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September 07 2013

17:08

Frequenzrauschen aus der Vergangenheit

Vor einiger Zeit habe mit drei anderen Frauen - Claudia Dworschak, Gabi Kepplinger und Andrea Reisinger - tief in unseren Erinnerungen gegraben und einiges über die Zeit der Anfänge des Freien Radios und Radio FRO 105.0 zu Tage befördert. Es geht um die Zeit irgendwann zwischen 1995 und 1997.

Manuela Mittermayer hat daraus eine tolle Sendung gemacht. Ich freue mich schon auf die weiteren Folgen dieser Reihe von SpaceFemFM.

April 13 2013

10:10

Bravo, FIFTITU%!

Eine tolle Aktion von FIFTITU% bei der Eröffnung des Musiktheaters gegen den männlichen Normalbetrieb, der bei solchen Prunkbauten besonders deutlich zu Tage tritt, ist im Video zu sehen. Aber schade, dass ich das in live verpasst habe. Hätte mich mehr interessiert als das Eröffnungsspektakel von dem ich als eine, die ganz in der Nähe wohnt, immer wieder beschallt werde. Man_frau stelle sich vor, dass würde die KAPU machen!?

February 10 2013

16:37

Gastfreundschaft beim #refugeecamp

Gestern war ich gemeinsam mit Freund_innen in Wien in der Votivkirche, um die Refugees zu besuchen, aber auch um mir endlich in der Sache eine Meinung vor Ort zu bilden. Organisiert haben wir das über PANGEA, waren zu viert und haben es erfreulicherweise auch geschafft, einen über Spenden finanzierten Laptop mit Internetzugang mitbringen zu können. Danke an alle, die sich daran ganz spontan beteiligt haben! Der Laptop ist gut angekommen und nach einem Anruf heute weiss ich, dass er schon im Einsatz ist.

CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC http://www.flickr.com/photos/ghmss/CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC

Ich habe auch fotografiert, aber die schöneren Fotos hat Noora gemacht.

Mazda oder Menschenrechte

Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen in Wien, wurden wir von einer großen Auto-Werbung auf der Votivkirche empfangen. So sinnvoll es wohl ist, dass die Kirche Kirchenrenovierungen auch mit Werbung finanziert, so absurd kommt das in der aktuellen Situation an. Spontan habe ich mir gedacht, dass da was von Menschenrechten drauf stehen müsste. Dass dem nicht so ist und die Schilder der Refugees in der Kirche viel bescheidener sind, ist die kapitalistische Realität, die Profit vor Menschen setzt :-(

Warmer Tee, Decken und Heizstrahler

Sehr herzlich wurden wir von den Refugees in der Kirche empfangen. Natürlich ist das für alle Beteiligten eine etwas merkwürdige Situation, weil wir uns nicht gekannt haben – aber das hat sich ganz schnell aufgelöst und wir sind gut miteinander ins Gespräch gekommen. Auf Englisch ist das überhaupt kein Problem, manche sprechen auch ganz gut Deutsch. Wir haben guten warmen Tee bekommen und gute Tipps gegen die Kälte. Gleich waren wir auch eingeladen, die Schuhe auszuziehen und unter die Decken zu kommen. Da drunter sind auch Heizstrahler bzw. gibt es Heizdecken. Darunter wird einem dann schon irgendwie an einem Eck des Körpers warm - richtig anstrengend war aber schon nach wenigen Stunden dauernd die kalte Luft zu atmen. Wie das Tag und Nacht ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Der Gang auf die zwei Dixi-Klos im Eingangsbereich der Kirche ist unangenehm kalt und auch ekelhaft, das wärmere Klo in der Kirche ist aber abgesperrt. Schockiert hat mich auch, dass das Licht in der Kirche auch nachts nicht abgedreht wird - das führt wohl dazu, dass die Refugees immer mehr das Gefühl für Tag und Nacht verlieren und nicht nur wegen des Hungerstreiks viel auch tagsüber schlafen. Vielleicht gerade wegen der Improvisiertheit in der Kirche ist mir die Gastfreundschaft der Refugees so eindrücklich geworden.

Miteinander reden und zuhören

Die meiste Zeit haben wir genutzt, zuzuhören und miteinander zu reden: über die Ignoranz der Politik, die Wichtigkeit des selbstorganisierten Protests, das improvisierte Leben in der Kirche und die persönlichen Wege der Refugees. Manchmal weiss auch einfach niemand mehr etwas zu sagen. Und doch ist es gut, da zu sein. Manche haben das Asylsystem auch schon in anderen europäischen Ländern erlebt. Sehr deutlich ist mir geworden, dass diese Männer wissen was sie tun. Sie haben einfach keine Alternative und hoffen auf eine Lösung, zu der sie gerne alles beitragen, was sie können. Die Lösung kann aber in Konsequenz nur von den politisch Verantwortlichen kommen. Die Refugees sind dankbar für jede Unterstützung, aber haben verständlicherweise ein gutes Stück Distanz zur Politik und grossen NGOs.

Der Normalbetrieb alltäglicher Solidarität

Wir haben eine junge Ärztin getroffen, die Suppe für die Refugees gekocht hatte und gemeinsam mit einer Freundin in die Kirche brachte. Zwei Frauen sind gekommen und haben Wäsche zum Waschen abgeholt und saubere Wäsche gebracht. Der Deutschunterricht musste am Samstag erstmals ausfallen, weil die Refugees zu schwach dafür waren und sich nicht genug konzentrieren konnten. Am Montag wird es trotzdem wieder das Angebot geben. Andere sind einfach gekommen, um zu reden und da zu sein - genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas. Alle Supporter_innen haben sich gefreut, andere zu sehen, die an irgendeinem anderen Eck mithelfen; manches kommt von solidarischen Privatpersonen, denen die Refugees einfach ein Anliegen sind, manches kommt von den grossen Hilfsorganisationen. Wichtig war den Refugees zu sagen, dass der Tee, den sie uns angeboten haben, von ihnen selbst gemacht wird. Während unseres Besuchs mussten wir auch erleben, dass zwei hungerstreikende Refugees ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Da haben sich ein Arzt, die Caritas und die Johanniter sorgsam und kompetent drum gekümmert.

Im Haus Gottes

Immer wieder werden die Refugees gefragt, warum sie denn in keiner Moschee Zuflucht gesucht hätten - als ob da direkt neben dem Sigmund-Freud-Park eine Moschee wäre. Die Refugees nehmen sehr bewusst die Votivkirche als Haus Gottes wahr und behandeln das Haus mit dem nötigen Respekt. Trotzdem ist, selbst wenn, wie bei unserem Besuch, kein Gottesdienst ist, die Atmosphäre skurrill: Die hohen, neugotischen Räume und das Matratzenlager im Seitenschiff. In der einen Ecke hängen die Tafeln des Kameradschaftsbundes, in der anderen Ecke gibt es einen Erinnerungsort für den Seligen Franz Jägerstätter. Ich persönlich kann mir unmöglich vorstellen, wie da jemand Gottesdienst feiern kann und so tun kann, als ob die Menschen im Seitenschiff Luft wären: für mich ist das eine Pervertierung des Christlichen - denn zuallererst sind die Menschen heilig und nicht Räume oder offenbar erstarrte sinnentleerte Rituale. Da bin ich einer Meinung mit den Refugees: es geht uns allen im Kern, egal um ob Moslems oder Christ_innen, um Gott und um ein würdevolles Leben für alle Menschen. Ich verstehe schon, dass das für die konkrete Pfarrgemeinde nicht einfach ist, aber mir ist nicht nachvollziehbar, wie jemand solche Texte aufhängen kann und dann nicht merken, dass die Wärme, vielleicht nicht gerade gemütlich, aber doch, unter den Decken und im Gesicht der Refugees ist. Jenen, die da gerade da sind und nicht abstrakt irgendwo. Bei der heutigen Reaktion der Refugees auf die Provokation einer rechten Gruppe habe ich mich stark an manche Gleichnisse Jesu erinnert gefühlt: Der hat es auch verstanden, schwierige Situationen mit Menschenfreundlichkeit und Respekt für alle Menschen aufzulösen und genau daraus Autorität und Anerkennung bei seinen ersten Anhänger_innen gewonnen. Das wäre wohl auch der Weg, wie Kirche endlich wieder Profil gewinnen würde: nicht durch Herumlavieren, noble Zurückhaltung oder als vermeintlich "neutrale" Moderatorin, sondern durch eine klare und pointierte Haltung für Menschenrechte – für wirklich alle. Da ist manch Gutes in den letzten Wochen passiert - aber angesichts der Situation denke ich auch, dass da mehr möglich wäre - durchaus auch in Kooperation mit allen Menschen guten Willens, ganz egal, ob sie nun Christ_innen sind oder nicht.

"We are sorry ..."

Nachdem ich im Vorfeld schon viel über die Zugangskontrollen (maximal 5 Supporter_innen) erfahren hatte, habe ich mit der Caritas Kontakt aufgenommen, um zu klären, wie das bei unserem Besuch läuft. Da ist herausgekommen, dass es definitiv keine Ausnahmeregelung gibt. Vor Ort hatten wir dann aber Glück und sind gleich in die Kirche rein gekommen, weil gerade nicht zu viele Besucher_innen da waren. Etwas später habe ich dann aber miterlebt, wie elf Innsbrucker_innen, die auch einen Solidaritätsbesuch gemacht hatten und Geschenke mit hatten, zum Teil vor der Tür gestanden sind bzw. nur abwechselnd rein durften. Einer der Refugees hat sich dafür entschuldigt und deutlich gemacht, dass ihm diese Zugangsregelung sehr leid tut. Ich habe meinerseits auch weitere Refugees gefragt und von allen einhellig vernommen, dass sie gerne möchten, dass mehr SupporterInnen gleichzeitig kommen können. Warum die Caritas da wiederholt sagt, dass die Refugees selbst diese restriktive Regelung auch haben möchten, ist mir nicht nachvollziehbar. Die beiden Mitarbeiter des Security Dienstes waren uns gegenüber sehr freundlich genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas, die vor Ort waren.

Mein Resümmé

Ich bin extrem froh, dass ich gestern in der Votivkirche war. Es war intensiv, kalt und warm zugleich - und ich war entsprechend müde hinterher. Ich habe von den Refugees ganz viel bekommen. Mein über das Internet und über Gespräche gewonnenes Bild der Situation hat sich bestätigt: Die Refugees organisieren selbstbestimmt ihren Protest für Menschenrechte und es gibt viele solidarische Unterstützer_innen. Die Caritas sorgt für einen einen gewissen notwendigen Rahmen; es ist gut, dass sie vor Ort ist, auch wenn manche Regelungen in der Kirche für mich nicht nachvollziehbar und sinnvoll einsichtig sind.
Wie das alles weitergeht, weiss ich auch heute nicht. Das habe ich mir aber realistischerweise auch nicht erwartet. Es steht mir auch nicht zu, den Refugees irgendetwas raten zu wollen. Wie wohl alle mache ich mir Sorgen um die Gesundheit der Refugees wegen des Hungerstreiks - ich habe aber auch erlebt, dass sie sehr klar wissen, was sie wollen und was nicht. Sicher bin ich mir bei zwei Dingen: Die Refugees brauchen all unsere Solidarität und es braucht noch mehr politischen Druck, um endlich zu Veränderungen im in den letzten Jahren immer inhumaner gewordenen Asylsystem zu kommen. Wenigstens in der Frage des Arbeitsmarktzugangs für Asylsuchende gibt es Ansätze von Bewegung (Unterschriftenliste).

Mach was!

Ich möchte alle, denen die Refugees nicht egal sind, ermutigen was zu tun. Zuschauen und sich denken "eh schlimm" macht nichts besser.
Fahr hin und besuche Sie! Sie freuen sich und am besten geht das praktisch in kleinen Gruppen, weil es dann am einfachsten mit der Zugangsregelung zur Kirche klappt. Wenn Du was mitbringen kannst, steht da, was gebraucht wird.
Erzähl' es weiter und glaub nicht alles, was in der Zeitung und im Internet steht! Verlässliche Infoquelle ist die Website der Refugees, die Facebook-Page und vor allem für aktuelle Aktionen Twitter.
Beteiligte Dich an Solidaritätsaktionen und Protesten! Am 16.2. gibt es in Wien eine Demo, weitere Aktivitäten sind geplant. Morgen gibts in Linz ein Vernetzungstreffen in der Sache. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Protest der Refugees nicht nur ein politischer Lernraum sein kann, wie es ist, wenn Migrant_innen selbst als Protagonist_innen auftreten, sondern dass es auch an der Zeit ist, zu lernen, dass es unterschiedliche Formen von Solidarität geben kann und die allesamt wertvoll sind für das Anliegen der Menschenrechte der Refugees, die im übrigen unser aller Menschenrechte sind - denn entweder sind die universal oder verdienen diese Bezeichnung nicht. Mich nerven die Gebete der Solidarität lächerlich machenden Meldungen genauso wie ich es nicht verstehe, dass jemand nicht bei einer Demo mit dabei ist, weil es dort auch passieren könnte, dass wer neben einen ein Schild hochhält, wo was drauf steht, dass er_sie nicht teilt. Wer selbst ein Schild mitbringt, kann auch selbst zeigen, worum es ihm_ihr geht. Hoffnung macht mir, dass diese Bewegung auch zeigt, dass es viele Menschen gibt, denen es um Menschlichkeit geht.

January 26 2013

18:48

Politisches Nachtgebet in Solidarität mit dem #refugeecamp

Am Montag, 28. Jänner 2013, gibt es um 18.00 Uhr ein politisches Nachtgebet. In Linz findest dieses in der Ursulinenkirche statt, es gibt aber auch Gebete der Solidarität in Wien und Graz. Damit ja niemand sagt, er_sie habe es nicht gewusst, steht es hier nochmal.

>> Infos zum Politischen Nachtgebet

>> Refugeecamp-Blog

Das Foto (by Daniel Weber) zeigt übrigens die Realität in der Votivkirche: immer mehr sind die Refugees dort eingesperrt :-(

January 24 2013

21:42

Video Demo #refugeecamp in Linz

Heute war ich auf der Demo in Solidarität mit dem #refugeecamp und habe ein Video zusammengeschnipselt. Ich finde es so befreiend, da auf die Demo zu gehen und was zu machen - anders ist es einfach nicht auszuhalten, denn ganz besonders bei den rechten Parteien hält die Ignoranz, wenn es um Menschenrechte für Refugees geht, leider nach wie vor an. Drum: Wir müssen was tun!

Das Video gibts auch bei DORF und Ich mach Politik.

January 12 2013

14:44

#bclinz am 2. Februar

Da solltest Du hingehen und mitreden:

June 23 2012

09:38

Gegen den Westring unterschreiben!

Ich habe unterschrieben und möchte es allen ans Herzen legen, es mir gleich zu tun. Gegen die Flächenwidmung für die Autobahn durch Linz können bis spätestens 10. Juli 2012 schriftliche Einwendungen beim Magistrat Linz eingebracht werden. Musterbriefe gibt es auf http://www.westring.info/, direkt hier als .doc. Sie müssen ausgedruckt und per Post übermittelt werden.

Der Westring ist meiner Meinung nach das abwegigste Großprojekt in Linz, das es derzeit gibt. Anstatt in sinnvolle öffentliche Verkehrslösungen zu investieren, wird eine Autobahn gebaut, die nur noch mehr Verkehr anzieht. Ach, mir würden soviel sinnvolle Alternativen einfallen, was mit dem vielen, vielen Geld passieren könnte ...

Obriges Bild ist übrigens im AEC fotografiert. Da war 2010 dieses Werbevideo der Asfinag das einzige was zum Thema Zukunft des Linzer Verkehrs zu finden war (ob sich das mittlerweile geändert hat, weiss ich nicht). Die unkreativen Zubetonierer_innen sind da am Werk. Wehren wir uns!

February 25 2012

17:57
17:54

February 22 2012

11:20

Stopp ACTA Demo #2

Vermutlich wissen es eh schon alle. Aber es könnte ja sein, dass es jemand doch noch nicht weiss. Am Samstag, 25. Februar 2012, wird wieder gegen ACTA demonstriert. Gegen ACTA und für ein freies Internet für alle. Um 14.00 Uhr im Volksgarten geht es los. Join us!
Proteste gibt es auch in anderen Städten, die Übersicht findet sich auf http://www.stopp-acta.at/proteste/

Am 31. März geht es gegen ACTA und die Vorratsdatenspeicherung. Das ist wohl was zum Vormerken!

Foto: Flickr CC by-nc-sa equinoxefr

January 22 2012

January 12 2012

December 30 2011

16:47

Barcamp Linz am 4. Februar 2012

Am 4. Februar 2012 geht das erste "allgemeine" Barcamp im Linzer Wissensturm über die Bühne. Es wird eine eintägige Veranstaltung werden, ein bisserl Rahmenprogramm ist aber durchaus schon auch angedacht.

Ich bin eine der Mitorganisator_innen und freue mich schon sehr drauf. Noch wird ausverhandelt welche Panels es geben soll, klar ist aber, dass jedenfalls das Internet im Mittelpunkt stehen soll und viel Raum für die unterschiedlichen Ideen und Beiträge der Teilnehmer_innen sein soll. Davon lebt eine solche partizipative Veranstaltung ja. Die Location WIssensturm ist ideal für so ein Veranstaltungsformat.

Also: Save the date! Und rede mit auf http://www.barcamp.at/Barcamp_in_Linz

Foto (vom letzten Barcamp Kirche & Social Media): CC by-nc-sa laclems

Tags: Internet Linz

December 04 2011

13:19

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen? Das fragt Daniel Friesenecker in der gleichnamigen Blogparade. Ich komme nun endlich dazu, dazu etwas zu schreiben und möchte meinen Beitrag im übrigen gleich auch als Beitrag zur Diskussion um die Neufassung des Kulturentwicklungsplans verstanden wissen.

Demokratie!

Das mit den freien Initiativen ist für mich allen voran eine demokratiepolitische Frage. Gibt es in einer Stadt und einem Land mehr an Mitgestaltungsmöglichkeiten als alle 4, 5 oder 6 Jahre irgendwo hingehen und wählen? Können sich Menschen zusammentun für etwas, was ihnen ein Anliegen ist und damit aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes eingreifen? Wird das, was die da tun, als wichtiger Beitrag der Zivilgesellschaft für das Zusammenleben in einer Gesellschaft begriffen oder ist es nur eine lästige Störung des 'Business as usual' der Politik? Haben nur die, die sowieso über gesellschaftliche Macht verfügen, eine Lobby oder wird auch auf Stimmen gehört, die vielleicht nicht so laut, aber mindestens genauso wichtig sind?

Konkret äußert sich dieses Engagement freier Initiativen in vielfältigen Formen: Vom Kulturverein und Künstler_innenkollektiv über die Initaitive für ein gutes Zusammenleben im Stadtteil, vom sozialen Engagement bis zu freien Medienprojekten, von der Selbstorganisation von Migrant_innen bis zu konkreten Projekten für ökologische Nachhaltigkeit, von Friedensbewegten bis zu emanzipatorischen Bildungsinitiativen, von feministischen Kollektiven bis zu Jugendprojekten.

Manche verstehen dieses Engagement explizit politisch, wenn auch nicht unbedingt parteipolitisch. Andere würden es selbst nicht politisch nennen, tragen aber doch etwas ganz Wichtiges zur gemeinsamen Sache, der 'Polis' (das Gemeinwesen) bei.

Manche Initiativen arbeiten rein ehrenamtlich, andere wiederrum sind so groß geworden, dass das regelmässige Engagement ohne hauptamtliche Mitarbeiter_innen nicht machbar wäre. Gesellschaftliche sinnvolle Arbeitsplätze sind so entstanden.

Alles ist gemeinsam, dass sie demokratisch organisiert sind und fast alle gestalten ihre Arbeit so, dass sie für Interessierte Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. In diesen Initiativen passieren ganz oft Politisierungsprozesse von Menschen. Nicht wenige von diesen Menschen können mit der etablierten Parteipolitik nichts anfangen. Ihre Antwort ist dann aber nicht der Rückzug, sondern die gemeinsame und unmittelbare Gestaltung von Lebenwelt. Insofern halte ich zivilgesellschafliches Engagement auch für entscheidend für die Demokratie ansich. Diese kann nur leben und sich weiterentwicklen, wenn die öffentliche Sache eine gemeinsame Sache aller ist. Was da dann gemeinsam passiert, ja, das ist politisch auszuhandeln. Aber ohne die betroffenen Menschen wird es nicht gehen.

Freie Initiativen können vieles besser als der Markt und der Staat. Nicht alles. Ich bin mir sicher, dass es, wenn es um grundlegende Infrastukturen (Bildung, Verkehr, Sozialstaat, ...) geht, staatliches Handeln braucht. Und es braucht auch Gesetze, die das Zusammenleben in den Grundzügen regeln. Was freie Initiativen aber besser können, ist das Miteinander der Menschen zu organisieren. Sie können bedarfsorientierter und unmittelbarer konkrete Projekte und Ansatzpunkte entwickeln. Sie stellen den gesellschaftlichen Profit und nicht den ökonomischen Profit in die Mitte. Sie machen wirklich, wirklich spürbar, wie es sein könnte mit einem guten Miteinander. Nein, nicht ohne Konflikte und notwendige Aushandlungsprozesse von Interessen, aber doch in einer Form, dass Betroffene zu Mitgestalter_innen werden können. Mehr als es je über Wahlen möglich sein wird.

Ich möchte auch nicht naiv verschweigen, dass es in dieser offenen Definition diesem Definitionsversuch freier Initiativen auch Initiativen gibt, die in ihrem Tun der Demokratie zuwiderlaufen, sie in Frage stellen. Ja, auch die Nazis, Ewiggestrigen und Rassist_innen werden stärker und organisieren sich. Hier gilt es eine klare Grenze zu ziehen und bestehe Gesetze konsequent umzusetzen - und vor allem Alternativen zu schaffen. Die liegen meiner Meinung nach durchaus aber auch wieder im zivilgesellschaftlichen Bereich. Ja, es läuft vieles schief in unserer Gesellschaft. Wenn das nicht in einer autoritären, rechtsextremen und rechtspopolistischem Umwandlung der Gesellschaft enden soll, sondern in guten Lösungen für alle Menschen, dann wird es zivilgesellschaftliches Engagement und konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten vor Ort brauchen. Damit aus Wut über Ungerechtigkeit nicht Wut gegen Minderheiten wird. Damit sich die Demokratie nicht selbst in Frage stellt.

Kultur! Kunst!

Der Ausgangspunkt dieser Blogparade ist der Kunst- und Kulturbereich. Das ist auch kein Zufall, denn einerseits wird hier seit vielen Jahren offensiv der Begriff "Freie Szene" verwendet und andererseits ist kulturelles und künstlerisches Engagement für oben formulierte Überlegungen wohl ein paradigmatisches Anwendungsfeld. Das passiert ja auch.

Seit den 1970ern sind zahlreiche Kulturiniatiativen entstanden und wenn ich anfangen sollte deren Impulse für Linz und Oberösterreich aufzuzählen, dann würde ich wohl in meinem Leben nichts mehr anderes tun als bloggen ;-) Gerade auch wegen dieser Impulse, aber auch, weil sich Kunst ansich mittlerweile sowieso stärker gesellschaftlich bezogen begreift, passiert heute in kulturelles Institutionen inhaltlich viel, was, was vor 20 oder 30 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Im ländlichen Bereich sind Kulturiniativen unverzichtbare kulturelle Nahversorger_innen, doch in der Stadt ist es nicht immer unbedingt das Programm, dass wirklich unterscheidet. Vielmehr ist es die Offenheit und Impulskraft dieser Initiativen, die sie so wertvoll macht. Kunst und Kultur wird dort anders organisiert als in den Institutionen und erst recht im kommerziellen Bereich. Das hat zur Folge, dass immer wieder Neues entsteht, sich Inhalte und Strukturen weiterentwickeln können und Freiräume da sind, die Menschen erst eine unmittelbare Beteiligung ermöglichen. Aus diesen breiten Strukturen wachsen dann auch immer wieder Künster_innen oder Kollektive, die mit ihrer Arbeit österreichweit oder international für Furore sorgen.

Medien!

Medien spielen in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen eine besondere Rolle. Ja, auch der öffentliche Raum ist spannend, aber vieles passiert medial vermittelt. Freie Medien wie sie die Freien Radios, das Community-Fernsehen, unabhängige Zeitprojekte und selbstorganisierte Internetinitativen repräsentieren, eröffnen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur Medienarbeit. Da steckt ein entscheidendes Potential für die breite Vermittlung von Medienkompetenz drin. Doch genauso geht es auch um einen unmittelbaren Zugang von zivilgesellschaftlichen Initiativen und eizelnen Bürger_innen zur Öffentlichkeit. Das Internet verschiebt hier vieles, weil vieles umittelbarer, einfacher und kostengünstiger möglich geworden ist. Doch bin ich mir sicher, dass Radio, Fernsehen und Zeitung weiter eine Rolle spielen können, die sich aber durchaus verändert. So wie ich es wahrnehme, sind diese auch enorm wichtig für die Vernetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche. 'Keine Demokratie ohne Medien' - von wem ist das?

Kulturentwicklungsplan Linz: Meine Vision und mein Realismus

Wenn ich nun wirklich sehr visionär denke, dann würde ich mir ob dieser Tatsachen wünschen, dass in der Stadt Linz der Anteil institutioneller Kultur radikal verkleinert wird und vieles in die Hände der Initiativen gegeben wird. Die Kommune wäre für mich sinnvollerweise für die Sorge für Infrastrukturen, Koordination und die Vergabe von Fördergeldern (nach auszuhandelnden Kriterien und durch Expert_innenjurys, denn schließlich geht es um Steuergelder) zuständig, aber eigentlich braucht es viel weniger städtisch organisierte Kunst und Kultur. Kulturbeamt_innen und Leiter_innen von Häusern wären in diesem Bild mehr Community-Manager_innen als Kulturveranstalter_innen.

Ja, ich könnte jetzt einfach sagen, 'mehr Geld für Kunst und Kultur'. Ja, das sage ich auch. Aber da bin ich jetzt vielleicht nicht recht visionär, sondern realistisch, dass angesichts der finanziellen Situation der Kommunen nicht wirklich viel drin sein wird. Darum glaube ich, dass ein Kulturentwicklungsplan als langer 'Wunschzettel ans Christkind' wenig Sinn macht. Vielmehr wäre es an der Zeit mit dem Umbau der Kunst und Kultur in Linz anzufangen. Wirklich anzufangen!

Sonst passiert nur - geduldiges KEP-Papier hin und her -salamitaktikmässig der Abbau von Kunst und Kultur. Erst in der freien Szene, weil die weniger Lobby hat und dann irgendwann mal auch in den Institutionen.

Gemeinsam mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen im Kulturbereich könnte die Stadt Linz sich entscheiden, einen zukunftsweisenden Weg zu beschreiten. Sie könnte endlich aufhören (was sich seitens mancher Stadtpolitiker_innen leider eingebürgert hat), diese Initiativen als lästige Störung, sondern als wertvolle Mitstreiter_innen um ein gutes Leben in dieser Stadt wahrzunehmen. Nicht nur in Sonntagsreden, sondern durch glaubwürdige Schritte, die die Vielfalt dieser Initiativen auch in Zukunft garantieren und die es neuen Initiativen möglich machen, sich zu entwickeln. Auf Augenhöhe wäre ganz viel möglich, denn in den Kulturiniativen werken allesamt Leute, denen die Mitgestaltung dieser Stadt ein wirkliches Anliegen ist. Sonst würden sie unter den derzeit widrigen Bedingungen überhaupt nichts tun oder woanders hinziehen.

Wohin dieser gemeinsame Weg von Stadt Linz und zivilgesellschaftlichen Initiativen führen soll und wie dieser Weg gegangen werden kann, vor allem das sollte im Kulturentwicklungsplan stehen.

Ende 1: Apropos Realismus: Das, was ich mir wünsche, wird so nicht stattfinden. Aus vielerlei Gründen. Aber genauso wie bei anderen Dingen werden Forderungen nicht weniger wichtig und richtg, weil sie nicht morgen umgesetzt werden. Vielleicht übermorgen? ;-)

Ende 2: Ob ich die Frage, was der Gesellschaft FEHLEN würde ohne freie Initiativen wirklich beanwortet habe, weiss ich nicht so genau. Jedenfalls danke an Daniel für das Initieren der Blogparade, die für mich der Anlass war, dieses Thema wieder mal grundsätzlicher zu reflektieren.

Fotos:
Flickr CC by Ralph Aichinger
Flickr CC by - nc - sa a_kep

November 22 2011

15:47

Hinweis auf die Blogparade zur Relevanz freier Initiativen für die Gesellschaft

Daniel Friesenecker hat in seinem Blog The Angry Teddy gestern spontan eine Blogparade gestartet. Thema ist: Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Ich werde dazu eh was schreiben, aber in aller Ruhe. Hier jetzt einfach nur der Hinweis mit der Bitte um rege Beteiligung. Falls wer gerne was schreiben würde, sich aber mit Blogs und so noch nicht auskennt, kann er/sie sich gerne auch bei mir melden. Ist alles nicht wirklich kompliziert, das wird sich finden.

November 19 2011

22:25

Wohin geht sie, die Medienstadt Linz? Bewegt sie sich überhaupt?

Am Mittwoch, 18. November 2011, habe ich über das Thema Medienstadt Linz auf DORF TV im Rahmen von kartell TV mitdiskutiert. Mit dabei Ushi Reiter (servus.at), Thomas Kreiseder (Radio FRO), Daniel Friesenecker (junQ.at) und Stefan Pawel (Open Commons Region Linz). Moderiert hat Thomas Diesenreiter (Backlab). Eigentlich waren wir uns alle recht einig: Es braucht mehr als ein Label "Medienstadt Linz", dass drauf gepickt wird, aber - außer der Ars Electronica - keinen Widerhall in der alltäglichen Praxis findet. Diese besten Anknüpfungspunkte, dass es anderes läuft, sind bestehende freie Medienprojekte wie Radio FRO, DORF TV und servus.at, aber auch kleinere Initiativen, die allesamt auszeichnet, dass sie aktive Medienproduktion fördern und reale Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Wichtig in der Debatte war auch das Thema Creative Commons. Ein Zukunftsthema! Dass hier die Stadt Linz wirklich aktiv ist, macht Hoffnung, dass es irgendwann doch einmal so sein könnte, dass "Medienstadt" mehr als ein Label ist. Aber guckt Euch selbst die Sendung an:

November 18 2011

18:36

Ein Konzert ohne Ton, ein DJ ohne Strom, ein Maler ohne Farben

So schaut aus mit der Kultur in Linz. Glorreiches Video der Linzer KAPU. Mehr dazu bei der KAPU und wieder mal ;-) bei Thomas Diesenreiter. Den offenen Brief der Freien Szene an die Linzer Kulturpolitik, den ich auch mitunterzeichnet habe, gibts es da als PDF.

October 15 2011

14:44
14:06
14:05
#occupyaustria #linz
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Schweinderl