geht es lang zum ganzen Text. Dieses Projekt als solches ist sehr spannend, denn da soll aus verschiedenen Beiträgen rund ums Thema Glauben ein Film entstehen. Die Macher_innen freuen sich auf Input!

Foto: Flickr CC by-nc-sa Wolfgang Sterneck

Tags: Thelogie

December 13 2013

19:04
19:04
18:39

Was ist übrig geblieben von Weihnachten?

christmasNeuerdings in einer vertrauten Runde: Alle, alle ohne Ausnahme, haben Stress mit Weihnachten. Die einen würden am liebsten weit weg auf Urlaub fahren. Wer anderer switcht am Heiligabend zwischen zwei verfeindeten "Familien" und kann es niemand recht machen. Und die nächste spürt zu Weihnachten besonders intensiv die Einsamkeit. Der Druck auf traute Familie zu machen, kostet unendlich viel Energie. Alle sind gestresst, niemand redet darüber wie es ihr oder ihm wirklich geht.

Was ist da passiert? Ich glaube viel mehr als nur der sowieso offensichtliche Konsumwahn. Die eigentliche Message von Weihnachten kommt nicht mehr an. Kein Platz für Gott, der Mensch geworden ist, nichts Tragendes mehr und die Erinnerungen die Kindheit werden mit der Distanz der Erwachsenen auch immer weniger verklärt. Es wirkt nur noch der Druck etwas heil darzustellen, dass nicht heil ist.

Was ist das, dass so viele Menschen froh wären, wenn der 24. und 25. Dezember Tage wie alle anderen wären? Millionen Menschen weltweit sind Christ_innen - und so wenig hilft diese gute Botschaft zum guten Leben, ja ihre Traditionen machen es Menschen sogar noch schwerer gut zu leben.

Nachdenklich ....

Foto: Flickr CC by-nc-nd rageforst

Tags: Theologie

December 08 2013

11:40
11:40
11:31

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt

Heute habe ich angesichts des Marienfeiertags auf Facebook wieder mal ein paar polemische Kommentare zum Thema Erbsünde gelesen. Ja, dieser Begriff ist heute mehr als missverständlich. Viel zu lange wurde Sünde vor allem als sexuelle Verfehlung missverstanden - und in diesem Kontext wäre aufeinmal unser bloßes Geborensein, dass ja einen Sexualakt der Eltern voraussetzt, eine Sünde. Was für eine negative Sicht des Menschseins, wenn das so reduziert wird!

Dem möchte ich eine andere Sicht der Rede von Erbsünde entgegenhalten. Diese halte ich für durchaus beachtenswert:

Unter Erbsünde verstehe ich auch, dass wir in eine Welt geboren sind, die nicht perfekt ist. Im Gegenteil: Wir leben in "ererbten" Strukturen der Ungerechtigkeit und es ist selbst bei bestem Willen nicht immer möglich nicht zu strukturellen Mittäterin zu werden. Mit jeder Autofahrt, mit jedem Billigeinkauf, ja, mit jeder versäumten Protestaktion mache ich mit mitschuldig am Leid in dieser Welt.

Irgendwie finde ich, dass dieses bekannte Video der Ärzte zum Thema passt: "Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt"

Tags: Theologie

November 20 2013

19:56
19:56
18:06

Blockstöckchen aufgenommen - Gespräch von Blog zu Blog

Andrea Rehn-Laryea, die ich schon lange von Twitter kenne und bei Kirchehoch2 auch Face2Face getroffen habe, schickt mir ein Blogstöckchen. Da will ich mal antworten, denn:

Ein Blog sollte nicht nur der Information sondern auch der Kommunikation dienen. Vernetzung lautet das Zauberwort. Eine Möglichkeit, mit anderen Blogschreiberinnen und -schreibern in Austausch zu kommen, ist es, sich in der Art von Kettenbriefen gegenseitig Fragen zu stellen und um Beantwortung zu bitten, „Blogstöckchen“ genannt.

Die Fragen:

1. Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?
2. Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?
3. Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, ...?
4. Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, ...?
5. Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Und meine Antworten:

1. Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?

Ja, ich besuche gerne Kirchen im Urlaub. Nicht nur, aber auch. Da mag ich besonders, wenn ich mich mit Weihwasser und einem Kreuzerl auf das Betreten eines besonderen Ortes einstimmen kann. Manchmal ist es gut dort nach einem anstrengenden Rundgang in einer Stadt eine Auszeit verbringen zu können und ich mich hinsetzen kann und eine Weile die Ruhe genießen. Manchmal schaue ich mir auch die Kunstschätze näher an, in Barockkirchen ärgere ich mich dann aber meist über den Prunk und das damit verbundene Kirchenbild der Gegenreformation. Auch Gottesdienste habe ich schon besucht. Das aber nicht so oft: Einerseits weil oft die Informationen im Internet so mangelhaft sind, dass ich mir da kein Bild vorab machen kann, wann mich was erwartet, andererseits weil ich ja nicht überall die Sprache verstehe. Eine katholische Messe hat zwar den Vorteil, dass der Ablauf weltweit überall gleich oder zumindest ähnlich ist, aber selbst in Sant'Egido in Rom ist mir bei der Predigt auf Italienisch etwas fad geworden. In schöner Erinnerung habe ich den Gottesdienst am heiligen Abend in Assisi. Aber auch da habe ich nichts verstanden ;-)

Santo Stefano, AssisiSanto Stefano, Assisi

2. Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?

Mit Maria, der Mutter Jesu. Dorothee Sölle interpretiert diese Frau ja durchaus als subversiv. Sie hatte den Mut sich gegen alle Konventionen ihrer Zeit zu stellen. Das Magnificat ist ja Ausdruck dafür. Ja, von Maria könnte ich viel lernen, glaube ich.

3. Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, ...?

Ich finde die Flut echt furchtbar und die Kommerzialisierung noch mehr. Ich freue mich auf das neue Adventkalender-Projekt der Katholischen Jugend OÖ auf Facebook, wo ich schon ein klein bisserl reinschnuppern durfte (mehr dazu bei Zeiten auf http://kirche20.at). Und gegen Schokolade habe ich auch nichts. Nie!

4. Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, ...?

Am liebsten fahre ich weg über Weihnachten. Es ist dann ein bisschen ein Flucht vor all dem Trubel und durch die andere Umgebung kann ich die adventlichen und weihnachtlichen Elemente mehr geniessen. Sogar die geschmückten Palmen auf Kuba waren da gar nicht mehr kitschig.
Heuer wird es aber ein ruhiges Weihnachten zu Hause mit meinem Freund und einem Besuch meiner Mama werden, hoffentlich mit selbstgemachten Keksen und einem Mitfeiern der Mette. Auch gut.

5. Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Big Question! Es hängt wohl alles an der Frage, ob es Kirche gelingt Pluralität positiv wahrzunehmen und das Evangelium in unterschiedlichen Kontexten für Menschen neu spürbar werden zu lassen. Kann sich diese alte, gewachsene Institution vom "Denken und Sprechen, Fragen und Dasein der Menschen" (Klaus Hemmerle) her ein Stück weit neu erfinden und damit auch das Feuer neu entfachen - oder gibt es weiter "more of the same", das für viele Menschen einfach keine biografische Relevanz mehr hat? Ich finde jedenfalls wir leben in spannenden Zeiten für die Kirche!

Und nun darf ich fünf Fragen formulieren und an andere Blogger_innen weiterreichen:

1. Jede/r braucht mal eine Auszeit. Wann sind bei Dir die digitalen Gadgets bewusst off? Oder gibt es das nicht?
2. Wie hast Du Dir dein Leben in Deinem jetztigen Lebensalter vorgestellt als Du 13, 14, 15, mitten in der Pubertät, warst?
3. Die Kirche stellt Dich für ein Jahr an und Du kannst machen, was Du ganz persönlich ganz, ganz wichtig findest. Was würdest Du tun?
4. Was sind Deine Ressourcen um den Gedanken an die in Auschwitz und Mauthausen ermordeten Menschen oder an Kinder, die heute verhungern, auszuhalten?
5. Du bekommst € 100.000 mit der Auflage das Geld für soziale, politische oder kulturelle Zwecke zu verwenden. Wo investierst du?

Weitergeben möchte ich das Blogstöckchen an:

Maria Herrmann | tomatedesign
Antje Schrupp | Aus Liebe zur Freiheit
Brigitte Theißl | Denkwerkstatt
Helmut Ausserwöger | Ausserwoeger's Blog (weil Du zwar selten, aber dann immer voll klasse bloggst)
Hans Christian Voigt | Kellerabteil

Wer die Fragen beantwortet hat, kann selbst neue Fragen formulieren und das Blog-Stöckchen an andere weiterwerfen. Ich bin schon gespannt, was da rauskommt!

November 19 2013

17:34
17:34
17:26

Social Media in der Erwachsenenbildung

Am 18. November 2013 habe ich in Graz einen Workshop für das Frauennetzwerk in der Katholischen Erwachsenenbildung gestaltet. Unten sind meine Slides.

Zum Thema Social Media und Erwachsenenbildung stehen übrigens zwei eintägige Seminare an, die ich gemeinsam mit Gaby Filzmoser gestalten werde: am 18. Jänner in Linz und am 18. März in Innsbruck im Haus der Begegnung.


November 18 2013

16:24
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