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November 20 2013

18:06

Blockstöckchen aufgenommen - Gespräch von Blog zu Blog

Andrea Rehn-Laryea, die ich schon lange von Twitter kenne und bei Kirchehoch2 auch Face2Face getroffen habe, schickt mir ein Blogstöckchen. Da will ich mal antworten, denn:

Ein Blog sollte nicht nur der Information sondern auch der Kommunikation dienen. Vernetzung lautet das Zauberwort. Eine Möglichkeit, mit anderen Blogschreiberinnen und -schreibern in Austausch zu kommen, ist es, sich in der Art von Kettenbriefen gegenseitig Fragen zu stellen und um Beantwortung zu bitten, „Blogstöckchen“ genannt.

Die Fragen:

1. Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?
2. Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?
3. Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, ...?
4. Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, ...?
5. Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Und meine Antworten:

1. Kirche/Religion im Urlaub: Besuchst du Kirchen/Gotteshäuser, Gottesdienste oder kirchliche/religiöse Veranstaltungen und warum bzw. warum eher nicht, niemals?

Ja, ich besuche gerne Kirchen im Urlaub. Nicht nur, aber auch. Da mag ich besonders, wenn ich mich mit Weihwasser und einem Kreuzerl auf das Betreten eines besonderen Ortes einstimmen kann. Manchmal ist es gut dort nach einem anstrengenden Rundgang in einer Stadt eine Auszeit verbringen zu können und ich mich hinsetzen kann und eine Weile die Ruhe genießen. Manchmal schaue ich mir auch die Kunstschätze näher an, in Barockkirchen ärgere ich mich dann aber meist über den Prunk und das damit verbundene Kirchenbild der Gegenreformation. Auch Gottesdienste habe ich schon besucht. Das aber nicht so oft: Einerseits weil oft die Informationen im Internet so mangelhaft sind, dass ich mir da kein Bild vorab machen kann, wann mich was erwartet, andererseits weil ich ja nicht überall die Sprache verstehe. Eine katholische Messe hat zwar den Vorteil, dass der Ablauf weltweit überall gleich oder zumindest ähnlich ist, aber selbst in Sant'Egido in Rom ist mir bei der Predigt auf Italienisch etwas fad geworden. In schöner Erinnerung habe ich den Gottesdienst am heiligen Abend in Assisi. Aber auch da habe ich nichts verstanden ;-)

Santo Stefano, AssisiSanto Stefano, Assisi

2. Mit welcher biblischen Person würdest du dich gerne mal unterhalten und worüber?

Mit Maria, der Mutter Jesu. Dorothee Sölle interpretiert diese Frau ja durchaus als subversiv. Sie hatte den Mut sich gegen alle Konventionen ihrer Zeit zu stellen. Das Magnificat ist ja Ausdruck dafür. Ja, von Maria könnte ich viel lernen, glaube ich.

3. Eine Flut von Adventskalendern bricht demnächst über uns ein. Was für einen bevorzugst du: online, per Mail, mit Schoki & Co, gekauft oder selbstgemacht, gar keinen, ...?

Ich finde die Flut echt furchtbar und die Kommerzialisierung noch mehr. Ich freue mich auf das neue Adventkalender-Projekt der Katholischen Jugend OÖ auf Facebook, wo ich schon ein klein bisserl reinschnuppern durfte (mehr dazu bei Zeiten auf http://kirche20.at). Und gegen Schokolade habe ich auch nichts. Nie!

4. Wie feierst du am liebsten Weihnachten: in der Familie, mit Freund_inn_en, alleine, auf einer Feier für und mit Einsamen und/oder Obdachlosen, im Kloster, ruhig oder Party, bei der Arbeit, ...?

Am liebsten fahre ich weg über Weihnachten. Es ist dann ein bisschen ein Flucht vor all dem Trubel und durch die andere Umgebung kann ich die adventlichen und weihnachtlichen Elemente mehr geniessen. Sogar die geschmückten Palmen auf Kuba waren da gar nicht mehr kitschig.
Heuer wird es aber ein ruhiges Weihnachten zu Hause mit meinem Freund und einem Besuch meiner Mama werden, hoffentlich mit selbstgemachten Keksen und einem Mitfeiern der Mette. Auch gut.

5. Welches ist nach deiner Meinung die größte Herausforderung für die Kirchen in den nächsten Jahren?

Big Question! Es hängt wohl alles an der Frage, ob es Kirche gelingt Pluralität positiv wahrzunehmen und das Evangelium in unterschiedlichen Kontexten für Menschen neu spürbar werden zu lassen. Kann sich diese alte, gewachsene Institution vom "Denken und Sprechen, Fragen und Dasein der Menschen" (Klaus Hemmerle) her ein Stück weit neu erfinden und damit auch das Feuer neu entfachen - oder gibt es weiter "more of the same", das für viele Menschen einfach keine biografische Relevanz mehr hat? Ich finde jedenfalls wir leben in spannenden Zeiten für die Kirche!

Und nun darf ich fünf Fragen formulieren und an andere Blogger_innen weiterreichen:

1. Jede/r braucht mal eine Auszeit. Wann sind bei Dir die digitalen Gadgets bewusst off? Oder gibt es das nicht?
2. Wie hast Du Dir dein Leben in Deinem jetztigen Lebensalter vorgestellt als Du 13, 14, 15, mitten in der Pubertät, warst?
3. Die Kirche stellt Dich für ein Jahr an und Du kannst machen, was Du ganz persönlich ganz, ganz wichtig findest. Was würdest Du tun?
4. Was sind Deine Ressourcen um den Gedanken an die in Auschwitz und Mauthausen ermordeten Menschen oder an Kinder, die heute verhungern, auszuhalten?
5. Du bekommst € 100.000 mit der Auflage das Geld für soziale, politische oder kulturelle Zwecke zu verwenden. Wo investierst du?

Weitergeben möchte ich das Blogstöckchen an:

Maria Herrmann | tomatedesign
Antje Schrupp | Aus Liebe zur Freiheit
Brigitte Theißl | Denkwerkstatt
Helmut Ausserwöger | Ausserwoeger's Blog (weil Du zwar selten, aber dann immer voll klasse bloggst)
Hans Christian Voigt | Kellerabteil

Wer die Fragen beantwortet hat, kann selbst neue Fragen formulieren und das Blog-Stöckchen an andere weiterwerfen. Ich bin schon gespannt, was da rauskommt!

November 19 2013

17:26

Social Media in der Erwachsenenbildung

Am 18. November 2013 habe ich in Graz einen Workshop für das Frauennetzwerk in der Katholischen Erwachsenenbildung gestaltet. Unten sind meine Slides.

Zum Thema Social Media und Erwachsenenbildung stehen übrigens zwei eintägige Seminare an, die ich gemeinsam mit Gaby Filzmoser gestalten werde: am 18. Jänner in Linz und am 18. März in Innsbruck im Haus der Begegnung.


November 18 2013

16:24

Trends in der Kommunikation

Am Freitag, 15. November 2013, war ich Vortragende auf einer Tagung für Führungskräfte und ÖffentlichkeitsarbeiterInnen der Diakonie Österreich. Es war ein intensiver und spannender Austausch "in ökumenischer Verbundenheit", wie hieß. Hier gibts für Interessierte meine Slides zum Nachlesen:


September 19 2013

16:10

Freundschaft 2.0

Für die Zeitschrift "neue gespräche", herausgegeben von der AKP - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V., habe ich einen Beitrag zum Thema Freundschaft geschrieben. Danke an Uli Berens für die redaktionelle Bearbeitung.

Freundschaft 2.0

„Ich habe 137 Freunde.“ Solche Aussagen lassen den Wert des Internets für die Pflege von Beziehungen fragwürdig erscheinen. Vier Klarstellungen und Überlegungen. Von Andrea Mayer-Edoloeyi

1. Freund_innenschaft im Internet: Das Thema ist in der öffentlichen Diskussion von vielen Missverständnissen geprägt. Ein beträchtlicher Teil davon beruht auf einem Übersetzungsproblem: Der Begriff friend im Englischen meint den weiteren Bekanntenkreis, der Begriff Freund_in im Deutschen bezeichnet dagegen traditionell einige wenige Menschen, mit denen ich engere, vertrautere Beziehungen pflege. Über Facebook bin ich wohl auch mit einigen engen Freund_innen verbunden, den Großteil dieser Beziehungen bilden aber Beziehungen zu friends - zu losen Bekannten.

2. Das Beziehungsmanagement im Social Web ist also oft ein Management von „weak ties“, eines erweiterten Freundes- und Bekanntenkreises. Diese „weak ties“ spielen jedoch nach der soziologischen Netzwerktheorie eine wichtige Rolle für den Aufbau von Sozialkapital. Die engsten Beziehungen („strong ties“) werden online wie offline gepflegt; der Termin für den Kaffeetratsch wird vielleicht auf Facebook arrangiert, der gemeinsame Kaffee wird aber immer noch in der Kohlenstoffwelt getrunken. Der Facebook-Erfinder Marc Zuckerberg sagt dazu ganz prägnant: „Facebook hilft, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiss nicht was Freundschaft bedeutet.“

Viele Jugendliche, die im Social Web besonders aktiv sind, verwenden große Kreativität darauf, um den Unterschied zwischen den „weak ties“ und „strong ties“ deutlich zu machen. Selbst dann, wenn der geschlossene Software-Code einer Social Networking-Site die spezifische Kennzeichnung enger FreundInnen nicht vorsieht, entwickeln sie diffizile Strategien, um ihre Kontakte zu unterscheiden, zum Beispiel über eindeutig benannte Fotoalben oder Verlinkungen auf Fotos. Dazu passt, dass Jugendliche seit Jahrzehnten als Lieblingsbeschäftigung faktisch unverändert „Mit Freunden treffen“ angeben. Überhaupt hat sich das Freizeitverhalten von jungen Menschen kaum nennenswert verändert; die ständige mediale Begleitung ist aber dazu gekommen.

3. Ein Start bei Facebook setzt in der Regel bestehende Beziehungen voraus. Das heißt: Ich nutze Facebook, um mit meinen Freund_innen, Bekannten, Verwandten in Beziehung zu bleiben. Auch die allmähliche Ausweitung des Beziehungsnetzes, die sich dann entwickelt, beruht in der Regel wieder auf gemeinsamen Bekanntschaften. Twitter ist anders: Es arbeitet nach dem „Follower-Prinzip“. Das bedeutet, ich „folge“ jemandem, indem ich seine Nachrichten (genannt „Tweets“, bestehend aus maximal 140 Zeichen) abonniere und dann automatisch mitlesen kann. Wenn das Gegenüber meinem Twitter-Account „folgt“, kann er meine Nachrichten mitlesen.

Meine friends auf Facebook habe ich also meist auch schon face-to-face getroffen, sie waren mir schon vorher näher oder weitläufiger bekannt. Meine follower auf Twitter dagegen habe ich meist dort erst kennen gelernt. Denn auf Twitter suche ich mir in der Hauptsache Anbieter_innen aus, deren Themen mich interessieren. Das kann Barack Obama sein oder die „Frankfurter Allgemeine“; mit beiden muss ich nicht befreundet sein, um follower zu werden. Twitter ist also stärker thematisch gruppiert. Allerdings bringt mich das Interesse am gleichen Thema möglicherweise mit Leuten in Freund_innenschaft zusammen, die ich vorher nicht kannte.

Das heißt: Die unterschiedliche Struktur der jeweiligen Social Media bringt einen unterschiedlichen Umgang mit Beziehungen mit sich. Ich möchte beides nicht missen und kann insbesondere sagen, dass ich manche mittlerweile zu meinen engen Freund_innen zähle, die ich ohne Twitter nie kennen gelernt hätte. Mittlerweile finde ich es nicht mehr ungewöhnlich, Bekannte von Twitter auch face-to-face zu treffen.

4. Das Social Web schafft durch die Möglichkeit der Anonymisierung neue Chancen. Ist das interessante Gegenüber, dass ich im Web als „BoingBoing“ kenne, nun alt oder jung, Mann oder Frau, „schwarz“ oder „weiß“, Professor oder Sponti? So manche interessante Überraschung habe ich da schon erlebt. Die Anonymität erleichtert es mir auch, aus meiner „Deckung“ zu kommen, mich zu offenbaren, zu zeigen, wie ich wirklich bin. Ein Beispiel: Der Hashtag (Schlagwort) #aufschrei bündelte in kurzer Zeit unzählige Berichte über Alltagssexismus. Er animierte viele Frauen und Männer, im Schutz der Anonymität ihre Erfahrungen zu erzählen; in kurzer Zeit kamen tausende, zum Teil sehr berührenden Tweets zusammen. Aus dem Netz wanderte das Thema zurück in die etablierten Medien und in die Politik, eine Wirkung, die zuvor noch kein Hashtag in Deutschland hatte; #aufschrei wurde dafür mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Es lohnt sich darum darüber nachzudenken, wo sich durch die Kommunikation im Internet auch neue Chancen ergeben, sich vorurteilsfrei, offen und jenseits festgelegter Rollenklischees zu begegnen, und ob neue Freund_innenschaften möglich werden, die so einfach ohne das Internet nicht entstanden wären. Denn das Internet lässt mich ja zunächst einfach nur das wahrnehmen, was da jemand schreibt und mit seinen friends und followern teilt. Dabei bleibt das Faktum, dass mein Gegenüber im Internet zum Beispiel gehörlos ist oder ein schlimmes Flüchtlingsschicksal hat, für meine Begegnung und meinem Umgang mit ihm nicht entscheidend.

Das Social Web kann darum neue Freiheiten schaffen, womöglich Vorurteile abbauen und Freund_innenschaften jenseits von meinen bisherigen sicheren Gewohnheiten ermöglichen.

Foto: Flickr CC by-nc-sa amanda.venner

May 12 2013

17:00

Die Bibel als Remix

Die digitale Gesellschaft lanziert gerade eine neue Kampagne: Recht auf Remix. Mir gefällt daran, dass hier versucht wird mit konkreten, umsetzbaren Forderungen die vielfach verfahrene Urheberrechtsdebatte weiterzubringen. Ein Mittel der Kampagne ist, Unterzeichner_innen einzuladen, ihre Lieblingsremixes einzureichen, um damit auch deutlich zu machen, dass Vielfalt und Kreativität durch Remixen und Kopieren gefördert wird.

Ich konnte nun nicht widerstehen und musste da die Bibel einreichen. Das möchte ich hiermit (auch, weil auf Twitter schon wer nachgefragt hat) genauer begründen:

Die Bibel ist - literarisch betrachtet - ein Produkt verschiedenster, oft sogar unbekannter Autor_innen über eine lange Zeit. Exeget_innen tüfteln bis heute daran, die verschiedenen Textschichten herauszufiltern - sozusagen an der Rekonstruktion des Remixes. Natürlich gab es dann in den ersten Jahrhunderten des Christentums einen Kanonisierungsprozess und der Text ist so geworden, wie er uns jetzt überliefert ist, inklusive offizeller und nicht-offizieller Übersetzungsvarianten. Das ist aber eigentlich auch typisch für die Remix-Kultur. Ein Video z.B. von Maschek kombiniert die Fernsehbilder mit eigenem Text - wenn es aber einmal fertig ist, ist es ein eigenständiges Kunstwerk.

Diese literarische Sichtweise der Bibel tut dem viel weiteren Verständnis der Bibel von ChristInnen als Heilige Schrift und Offenbarung keinen Abbruch. Vielmehr glaube ich, dass diese Sichtweise auch neue Zugänge für heutige Menschen öffnen kann. Ein "kleines" Hemmnis gibt es aber: Im deutschsprachigen Raum ist nicht mal der Bibeltext wirklich frei zugänglich. Das glaubst du nicht? Die Offene Bibel erklärt es und arbeitet intensiv an Abhilfe.

Wer sich genauer für die Remix-Kampagne interessiert und mehr über weitere aktuelle netzpolitische Themen wissen mag, ist übrigens mit dieser Stunde Video der re:publica gut beraten:

Grafik CC by-sa http://rechtaufremix.org/

February 20 2013

13:48

Meine Diplomarbeit "Digital Natives und kirchliche Kommunikation" ist online

... und zwar hier im Blog auf einer eigenen Seite: http://andreame.at/diplomarbeit

Viel Vergnügen beim Schmöckern und Feedback wäre cool!

January 18 2013

09:27

Einladung zur Blogparade: #refugeecamp

[For english information scroll down]

Seit mehr als 2 Monaten gibt es selbstorganisierte Proteste von AsylwerberInnen in Österreich, meines Wissens erstmals in dieser Form in Österreich. Es geht dabei darum grundlegende strukturelle Veränderungen im Asylsystem zu erreichen. Es geht um Menschenrechte! Derzeit sind 45 Refugees in der Wiener Votivkirche im Hungerstreik, der extremsten Form gewaltfreien Protests.

Die Refugees können jede Form von medialer Aufmerksamkeit und Solidarität brauchen. Dazu kann die Blogosphäre etwas beitragen:

Manche Bloggerinnen und Blogger haben das #refugeecamp schon zum Thema gemacht, manche haben das noch nicht getan. Ich möchte darum zu einer Blogparade einladen - ganz besonders jene BloggerInnen, die das Thema noch nicht aufgegriffen haben - auch wenn sich Dein Blog normalerweise mit ganz anderen Themen beschäftigt und Du vielleicht (wie ich) nicht in Wien bist. Wer über das Thema schon gebloggt hat, kann es aber gerne nochmal tun und ist genauso herzlich eingeladen, bei der Blogparade mit dabei zu sein.

Was ist eine Blogparade?

In einem Blog wird dazu eingeladen (hiermit passiert). Wer sich beteiligen will, schreibt im eigenen Blog zum Thema und informiert via Trackback oder einem Kommentar im Ausgangsbeitrag darüber. Weitere Verbreitung via Social Networks ist natürlich auch gewünscht! Im einladenden Blog gibt es eine abschließende Zusammenfassung und Übersicht. [mehr zu Blogparaden findet sich bei #sbsm oder direkt hier].

Blogparade #refugeecamp kompakt

>>> Thema der Blogparade ist das #refugeecamp. Was Du dazu genau schreibst, ist Dir überlassen. Am besten informieren zum Thema kannst Du Dich im Blog der Refugees oder natürlich direkt vor Ort in der Votivkirche.

>>> Blog-Beiträge bitte bis 23. Februar 2013 schreiben.

>>> Hierhin verlinken, damit andere auch was von der Blogparade mitbekommen!

>>> Auf Trackback oder Kommentar hier unten nicht vergessen!

Als Hashtag für Twitter & Co schlage ich vor: #refugeecamp #blogparade

Ich freue mich auf zahlreiche Beteiligung!

PS: Wer kein Blog hat, könnte ja die Gelegenheit nutzen und sich eines zulegen ;-) Es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten, seine Solidarität mit dem #refugeecamp zum Ausdruck zu bringen. Schau dazu mal auf http://refugeecampvienna.noblogs.org/

PSS: Beiträge, die bis dato eingelangt sind in übersichtlicher Ansicht auf Scoop.it

Blog Carnival #refugeecamp

English information

For more than 2 months, there are self-organized protests by asylum seekers in Austria, to my knowledge for first time in this form in Austria. They want to archieve fundamental structural changes in the asylum system. It's about human rights! Currently 45 refugees in the Votivkirche in Vienna are in hunger strike, the most extreme form of non-violent protest.

The refugees need every form of media attention and solidarity. The blogosphere can contribute something in this matter:

Some bloggers have already written already about the #refugeecamp, others have not. I would, therefore, like to invite to a blog carnival - especially those bloggers who have not yet taken up the issue - even if your blog is usually busy with other issues and you might not (like me) be in Vienna. Anyone who has blogged about the issue already, can do it again and is as welcome to contribute to the blog carnival.

What is a blog carnival?

A blog invites to the blog carnival (hereby happened). Every blogger who wants to participate blogs on the subject in his_her own blog and informs via trackback or a comment at the starting blog about the contribution. Further spreading via social networks is also required, of course! In the inviting blog there will be a final summary and overview. [More on blog carnival you can find here.]

Blog carnival #refugeecamp

>>> Issue of the blog carnival is #refugeecamp. What you exactly write is up to you. Best information on the issue you can find in the blog of Refugees or of course locally in the Votivkirche in Vienna.

>>> Write blog-posts, please, till February 23rd 2013.

>>> Link to this post so that others are informed about the blog carnival!

>>> Don’t forget to trackback or comment here on the bottom!

As a hashtag for Twitter etc. I suggest: # blogparade # refugeecamp

International contributions are welcome! If I cannot understand the language, I promise to collect the link (Google Translate helps).

I am looking forward to many participants!

PS: If you do not have a blog of your own, choose the opportunity to make one ;-) There are also many other ways to express your solidarity with the #refugeecamp. Visit http://refugeecampvienna.noblogs.org/

January 14 2013

10:48

Netzfeminismus – 7. Webmontag Linz

Irgendwie habe ich es bisher verabsäumt, hier im Blog immer auf den Webmontag der Social Media Guides hinzuweisen, den ich mitorganisiere. Das ist ein Fehler! Also:

>>> Netzfeminismus – 7. Webmontag Linz
Mo. 4. Februar 2013, 19.30 Uhr
DORF-TV-STudio, Hauptplatz 6-8, Linz

Foto: Flickr CC by-nc-sa crl!

January 12 2013

14:44

#bclinz am 2. Februar

Da solltest Du hingehen und mitreden:

July 29 2012

11:32

Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives (Ausschnitt Diplomarbeit)

Nachdem ich das letzte Mal als ich einen Ausschnitt meiner Diplomarbeit ins Netz gestellt habe (Der Begriff der Digital Natives) so gute Erfahrungen mit den anregenden Rückmeldungen gemacht habe, möchte ich das wieder tun. Dieser Abschnitt ist bezieht sich auf meine Schlussfolgerungen aus der Lektüre unterschiedlicher Untersuchungen, die alle mit den Sinusmodell arbeiten und die ich in den vorherigen Punkten detailiert dargestellt habe. Es ist vermutlich nur dann gut verständlich, wenn jemand dieses sozialwissenschaftliche Modell zumindest etwas kennt. Trotzdem möchte ich es probieren und freue mich über kritische Anmerkungen! Und ja: Es geht voran!

Foto: Flickr CC by re:publica 2012Foto: Flickr CC by re:publica 2012

Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil sie keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, das macht der MDG-Trendmonitor deutlich. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“ (Meier, Klaus, Positionierung der katholischen Kirche im Internet, in: Communicatio Socialis 3/2006, 292) hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da mittlerweile aufgrund steigender Internetnutzer_innen insgesamt mehr Menschen im Internet unterwegs sind, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich dieser Bereich insgesamt differenziert hat. Doch intensive Social Web-Nutzer_innen sind primär postmoderne Milieus. Insofern darf geschlussfolgert werden, dass Social Media-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, an der Dialoggruppe im Social Web weitgehend vorbeigehen. Die Ausnahme bilden dabei Jugendliche, denn diese kommunizieren alle - wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität - im Social Web.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit diesen Milieus zu eröffnen, da sie mehrheitlich potentiell offen sind für Religion und noch mehr Glaube. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstrendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)
Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein)

Es ist naheliegend, das Orientierungsangebote aus der christlichen Tradition in diesem Regrounding-Kontext auf Ressonanz stossen könnten. Die christliche Botschaft ist in der Lebenswelt der Postmodernen nicht irrelevant, das aktuell vorfindliche institutionelle Gefüge der Kirche verstellt aber in vielen Fällen die Möglichkeit einer positiven Kommunikation.

(4) Dass das Internet und das Social Web dabei eine erhebliche Rolle spielt, ist naheliegend. Manchmal finden sich sogar diesbezügliche explizite Appelle im Social Web. Expemplarisch sei hier der Blogger, Künstler und Medienjournalist Sebastian Baumer zitiert, der sich selbst als Atheist bezeichnet und schreibt:

Wäre ich die katholische Kirche, ich würde eine Webseite bauen lassen, auf der man die ganze Bibel lesen kann, schön übersichtlich gestaltet, mit einzelnen Kapiteln, Zusammenfassungen, Illustrationen und teuflisch schicker Typographie. Man könnte einzelne Textstellen markieren und twittern oder bei Facebook und sonstigen Social Networks posten. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, dann würde ich einmal im Jahr einen Wettbewerb ausrufen, bei dem zeitgenössische Schriftsteller meine besten Stories (Mose und das Meer, Die Apokalyse, Adam und Eva etc.pp.) neu schreiben und vortragen, ohne irgendwelche Vorgaben. Die Texte gäbe es im Bundle mit den zugehörigen Originalen für jedermann kostenlos als Print- und eBook-Version. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde alle meine abgefahren beeindruckenden Kirchen, Klöster und sonstigen Bauwerke weltweit in 3d photographieren und ne iOS-App bauen lassen, mit der man sie alle virtuell besichtigen kann. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde sofort mehrere Kampagnen starten, in denen ich den Leuten klar machen würde, dass in der Vergangenheit zwar einiges schief gelaufen ist, aber dass meine Kernbotschaft von Nächstenliebe und sich nicht wie ein Scheißasi benehmen eigentlich ziemlich zeitlos gut ist, egal, ob man an den alten Mann in Himmel glaubt oder nicht.
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde den Gottesdienst interaktiver und mit viel mehr Humor gestalten und würde jeden neu eingestellten Prediger dazu verpflichten, neben dem üblichen Beichtkram für die älteren Gläubigen einfach permanent für die Leute übers Netz erreichbar zu sein und bei Problemen aller Art zu helfen oder einfach nur zuzuhören.
Wäre ich die katholische Kirche, es könnte alles ziemlich cool werden, auch ohne den Inhalt groß zu verändern.

Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten.

June 27 2012

17:01

Update!

update

Was es mit diesem Cartoon (via) und der Kirche auf sich hat, darüber habe ich im neuen Blog Freude und Hoffnung des Kommunikationsbüros der Katholischen Kirche in Oberösterreich geschrieben. Es geht um Updates, das II. Vatikanische Konzil und Open Source.

-->> http://freudeundhoffnung.wordpress.com/2012/06/27/update/

June 07 2012

12:24

Sozialwort 2.0. Alle nur noch IchAG? Soziale Bewegungen und das Internet

Am 1. Juni gab es im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen eine Live-Sendung bei DORF-TV, die ich moderiert habe. Thema war soziale Gerechtigkeit und das Internet. Mehr dazu gibt es unter http://kirche20.at/sozialwort nachzulesen.

June 05 2012

22:34

ACT against ACTA

Am 9. Juni wird europaweit gegen ACTA demonstriert. Der passende Facebook-Event für Linzer_innen ist da, die Infos hier.

Ich selbst weiss noch nicht, wie ich das genau hinkriege, weil ich ja nach Rom fahre. Aber vielleicht hätte das auch einen Reiz, rauszufinden, was dazu in Italien los ist und mir mal bei einre Demo ganz woanders dabei zu sein ...

May 09 2012

09:15

Der Begriff der Digital Natives II

Nachdem ich auf meinen ersten Beitrag zur Frage nach dem Begriff der Digital Natives so viel Feedback bekommen habe (Danke!), möchte ich die überarbeitete Form auch zur Verfügung stellen. Meine Diplomarbeit schreitet also voran, erfreulicherweise nicht nur an dieser Stelle. Beim Text ist aber zu bedenken, dass das ein Abschnitt aus der Arbeit ist, der etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist, weil das davor und das danach hier fehlen. Irgendwann kommt aber sowieso die ganze Arbeit ins Netz..

Was sind Digital Natives? Der Begriff wurde von Marc Prensky geprägt, er greift den linguistischen Begriff der „Native Speaker“ auf und entwickelt ihn weiter. Als „Native Speaker“ werden Menschen verstanden, die in einer Sprache von der frühesten Kindheit aufgewachsen sind. „Digital Natives“ sind nach Prensky somit Menschen, die in einer Zeit erwachsen wurden, wo digitale Technologien wie Computer und das Internet bereits verfügbar waren. Entscheidend ist also das Alter der Personen. Das Gegenteil von „Digital Natives“ sind „Digital Immigrants“, die mit einem „Akzent“ in den virtuellen Welten unterwegs sind. Sie drucken beispielsweise Emails häufiger aus, können Informationen nicht so schnell verarbeiten und sind weniger multitasking-fähig. Prensky erklärt die Unterscheide mit Veränderungen im Gehirn.

Ähnlich wie in der linguistischen Debatte der Begriff der „Native Speakers“ umstritten ist (1), ist es auch der Begriff der „Digital Natives“. Der Begriff der Digital Natives, ebenso wie die synonym verwendeten Begriffe „Generation Y“, „Net Generation“ und „Millenials“, wird von vielen Medienwissenschaftler_innen auf Basis von Untersuchungen des Medienverhaltens kritisch gesehen (2). Ob sich das Nutzungsverhalten von älteren Personen, die intensiv das Social Web nutzen, qualitativ von dem der jüngeren Generation unterscheidet, ist umstritten. Vieles deutet darauf hin, dass das Alter als einziges Differenzierungskriterium auch für diese Frage wie andere gesellschaftliche Fragen nicht geeignet ist. Es gibt auch jüngere Personen, die ein Kommunikationsverhalten von „Digital Immigrants“ zeigen oder sogar „Digital Outsiders“ sind ebenso wie es Ältere gibt, die das Netz in einer Weise nutzen wie es Marc Prensky nur den Jüngeren zuschreibt.

Gründe für das prominente, aber problematische Labeling der Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegen nach Susan Herring in der zu starken Erwachenenperspektive, die einen “generational divide” konstruiert. Jan Schmidt spricht davon, dass damit die Vorstellung aus den 1990er-Jahren reproduziert werde, dass Internet sei ein „eigener Raum, ein 'Cyberspace' mit eigenen Gesetzen, Riten und Normen, der losgelöst von der 'realen Welt' existiere“.

Ein anderer möglicher Zugang zu dieser Frage ist nicht eine nutzungs- sondern eine stärker wertorientierte Sichtweise der Menschen, die intensiv das Internet und Social Web nutzen. Bekannt geworden ist dazu im deutschsprachigen Raum der Ansatz des Organisationspsychologen und Unternehmensberaters Peter Kruse, der sich auf der re:publica7 2010 mit dieser Frage beschäftigte. Kruse hat in einer repräsentativen Untersuchung „heavy users“ nach ihren Werten befragt und kristallisierte zwei Gruppen heraus: Die „Digital Residents“ und die „Digital Visitors“. Das Alter ist hier nicht das Unterscheidungskritierium, die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. Es geht bei diesen zwei Gruppen von intensiven Internetnutzer_innen um signifikante Unterschiede in den Werthaltungen und einen unterschiedlichen Umgang mit dem Internet. „Digital Resident“ zu sein nach Kruse, ist eine Werthaltung, kein Geburtsrecht. „Digital Residents“ leben weitgehend - sowohl beruflich wie privat - im Web, sie bringen eine große Offenheit für den Austausch mit und sehen die Online-Kontaktpflege mit anderen Menschen gleichwertig zu Kontaktpflege offline. Sie wollen gestaltend eingreifen. „Digital Visitors“ gehen nur ins Internet, wenn sie schnell und aktuell praktische Informationen erhalten wollen. Beziehungen bauen sie erst in der Offline-Welt auf bevor sie sie im Social Web weiterpflegen.

Wertorientiert ist auch die neue Studie des Deutschen-Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), die mit dem Sinusmodell arbeitet. Die DIVSI-Studie legt eine Differenzierung der bundesdeutschen Bevölkerung in „Digital Outsiders“, „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ nahe. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob sie bei der Auswahl der zusammenfassenden Beschreibung der Internet-Milieus auf die dargestellte Debatte rund um die Begrifflichkeiten Bezug nimmt oder nicht. Die drei Segmente bzw. die sieben Internetmilieus entstanden auf Basis von qualitativen, repräsentativen Interviews. Die Gruppen werden wie folgt gefasst:

Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.
Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.
Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.“

Insgesamt ergibt sich für die Begrifflichkeiten ein mehr als unstimmiges Bild. Offenbar ist „Digital Native“ in der wissenschaftlichen Debatte weniger ein klar bestimmter Begriff als eine häufig verwendete Metapher, die eine gesellschaftliche Veränderung anzeigt. Jedenfalls scheint es gute Gründe zu geben, eine rein am Hineingeborensein ins digitale Zeitalter orientierte Definition des Begriffes nicht vorzunehmen, da dieses Kriterium alleine dem Phänomen nicht gerecht wird. Festzuhalten ist auch, dass es Forschungsbedarf rund um den Begriff der „Digital Natives“ gibt, gerade auch, weil dieser gesellschaftlich so populär verwendet wird.

Für die vorliegende Arbeit, die sich nicht ausschließlich mit Fragestellungen der Jugendpastoral beschäftigt und die in der grundsätzlichen Fragestellung auf wertorientierte Kommunikation abzielt, sind wertorientierte Ansätze der Begriffsbestimmung sinnvoller. Die DIVSI-Studie arbeitet mit dem Sinusmodell, das in der weiteren Folge dieser Untersuchung relevant ist und im folgenden Abschnitt genauer dargestellt wird, weil hier theologisch diskutierte Zielgruppenuntersuchungen für die Fragestellungen der Kirche und Glaubenskommunikation vorliegen. Aus diesem Grund verwende ich in der weiteren Diskussion den Begriff der „Digital Natives“ in der Fassung der DIVSI-Studie. Die von Peter Kruse vorgeschlagene und in der Argumentation sehr plausible Differenzierung findet sich dort in gewisser Weise auch wieder, weil es insgesamt sieben Internetmilieus gibt und die „Digital Natives“ noch einmal unterschieden werden. Das Milieu der „Digital Souveränen“ kommt vermutlich jener Gruppe, die Kruse „Digital Residents“ nennt in der Wertorientierung am nächsten. Ob das aber wirklich so ist, kann aber in diesem Rahmen nicht nachvollzogen werden, weil von Kruse nur sehr eingeschränkt Studienmaterialien öffentlich zugänglich vorliegen und der Abgleich zweier unterschiedlicher empirischer Forschungsansätze den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

(1) Vgl. Tronnier, Nemo, Rekonstruktion jugendlicher Erfahrungsräume im Internet, Norderstedt 2011, 5
(2) Ein prominenter Kritiker ist der Pädagogikprofessor Rolf Schulmeister, der verschiedene Studien zur Mediennutzung verglichen hat und daraus schlussfolgert, dass es keine Belege für eine andere Mediennutzung junger Menschen gibt. Vgl. Schulmeister, Rolf, Gibt es eine »Net Generation«?, Hamburg 2009

Foto Flickr CC by-sa Gideon Burton

Besser? Ich freue mich über weitere Rückmeldungen!

April 03 2012

19:47

Facebook-Cops. WTF.

copDas Innenministerium schickt sogenannte 300 Spezialermittler in die Schulen. Abgesehen davon, dass es wohl auch Spezialermittlerinnen geben könnte, frage ich mich ganz viel:

Was zeichnet Polizist_innen aus, um Schüler_innen den kompetenten Umgang mit Social Media zu vermitteln? Bekommen die jetzt alle eine medienpädagogische Ausbildung, die wohl mehr sein müsste als ein eintägiger Schnellsiedekurs?

Warum gibt es keine medienpädagogischen Projekte, wo junge Leute in kreativer Form Möglichkeiten finden, sich Kompetenzen anzueignen, sondern blosse Information über "Cyberkriminalität, Social-Media-Angebot und Onlinemobbing"?

Was spielen da Eltern und Lehrer_innen für eine Rolle? Sind die wurscht, weil eh die Cops die Sache übernommen haben?

Warum tut das Innenministerium so als ob es die seit Jahren sehr kompetent arbeitende Initiative Saferinternet nicht gäbe? Die Leute da haben wohl mehr Ahnung von der Sache und von der Kommunikation mit Schüler_innen als Polizist_innen und wenn mehr Bedarf da ist, liese sich das ja ausbauen.

Ist das alles sowieso nur Stimmenfang für die ÖVP, um ein Klientel zu bedienen, dass wieder mal nach mehr Kontrolle schreit?

Ergänzungen gerne möglich ...

Foto: Flickr CC by-nc-sa Alsterstar

March 31 2012

08:34

Mitklagen gegen die Vorratsdatenspeicherung!

Heute wird gegen ACTA und VDS demonstriert, seit gestern kann man_frau gegen die Vorratsdatenspeicherung mitklagen. Wie ist im Video erklärt:

Ich habe schon unterschrieben. Du auch?

March 18 2012

10:03

Der Begriff der Digital Natives

Ein Ausschnitt aus meiner Diplomarbeit (Arbeitstitel: Kommunikationsräume der Kirche mit Digital Natives eröffnen), den ich gerne zur Diskussions stellen würde.

Was sind Digital Natives? Der Begriff wurde von Marc Prensky geprägt, er greift den linguistischen Begriff der „Native Speaker“ auf und entwickelt ihn weiter. Als „native speaker“ werden Menschen verstanden, die in einer Sprache von der frühesten Kinderheit aufgewachsen sind. „Digital Natives“ sind nach Prensky somit Menschen, die in einer Zeit erwachsen wurden, wo digitale Technologien wie Computer und das Internet bereits verfügbar waren. Entscheidend ist also das Alter der Personen. Das Gegenteil von „Digital Natives“ sind „Digital Immigrants“, die mit einem „Akzent“ in den virtuellen Welten unterwegs sind. Sie drucken beispielsweise Emails häufiger aus, können Informationen nicht so schnell verarbeiten und sind weniger multitasking-fähig. Prensky erklärt die Unterscheide mit Veränderungen im Gehirn.

Ähnlich wie ich in der linguistischen Debatte der Begriff der „Native Speakers“ umstritten ist (1), ist es auch der Begriff der „Digital Natives“. Der Begriff der Digital Natives, ebenso wie die synonym verwendeten Begriffe „Generation Y“ und Millenials“, wird von vielen Medienwissenschaftler_innen auf Basis von Untersuchungen des Medienverhaltens kritisch gesehen. Ob sich das Nutzungsverhalten von älteren Personen, die intensiv das Social Web nutzen, qualitativ von dem der jüngeren Generation unterscheidet, ist umstritten. Vieles deutet darauf hin, dass das Alter als einziges Differenzierungskriterium auch für diese Frage wie andere gesellschaftliche Fragen nicht geeignet ist. Es gibt auch jüngere Personen, die ein Kommunikationsverhalten von „Digital Immigrants“ zeigen oder sogar „Digital Outsiders“ sind ebenso wie es Ältere gibt, die das Netz in einer Weise nutzen wie es Marc Prensky nur den Jüngeren zuschreibt.

Ein anderer möglicher Zugang zu dieser Frage ist nicht eine nutzungs- sondern eine wertorientierte Sichtweise der Menschen, die intensiv das Internet und Social Web nutzen. Bekannt geworden ist dazu im deutschsprachigen Raum der Ansatz des Organisationspsychologen und Unternehmensberaters Peter Kruse, der sich auf der re:publica 2010 mit dieser Frage beschäftigte. Kruse hat in einer repräsentativen Untersuchung „heavy users“ nach ihren Werten befragt und kristallisierte zwei Gruppen heraus: Die „Digital Residents“ und die „Digital Visitors“. Das Alter ist hier nicht das Unterscheidungskritierium, die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. Es geht bei diesen zwei Gruppen von intensiven Internetnutzer_innen um signifikante Unterschiede in den Werthaltungen und einen unterschiedlichen Umgang mit dem Internet. „Digital Resident“ zu sein nach Kruse, ist eine Werthaltung, kein Geburtsrecht. „Digital Residents“ leben weitgehend - sowohl beruflich wie privat - im Web, sie bringen eine große Offenheit für den Austausch mit und sehen die Online-Kontaktpflege mit anderen Menschen gleichwertig zu Kontaktpflege Offline. Sie wollen gestaltetend eingreifen. „Digital Visitors“ gehen nur ins Internet, wenn sie schnell und aktuell praktische Informationen erhalten wollen. Beziehungen bauen sie erst in der Offline-Welt auf bevor sie sich im Social Web weiterpflegen.

Wertorientiert ist auch die neue Studie des Deutschen-Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), die mit dem Sinusmodell arbeitet. Die DIVSI-Studie legt eine Differenzierung der bundesdeutschen Bevölkerung in „Digital Outsiders“, „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ nahe. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob sie beider Auswahl der zusammenfassenden Beschreibung der Internet-Milieus auf die dargestellte Debatte rund um die Begrifflichkeiten Bezug nimmt oder nicht. Die drei Gruppen bzw. die sieben Internetmilieus entstanden auf Basis von qualitativen, repräsentativen Interviews. Die Gruppen werden wie folgt gefasst:

Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.
Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch
gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.
Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.“

Insgesamt ergibt sich für die Begrifflichkeiten ein mehr als unstimmiges Bild. Offenbar ist „Digital Native“ in der wissenschaftlichen Debatte weniger ein klar bestimmter Begriff als eine häufig verwendete Metapher, die eine gesellschaftliche Veränderung anzeigt. Jedenfalls scheint es gute Gründe zu geben, eine rein am Hineingeborensein ins digitale Zeitalter orientierte Definition des Begriffes nicht vorzunehmen, da dieses Kriterium alleine dem Phänomen nicht gerecht wird. Festzuhalten ist auch, dass es Forschungsbedarf rund um den Begriff der „Digital Natives“ gibt, gerade auch, weil dieser gesellschaftlich so populär verwendet wird.

Für die vorliegende Arbeit, die sich nicht ausschließlich mit Fragestellungen der Jugendpastoral beschäftigt und die in der grundsätzlichen Fragestellung auf wertorientierte Kommunikation abzielt, sind wertorientierte Ansätze der Begriffsbestimmung sinnvoller. Die DIVSI-Studie arbeitet mit dem Sinusmodell, das in der weiteren Folge dieser Untersuchung relevant ist und im folgenden Abschnitt genauer dargestellt wird, weil hier theologisch diskutierte Zielgruppenuntersuchungen für die Fragestellungen der Kirche und Glaubenskommunikation vorliegen. Aus diesem Grund verwende ich in der weiteren Diskussion den Begriff der „Digital Natives“ in der Fassung der DIVSI-Studie. Die von Peter Kruse vorgeschlagene Differenzierung findet sich dort in gewisser Weise auch wieder, weil es insgesamt sieben Internetmilieus gibt und die „Digital Natives“ noch einmal unterschieden werden. Das Milieu der „Digital Souveränen“ kommt vermutlich jener Gruppe, die Kruse „Digital Residents“ nennt in seiner Wertorientierung am nächsten. Ob das aber wirklich so ist, kann aber in diesem Rahmen nicht nachvollzogen werden, weil von Kruse nur sehr eingeschränkt Studienmaterialien öffentlich zugänglich vorliegen und der Abgleich zweier unterschiedlicher empirischer Forschungsansätze den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

(1) Tronnier, Nemo, Rekonstruktion jugendlicher Erfahrungsräume im Internet, Norderstedt 2011, 5
Foto Flickr CC by-sa Gideon Burton

Ist diese Argumentation schlüssig? Was fehlt? Was übersehe ich? Wer hat Einsprüche?

March 14 2012

19:16

Wem gehören Wissen und Kultur?

Schon wieder ACTA und Co. - Das werden sich regelmässige Leser_innen meines Blogs wohl denken. Aber die Zukunft des Internets beschäftigt mich. Und nicht nur mich! Da wird die Zukunft verhandelt. Und über Kirche und Social Media blogge ich ja sowieso auf Kirche 2.0 ;-)

Jedenfalls gibt es morgen in der Solidarwerkstatt eine Debatte zum Thema Netzpolitik, wo ich auch ein bisserl was beitragen darf, da ich mich dazu überreden habe lassen. Wer mitdiskutieren will, ist herzlich eingeladen. Alle Infos auf Facebook.

February 25 2012

18:55

Pics von der Stop ACTA Demo Linz

Super war sie heute die Stop ACTA Demo in Linz. Viele Leute, gute Stimmung und Lust, weiterzumachen! Yeah!!!

February 22 2012

11:20

Stopp ACTA Demo #2

Vermutlich wissen es eh schon alle. Aber es könnte ja sein, dass es jemand doch noch nicht weiss. Am Samstag, 25. Februar 2012, wird wieder gegen ACTA demonstriert. Gegen ACTA und für ein freies Internet für alle. Um 14.00 Uhr im Volksgarten geht es los. Join us!
Proteste gibt es auch in anderen Städten, die Übersicht findet sich auf http://www.stopp-acta.at/proteste/

Am 31. März geht es gegen ACTA und die Vorratsdatenspeicherung. Das ist wohl was zum Vormerken!

Foto: Flickr CC by-nc-sa equinoxefr

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