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February 10 2013

16:37

Gastfreundschaft beim #refugeecamp

Gestern war ich gemeinsam mit Freund_innen in Wien in der Votivkirche, um die Refugees zu besuchen, aber auch um mir endlich in der Sache eine Meinung vor Ort zu bilden. Organisiert haben wir das über PANGEA, waren zu viert und haben es erfreulicherweise auch geschafft, einen über Spenden finanzierten Laptop mit Internetzugang mitbringen zu können. Danke an alle, die sich daran ganz spontan beteiligt haben! Der Laptop ist gut angekommen und nach einem Anruf heute weiss ich, dass er schon im Einsatz ist.

CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC http://www.flickr.com/photos/ghmss/CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC

Ich habe auch fotografiert, aber die schöneren Fotos hat Noora gemacht.

Mazda oder Menschenrechte

Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen in Wien, wurden wir von einer großen Auto-Werbung auf der Votivkirche empfangen. So sinnvoll es wohl ist, dass die Kirche Kirchenrenovierungen auch mit Werbung finanziert, so absurd kommt das in der aktuellen Situation an. Spontan habe ich mir gedacht, dass da was von Menschenrechten drauf stehen müsste. Dass dem nicht so ist und die Schilder der Refugees in der Kirche viel bescheidener sind, ist die kapitalistische Realität, die Profit vor Menschen setzt :-(

Warmer Tee, Decken und Heizstrahler

Sehr herzlich wurden wir von den Refugees in der Kirche empfangen. Natürlich ist das für alle Beteiligten eine etwas merkwürdige Situation, weil wir uns nicht gekannt haben – aber das hat sich ganz schnell aufgelöst und wir sind gut miteinander ins Gespräch gekommen. Auf Englisch ist das überhaupt kein Problem, manche sprechen auch ganz gut Deutsch. Wir haben guten warmen Tee bekommen und gute Tipps gegen die Kälte. Gleich waren wir auch eingeladen, die Schuhe auszuziehen und unter die Decken zu kommen. Da drunter sind auch Heizstrahler bzw. gibt es Heizdecken. Darunter wird einem dann schon irgendwie an einem Eck des Körpers warm - richtig anstrengend war aber schon nach wenigen Stunden dauernd die kalte Luft zu atmen. Wie das Tag und Nacht ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Der Gang auf die zwei Dixi-Klos im Eingangsbereich der Kirche ist unangenehm kalt und auch ekelhaft, das wärmere Klo in der Kirche ist aber abgesperrt. Schockiert hat mich auch, dass das Licht in der Kirche auch nachts nicht abgedreht wird - das führt wohl dazu, dass die Refugees immer mehr das Gefühl für Tag und Nacht verlieren und nicht nur wegen des Hungerstreiks viel auch tagsüber schlafen. Vielleicht gerade wegen der Improvisiertheit in der Kirche ist mir die Gastfreundschaft der Refugees so eindrücklich geworden.

Miteinander reden und zuhören

Die meiste Zeit haben wir genutzt, zuzuhören und miteinander zu reden: über die Ignoranz der Politik, die Wichtigkeit des selbstorganisierten Protests, das improvisierte Leben in der Kirche und die persönlichen Wege der Refugees. Manchmal weiss auch einfach niemand mehr etwas zu sagen. Und doch ist es gut, da zu sein. Manche haben das Asylsystem auch schon in anderen europäischen Ländern erlebt. Sehr deutlich ist mir geworden, dass diese Männer wissen was sie tun. Sie haben einfach keine Alternative und hoffen auf eine Lösung, zu der sie gerne alles beitragen, was sie können. Die Lösung kann aber in Konsequenz nur von den politisch Verantwortlichen kommen. Die Refugees sind dankbar für jede Unterstützung, aber haben verständlicherweise ein gutes Stück Distanz zur Politik und grossen NGOs.

Der Normalbetrieb alltäglicher Solidarität

Wir haben eine junge Ärztin getroffen, die Suppe für die Refugees gekocht hatte und gemeinsam mit einer Freundin in die Kirche brachte. Zwei Frauen sind gekommen und haben Wäsche zum Waschen abgeholt und saubere Wäsche gebracht. Der Deutschunterricht musste am Samstag erstmals ausfallen, weil die Refugees zu schwach dafür waren und sich nicht genug konzentrieren konnten. Am Montag wird es trotzdem wieder das Angebot geben. Andere sind einfach gekommen, um zu reden und da zu sein - genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas. Alle Supporter_innen haben sich gefreut, andere zu sehen, die an irgendeinem anderen Eck mithelfen; manches kommt von solidarischen Privatpersonen, denen die Refugees einfach ein Anliegen sind, manches kommt von den grossen Hilfsorganisationen. Wichtig war den Refugees zu sagen, dass der Tee, den sie uns angeboten haben, von ihnen selbst gemacht wird. Während unseres Besuchs mussten wir auch erleben, dass zwei hungerstreikende Refugees ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Da haben sich ein Arzt, die Caritas und die Johanniter sorgsam und kompetent drum gekümmert.

Im Haus Gottes

Immer wieder werden die Refugees gefragt, warum sie denn in keiner Moschee Zuflucht gesucht hätten - als ob da direkt neben dem Sigmund-Freud-Park eine Moschee wäre. Die Refugees nehmen sehr bewusst die Votivkirche als Haus Gottes wahr und behandeln das Haus mit dem nötigen Respekt. Trotzdem ist, selbst wenn, wie bei unserem Besuch, kein Gottesdienst ist, die Atmosphäre skurrill: Die hohen, neugotischen Räume und das Matratzenlager im Seitenschiff. In der einen Ecke hängen die Tafeln des Kameradschaftsbundes, in der anderen Ecke gibt es einen Erinnerungsort für den Seligen Franz Jägerstätter. Ich persönlich kann mir unmöglich vorstellen, wie da jemand Gottesdienst feiern kann und so tun kann, als ob die Menschen im Seitenschiff Luft wären: für mich ist das eine Pervertierung des Christlichen - denn zuallererst sind die Menschen heilig und nicht Räume oder offenbar erstarrte sinnentleerte Rituale. Da bin ich einer Meinung mit den Refugees: es geht uns allen im Kern, egal um ob Moslems oder Christ_innen, um Gott und um ein würdevolles Leben für alle Menschen. Ich verstehe schon, dass das für die konkrete Pfarrgemeinde nicht einfach ist, aber mir ist nicht nachvollziehbar, wie jemand solche Texte aufhängen kann und dann nicht merken, dass die Wärme, vielleicht nicht gerade gemütlich, aber doch, unter den Decken und im Gesicht der Refugees ist. Jenen, die da gerade da sind und nicht abstrakt irgendwo. Bei der heutigen Reaktion der Refugees auf die Provokation einer rechten Gruppe habe ich mich stark an manche Gleichnisse Jesu erinnert gefühlt: Der hat es auch verstanden, schwierige Situationen mit Menschenfreundlichkeit und Respekt für alle Menschen aufzulösen und genau daraus Autorität und Anerkennung bei seinen ersten Anhänger_innen gewonnen. Das wäre wohl auch der Weg, wie Kirche endlich wieder Profil gewinnen würde: nicht durch Herumlavieren, noble Zurückhaltung oder als vermeintlich "neutrale" Moderatorin, sondern durch eine klare und pointierte Haltung für Menschenrechte – für wirklich alle. Da ist manch Gutes in den letzten Wochen passiert - aber angesichts der Situation denke ich auch, dass da mehr möglich wäre - durchaus auch in Kooperation mit allen Menschen guten Willens, ganz egal, ob sie nun Christ_innen sind oder nicht.

"We are sorry ..."

Nachdem ich im Vorfeld schon viel über die Zugangskontrollen (maximal 5 Supporter_innen) erfahren hatte, habe ich mit der Caritas Kontakt aufgenommen, um zu klären, wie das bei unserem Besuch läuft. Da ist herausgekommen, dass es definitiv keine Ausnahmeregelung gibt. Vor Ort hatten wir dann aber Glück und sind gleich in die Kirche rein gekommen, weil gerade nicht zu viele Besucher_innen da waren. Etwas später habe ich dann aber miterlebt, wie elf Innsbrucker_innen, die auch einen Solidaritätsbesuch gemacht hatten und Geschenke mit hatten, zum Teil vor der Tür gestanden sind bzw. nur abwechselnd rein durften. Einer der Refugees hat sich dafür entschuldigt und deutlich gemacht, dass ihm diese Zugangsregelung sehr leid tut. Ich habe meinerseits auch weitere Refugees gefragt und von allen einhellig vernommen, dass sie gerne möchten, dass mehr SupporterInnen gleichzeitig kommen können. Warum die Caritas da wiederholt sagt, dass die Refugees selbst diese restriktive Regelung auch haben möchten, ist mir nicht nachvollziehbar. Die beiden Mitarbeiter des Security Dienstes waren uns gegenüber sehr freundlich genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas, die vor Ort waren.

Mein Resümmé

Ich bin extrem froh, dass ich gestern in der Votivkirche war. Es war intensiv, kalt und warm zugleich - und ich war entsprechend müde hinterher. Ich habe von den Refugees ganz viel bekommen. Mein über das Internet und über Gespräche gewonnenes Bild der Situation hat sich bestätigt: Die Refugees organisieren selbstbestimmt ihren Protest für Menschenrechte und es gibt viele solidarische Unterstützer_innen. Die Caritas sorgt für einen einen gewissen notwendigen Rahmen; es ist gut, dass sie vor Ort ist, auch wenn manche Regelungen in der Kirche für mich nicht nachvollziehbar und sinnvoll einsichtig sind.
Wie das alles weitergeht, weiss ich auch heute nicht. Das habe ich mir aber realistischerweise auch nicht erwartet. Es steht mir auch nicht zu, den Refugees irgendetwas raten zu wollen. Wie wohl alle mache ich mir Sorgen um die Gesundheit der Refugees wegen des Hungerstreiks - ich habe aber auch erlebt, dass sie sehr klar wissen, was sie wollen und was nicht. Sicher bin ich mir bei zwei Dingen: Die Refugees brauchen all unsere Solidarität und es braucht noch mehr politischen Druck, um endlich zu Veränderungen im in den letzten Jahren immer inhumaner gewordenen Asylsystem zu kommen. Wenigstens in der Frage des Arbeitsmarktzugangs für Asylsuchende gibt es Ansätze von Bewegung (Unterschriftenliste).

Mach was!

Ich möchte alle, denen die Refugees nicht egal sind, ermutigen was zu tun. Zuschauen und sich denken "eh schlimm" macht nichts besser.
Fahr hin und besuche Sie! Sie freuen sich und am besten geht das praktisch in kleinen Gruppen, weil es dann am einfachsten mit der Zugangsregelung zur Kirche klappt. Wenn Du was mitbringen kannst, steht da, was gebraucht wird.
Erzähl' es weiter und glaub nicht alles, was in der Zeitung und im Internet steht! Verlässliche Infoquelle ist die Website der Refugees, die Facebook-Page und vor allem für aktuelle Aktionen Twitter.
Beteiligte Dich an Solidaritätsaktionen und Protesten! Am 16.2. gibt es in Wien eine Demo, weitere Aktivitäten sind geplant. Morgen gibts in Linz ein Vernetzungstreffen in der Sache. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Protest der Refugees nicht nur ein politischer Lernraum sein kann, wie es ist, wenn Migrant_innen selbst als Protagonist_innen auftreten, sondern dass es auch an der Zeit ist, zu lernen, dass es unterschiedliche Formen von Solidarität geben kann und die allesamt wertvoll sind für das Anliegen der Menschenrechte der Refugees, die im übrigen unser aller Menschenrechte sind - denn entweder sind die universal oder verdienen diese Bezeichnung nicht. Mich nerven die Gebete der Solidarität lächerlich machenden Meldungen genauso wie ich es nicht verstehe, dass jemand nicht bei einer Demo mit dabei ist, weil es dort auch passieren könnte, dass wer neben einen ein Schild hochhält, wo was drauf steht, dass er_sie nicht teilt. Wer selbst ein Schild mitbringt, kann auch selbst zeigen, worum es ihm_ihr geht. Hoffnung macht mir, dass diese Bewegung auch zeigt, dass es viele Menschen gibt, denen es um Menschlichkeit geht.

January 26 2013

18:48

Politisches Nachtgebet in Solidarität mit dem #refugeecamp

Am Montag, 28. Jänner 2013, gibt es um 18.00 Uhr ein politisches Nachtgebet. In Linz findest dieses in der Ursulinenkirche statt, es gibt aber auch Gebete der Solidarität in Wien und Graz. Damit ja niemand sagt, er_sie habe es nicht gewusst, steht es hier nochmal.

>> Infos zum Politischen Nachtgebet

>> Refugeecamp-Blog

Das Foto (by Daniel Weber) zeigt übrigens die Realität in der Votivkirche: immer mehr sind die Refugees dort eingesperrt :-(

January 24 2013

21:42

Video Demo #refugeecamp in Linz

Heute war ich auf der Demo in Solidarität mit dem #refugeecamp und habe ein Video zusammengeschnipselt. Ich finde es so befreiend, da auf die Demo zu gehen und was zu machen - anders ist es einfach nicht auszuhalten, denn ganz besonders bei den rechten Parteien hält die Ignoranz, wenn es um Menschenrechte für Refugees geht, leider nach wie vor an. Drum: Wir müssen was tun!

Das Video gibts auch bei DORF und Ich mach Politik.

January 18 2013

09:27

Einladung zur Blogparade: #refugeecamp

[For english information scroll down]

Seit mehr als 2 Monaten gibt es selbstorganisierte Proteste von AsylwerberInnen in Österreich, meines Wissens erstmals in dieser Form in Österreich. Es geht dabei darum grundlegende strukturelle Veränderungen im Asylsystem zu erreichen. Es geht um Menschenrechte! Derzeit sind 45 Refugees in der Wiener Votivkirche im Hungerstreik, der extremsten Form gewaltfreien Protests.

Die Refugees können jede Form von medialer Aufmerksamkeit und Solidarität brauchen. Dazu kann die Blogosphäre etwas beitragen:

Manche Bloggerinnen und Blogger haben das #refugeecamp schon zum Thema gemacht, manche haben das noch nicht getan. Ich möchte darum zu einer Blogparade einladen - ganz besonders jene BloggerInnen, die das Thema noch nicht aufgegriffen haben - auch wenn sich Dein Blog normalerweise mit ganz anderen Themen beschäftigt und Du vielleicht (wie ich) nicht in Wien bist. Wer über das Thema schon gebloggt hat, kann es aber gerne nochmal tun und ist genauso herzlich eingeladen, bei der Blogparade mit dabei zu sein.

Was ist eine Blogparade?

In einem Blog wird dazu eingeladen (hiermit passiert). Wer sich beteiligen will, schreibt im eigenen Blog zum Thema und informiert via Trackback oder einem Kommentar im Ausgangsbeitrag darüber. Weitere Verbreitung via Social Networks ist natürlich auch gewünscht! Im einladenden Blog gibt es eine abschließende Zusammenfassung und Übersicht. [mehr zu Blogparaden findet sich bei #sbsm oder direkt hier].

Blogparade #refugeecamp kompakt

>>> Thema der Blogparade ist das #refugeecamp. Was Du dazu genau schreibst, ist Dir überlassen. Am besten informieren zum Thema kannst Du Dich im Blog der Refugees oder natürlich direkt vor Ort in der Votivkirche.

>>> Blog-Beiträge bitte bis 23. Februar 2013 schreiben.

>>> Hierhin verlinken, damit andere auch was von der Blogparade mitbekommen!

>>> Auf Trackback oder Kommentar hier unten nicht vergessen!

Als Hashtag für Twitter & Co schlage ich vor: #refugeecamp #blogparade

Ich freue mich auf zahlreiche Beteiligung!

PS: Wer kein Blog hat, könnte ja die Gelegenheit nutzen und sich eines zulegen ;-) Es gibt aber auch viele andere Möglichkeiten, seine Solidarität mit dem #refugeecamp zum Ausdruck zu bringen. Schau dazu mal auf http://refugeecampvienna.noblogs.org/

PSS: Beiträge, die bis dato eingelangt sind in übersichtlicher Ansicht auf Scoop.it

Blog Carnival #refugeecamp

English information

For more than 2 months, there are self-organized protests by asylum seekers in Austria, to my knowledge for first time in this form in Austria. They want to archieve fundamental structural changes in the asylum system. It's about human rights! Currently 45 refugees in the Votivkirche in Vienna are in hunger strike, the most extreme form of non-violent protest.

The refugees need every form of media attention and solidarity. The blogosphere can contribute something in this matter:

Some bloggers have already written already about the #refugeecamp, others have not. I would, therefore, like to invite to a blog carnival - especially those bloggers who have not yet taken up the issue - even if your blog is usually busy with other issues and you might not (like me) be in Vienna. Anyone who has blogged about the issue already, can do it again and is as welcome to contribute to the blog carnival.

What is a blog carnival?

A blog invites to the blog carnival (hereby happened). Every blogger who wants to participate blogs on the subject in his_her own blog and informs via trackback or a comment at the starting blog about the contribution. Further spreading via social networks is also required, of course! In the inviting blog there will be a final summary and overview. [More on blog carnival you can find here.]

Blog carnival #refugeecamp

>>> Issue of the blog carnival is #refugeecamp. What you exactly write is up to you. Best information on the issue you can find in the blog of Refugees or of course locally in the Votivkirche in Vienna.

>>> Write blog-posts, please, till February 23rd 2013.

>>> Link to this post so that others are informed about the blog carnival!

>>> Don’t forget to trackback or comment here on the bottom!

As a hashtag for Twitter etc. I suggest: # blogparade # refugeecamp

International contributions are welcome! If I cannot understand the language, I promise to collect the link (Google Translate helps).

I am looking forward to many participants!

PS: If you do not have a blog of your own, choose the opportunity to make one ;-) There are also many other ways to express your solidarity with the #refugeecamp. Visit http://refugeecampvienna.noblogs.org/

December 04 2011

13:19

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen? Das fragt Daniel Friesenecker in der gleichnamigen Blogparade. Ich komme nun endlich dazu, dazu etwas zu schreiben und möchte meinen Beitrag im übrigen gleich auch als Beitrag zur Diskussion um die Neufassung des Kulturentwicklungsplans verstanden wissen.

Demokratie!

Das mit den freien Initiativen ist für mich allen voran eine demokratiepolitische Frage. Gibt es in einer Stadt und einem Land mehr an Mitgestaltungsmöglichkeiten als alle 4, 5 oder 6 Jahre irgendwo hingehen und wählen? Können sich Menschen zusammentun für etwas, was ihnen ein Anliegen ist und damit aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes eingreifen? Wird das, was die da tun, als wichtiger Beitrag der Zivilgesellschaft für das Zusammenleben in einer Gesellschaft begriffen oder ist es nur eine lästige Störung des 'Business as usual' der Politik? Haben nur die, die sowieso über gesellschaftliche Macht verfügen, eine Lobby oder wird auch auf Stimmen gehört, die vielleicht nicht so laut, aber mindestens genauso wichtig sind?

Konkret äußert sich dieses Engagement freier Initiativen in vielfältigen Formen: Vom Kulturverein und Künstler_innenkollektiv über die Initaitive für ein gutes Zusammenleben im Stadtteil, vom sozialen Engagement bis zu freien Medienprojekten, von der Selbstorganisation von Migrant_innen bis zu konkreten Projekten für ökologische Nachhaltigkeit, von Friedensbewegten bis zu emanzipatorischen Bildungsinitiativen, von feministischen Kollektiven bis zu Jugendprojekten.

Manche verstehen dieses Engagement explizit politisch, wenn auch nicht unbedingt parteipolitisch. Andere würden es selbst nicht politisch nennen, tragen aber doch etwas ganz Wichtiges zur gemeinsamen Sache, der 'Polis' (das Gemeinwesen) bei.

Manche Initiativen arbeiten rein ehrenamtlich, andere wiederrum sind so groß geworden, dass das regelmässige Engagement ohne hauptamtliche Mitarbeiter_innen nicht machbar wäre. Gesellschaftliche sinnvolle Arbeitsplätze sind so entstanden.

Alles ist gemeinsam, dass sie demokratisch organisiert sind und fast alle gestalten ihre Arbeit so, dass sie für Interessierte Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. In diesen Initiativen passieren ganz oft Politisierungsprozesse von Menschen. Nicht wenige von diesen Menschen können mit der etablierten Parteipolitik nichts anfangen. Ihre Antwort ist dann aber nicht der Rückzug, sondern die gemeinsame und unmittelbare Gestaltung von Lebenwelt. Insofern halte ich zivilgesellschafliches Engagement auch für entscheidend für die Demokratie ansich. Diese kann nur leben und sich weiterentwicklen, wenn die öffentliche Sache eine gemeinsame Sache aller ist. Was da dann gemeinsam passiert, ja, das ist politisch auszuhandeln. Aber ohne die betroffenen Menschen wird es nicht gehen.

Freie Initiativen können vieles besser als der Markt und der Staat. Nicht alles. Ich bin mir sicher, dass es, wenn es um grundlegende Infrastukturen (Bildung, Verkehr, Sozialstaat, ...) geht, staatliches Handeln braucht. Und es braucht auch Gesetze, die das Zusammenleben in den Grundzügen regeln. Was freie Initiativen aber besser können, ist das Miteinander der Menschen zu organisieren. Sie können bedarfsorientierter und unmittelbarer konkrete Projekte und Ansatzpunkte entwickeln. Sie stellen den gesellschaftlichen Profit und nicht den ökonomischen Profit in die Mitte. Sie machen wirklich, wirklich spürbar, wie es sein könnte mit einem guten Miteinander. Nein, nicht ohne Konflikte und notwendige Aushandlungsprozesse von Interessen, aber doch in einer Form, dass Betroffene zu Mitgestalter_innen werden können. Mehr als es je über Wahlen möglich sein wird.

Ich möchte auch nicht naiv verschweigen, dass es in dieser offenen Definition diesem Definitionsversuch freier Initiativen auch Initiativen gibt, die in ihrem Tun der Demokratie zuwiderlaufen, sie in Frage stellen. Ja, auch die Nazis, Ewiggestrigen und Rassist_innen werden stärker und organisieren sich. Hier gilt es eine klare Grenze zu ziehen und bestehe Gesetze konsequent umzusetzen - und vor allem Alternativen zu schaffen. Die liegen meiner Meinung nach durchaus aber auch wieder im zivilgesellschaftlichen Bereich. Ja, es läuft vieles schief in unserer Gesellschaft. Wenn das nicht in einer autoritären, rechtsextremen und rechtspopolistischem Umwandlung der Gesellschaft enden soll, sondern in guten Lösungen für alle Menschen, dann wird es zivilgesellschaftliches Engagement und konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten vor Ort brauchen. Damit aus Wut über Ungerechtigkeit nicht Wut gegen Minderheiten wird. Damit sich die Demokratie nicht selbst in Frage stellt.

Kultur! Kunst!

Der Ausgangspunkt dieser Blogparade ist der Kunst- und Kulturbereich. Das ist auch kein Zufall, denn einerseits wird hier seit vielen Jahren offensiv der Begriff "Freie Szene" verwendet und andererseits ist kulturelles und künstlerisches Engagement für oben formulierte Überlegungen wohl ein paradigmatisches Anwendungsfeld. Das passiert ja auch.

Seit den 1970ern sind zahlreiche Kulturiniatiativen entstanden und wenn ich anfangen sollte deren Impulse für Linz und Oberösterreich aufzuzählen, dann würde ich wohl in meinem Leben nichts mehr anderes tun als bloggen ;-) Gerade auch wegen dieser Impulse, aber auch, weil sich Kunst ansich mittlerweile sowieso stärker gesellschaftlich bezogen begreift, passiert heute in kulturelles Institutionen inhaltlich viel, was, was vor 20 oder 30 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Im ländlichen Bereich sind Kulturiniativen unverzichtbare kulturelle Nahversorger_innen, doch in der Stadt ist es nicht immer unbedingt das Programm, dass wirklich unterscheidet. Vielmehr ist es die Offenheit und Impulskraft dieser Initiativen, die sie so wertvoll macht. Kunst und Kultur wird dort anders organisiert als in den Institutionen und erst recht im kommerziellen Bereich. Das hat zur Folge, dass immer wieder Neues entsteht, sich Inhalte und Strukturen weiterentwickeln können und Freiräume da sind, die Menschen erst eine unmittelbare Beteiligung ermöglichen. Aus diesen breiten Strukturen wachsen dann auch immer wieder Künster_innen oder Kollektive, die mit ihrer Arbeit österreichweit oder international für Furore sorgen.

Medien!

Medien spielen in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen eine besondere Rolle. Ja, auch der öffentliche Raum ist spannend, aber vieles passiert medial vermittelt. Freie Medien wie sie die Freien Radios, das Community-Fernsehen, unabhängige Zeitprojekte und selbstorganisierte Internetinitativen repräsentieren, eröffnen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur Medienarbeit. Da steckt ein entscheidendes Potential für die breite Vermittlung von Medienkompetenz drin. Doch genauso geht es auch um einen unmittelbaren Zugang von zivilgesellschaftlichen Initiativen und eizelnen Bürger_innen zur Öffentlichkeit. Das Internet verschiebt hier vieles, weil vieles umittelbarer, einfacher und kostengünstiger möglich geworden ist. Doch bin ich mir sicher, dass Radio, Fernsehen und Zeitung weiter eine Rolle spielen können, die sich aber durchaus verändert. So wie ich es wahrnehme, sind diese auch enorm wichtig für die Vernetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche. 'Keine Demokratie ohne Medien' - von wem ist das?

Kulturentwicklungsplan Linz: Meine Vision und mein Realismus

Wenn ich nun wirklich sehr visionär denke, dann würde ich mir ob dieser Tatsachen wünschen, dass in der Stadt Linz der Anteil institutioneller Kultur radikal verkleinert wird und vieles in die Hände der Initiativen gegeben wird. Die Kommune wäre für mich sinnvollerweise für die Sorge für Infrastrukturen, Koordination und die Vergabe von Fördergeldern (nach auszuhandelnden Kriterien und durch Expert_innenjurys, denn schließlich geht es um Steuergelder) zuständig, aber eigentlich braucht es viel weniger städtisch organisierte Kunst und Kultur. Kulturbeamt_innen und Leiter_innen von Häusern wären in diesem Bild mehr Community-Manager_innen als Kulturveranstalter_innen.

Ja, ich könnte jetzt einfach sagen, 'mehr Geld für Kunst und Kultur'. Ja, das sage ich auch. Aber da bin ich jetzt vielleicht nicht recht visionär, sondern realistisch, dass angesichts der finanziellen Situation der Kommunen nicht wirklich viel drin sein wird. Darum glaube ich, dass ein Kulturentwicklungsplan als langer 'Wunschzettel ans Christkind' wenig Sinn macht. Vielmehr wäre es an der Zeit mit dem Umbau der Kunst und Kultur in Linz anzufangen. Wirklich anzufangen!

Sonst passiert nur - geduldiges KEP-Papier hin und her -salamitaktikmässig der Abbau von Kunst und Kultur. Erst in der freien Szene, weil die weniger Lobby hat und dann irgendwann mal auch in den Institutionen.

Gemeinsam mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen im Kulturbereich könnte die Stadt Linz sich entscheiden, einen zukunftsweisenden Weg zu beschreiten. Sie könnte endlich aufhören (was sich seitens mancher Stadtpolitiker_innen leider eingebürgert hat), diese Initiativen als lästige Störung, sondern als wertvolle Mitstreiter_innen um ein gutes Leben in dieser Stadt wahrzunehmen. Nicht nur in Sonntagsreden, sondern durch glaubwürdige Schritte, die die Vielfalt dieser Initiativen auch in Zukunft garantieren und die es neuen Initiativen möglich machen, sich zu entwickeln. Auf Augenhöhe wäre ganz viel möglich, denn in den Kulturiniativen werken allesamt Leute, denen die Mitgestaltung dieser Stadt ein wirkliches Anliegen ist. Sonst würden sie unter den derzeit widrigen Bedingungen überhaupt nichts tun oder woanders hinziehen.

Wohin dieser gemeinsame Weg von Stadt Linz und zivilgesellschaftlichen Initiativen führen soll und wie dieser Weg gegangen werden kann, vor allem das sollte im Kulturentwicklungsplan stehen.

Ende 1: Apropos Realismus: Das, was ich mir wünsche, wird so nicht stattfinden. Aus vielerlei Gründen. Aber genauso wie bei anderen Dingen werden Forderungen nicht weniger wichtig und richtg, weil sie nicht morgen umgesetzt werden. Vielleicht übermorgen? ;-)

Ende 2: Ob ich die Frage, was der Gesellschaft FEHLEN würde ohne freie Initiativen wirklich beanwortet habe, weiss ich nicht so genau. Jedenfalls danke an Daniel für das Initieren der Blogparade, die für mich der Anlass war, dieses Thema wieder mal grundsätzlicher zu reflektieren.

Fotos:
Flickr CC by Ralph Aichinger
Flickr CC by - nc - sa a_kep

November 22 2011

15:47

Hinweis auf die Blogparade zur Relevanz freier Initiativen für die Gesellschaft

Daniel Friesenecker hat in seinem Blog The Angry Teddy gestern spontan eine Blogparade gestartet. Thema ist: Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Ich werde dazu eh was schreiben, aber in aller Ruhe. Hier jetzt einfach nur der Hinweis mit der Bitte um rege Beteiligung. Falls wer gerne was schreiben würde, sich aber mit Blogs und so noch nicht auskennt, kann er/sie sich gerne auch bei mir melden. Ist alles nicht wirklich kompliziert, das wird sich finden.

April 26 2011

15:52

Clifford bleibt. Und das ist fix!

Es ist einfach supertoll, dass Clifford Ankrah bleiben kann. Heute hat er seine Niederlassungsbewilligung erhalten. Vor Weihnachten war es noch zum Verzweifeln, heute ist alles gut. Naja, fast alles gut. Denn wirklich gut wäre es, wenn es Bleiberecht nicht nur für Clifford geben würde ...

Tags: Migration

February 19 2011

11:57

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten!

Wirklich, ich lebe in finsteren Zeiten! 
Das arglose Wort ist töricht. Eine glatte Stirn 
Deutet auf Unempfindlichkeit hin. Der Lachende 
Hat die furchtbare Nachricht 
Nur noch nicht empfangen. 
 
Was sind das für Zeiten, wo 
Ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist 
Weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! ....

Das hat Bert Brecht 1939 im dänischen Exil geschrieben ("An die Nachgeborenen"). Für die meisten von uns hier in Österreich sind diese Zeiten vorbei, wir können den Luxus des Gesprächs über Bäume genießen und den kommenden Frühling voll Freude erwarten. Für die meisten. Doch nicht für alle. Gerade nicht für viele Asylsuchende, die nach Österreich gekommen sind, weil sie in ihrem Heimatland verfolgt wurden und die sich hier in Österreich Schutz und die Chance auf eine gutes Leben in Frieden und bescheidenem Wohlstand erhofft haben.

Gestern fand in Linz eine Kundgebung gegen Abschiebungen statt. Die Stimmung war sehr zweispältig, einerseits die Freude, dass soviele Menschen zusammengekommen sind, um für Menschenrechte einzutreten, andererseits das Wissen, dass das alles angesichts der "finsteren Zeiten" der österreichischen Fremdenpolitik nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Für Melitus Onongaya kommt die Hoffnung und der Kampf um bessere Gesetze zu spät, aufgrund des Drucks der Behörden hat er sich nach fünf Jahren Aufenthalt in Österreich entschlossen, "freiwillig" nach Nigeria zurückzukehren - weil er keine wirkliche Alternative hat.

Auch der Hass gegen die Niedrigkeit 
Verzerrt die Züge. 
Auch der Zorn über das Unrecht 
Macht die Stimme heiser. Ach, wir 
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit 
Konnten selber nicht freundlich sein. 

Das schreibt Bert Brecht weiter und trifft meine Stimmung. Ich weiß nicht, wie ich reagieren würde, wenn jetzt die österreichische Innenministerin oder ein anderes Regierungsmitglied vor mir stehen würde. Oft möchte ich nur noch schreien. Die Regierungsparteien haben dieses Unrecht zu verantworten, das eingebunden ist ein System, dass davon lebt, die Schwachen gegen die noch Schwächeren auszuspielen.

Brechts Gedicht endet so: 

Ihr aber, wenn es soweit sein wird 
Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist 
Gedenkt unsrer 
Mit Nachsicht. 

Wir leben Gott-sei-Dank nicht in so finsteren Zeiten, dass wir den Menschen nicht ein Helfer, eine Helferin sein können. Als österreichische Staatsbürgerin habe ich Privilegien. Niemand nötigt mich von einem Tag auf den anderen alle meine sozialen Beziehungen abzubrechen und das Land in eine ungewisse Zukunft zu verlassen. Diese Privilegien sind aber auch Auftrag: Drum bin ich dabei bei politischen Protestaktionen und helfe Menschen, wo ich kann. Da darf ich mir dann auch - hoffentlich - die Nachsicht erhoffen für meine Wut, meine Enttäuschung, mein tiefstes Unverständnis gegenüber diejenigen, die das Unrecht verursachen oder einfach passiv zuschauen.

Auf zwei Aktionen, um dem Menschen ein Helfer, eine Helferin sein zu können und der Freundlichkeit zum Durchbruch zu verhelfen, möchte ich hinweisen: 

  • Die Katholische Hochschulgemeinde Linz hat eine Spendenaktion für Melitus Onongaya gestartet, um ihn bei seinem Start in Nigeria zu unterstützen.
  • SOS Mitmensch macht eine Email-Aktion an die MinisterInnen, wo sich schon viele Leute beteiligt haben. Am Dienstag soll das neue Fremdenrechtspaket im MinisterInnenrat beschlossen werden und damit würden die "finsteren Zeiten" für MigrantInnen nochmal finsterer werden.
Tags: Migration

February 18 2011

17:58

Kundgebung gegen Abschiebungen oder Abschiedsveranstaltung?

Heute war ich auf der Kundgebung gegen Abschiebungen Melitus muß bleiben. Viele Leute, aber auch eine gedrückte Stimmung, besonders bei jenen, die Melitus persönlich kennen. Denn er hat sich aufgrund des Drucks entschlossen "freiwillig" nach Nigeria zurückzukehren, nach fünf Jahren in Österreich, wo er unter anderem die Strassenzeitung Kupfermuckn vor dem Thalia verkauft hat. Die Katholische Hochschulgemeinde hat eine Spendenaktion gestartet, um ihn bei seinem notwendig gewordenen Neustart zu unterstützen.

Wir brauchen dringend, dringend, dringend, superdringend Gesetze in Österreich, die Menschen schützen und ihnen nicht verunmöglichen hier zu leben ... SOS Mitmensch hat dafür gerade die passende Email-Aktion gegen das neue Fremdenrechtspaket, welches im Minister_innenrat am Dienstag beschlossen werden soll und u.a. weiter ermöglicht, dass Kinder in Schubhaften landen können.

Ein paar Pics von heute:

Und ein Video habe ich auch gemacht, aber nur mit einem Ausschnitt der Rede von Boris Lechthaler von der Solidar-Werkstatt Österreich:

December 28 2010

10:50

Keine Vanillekipferl. Oder warum mein Weihnachten heuer nicht so idyllisch war.

Auf ThemaTisch habe ich gerade eben über mein Weihnachten und das Bleiberecht für Clifford Ankrah geschrieben.

Lesen.

Tags: Migration

December 21 2010

18:52

Gegen die Abschiebung von Clifford Ankrah

Clifford Ankrah soll abgeschoben werden. Ich kenne ihn seit mehreren Jahren durch sein Engagement bei PANGEA - Interkulturelle Medienwerkstatt, dessen Obmann er ist. Es ist so unglaublich, dass er nicht in Österreich blieben können soll, dass mir die Worte fehlen. Was kann jemand sonst noch machen, ausser sich so wie Cliff für Andere zu engagieren? Ist das der Dank? Bitte, wo leben wir? Was hat sowas mit Menschenrecht und Rechtstaatlichkeit zu tun?

Bitte unterstützt die Kampagne! Alle Infos finden sich auf der Facebook-Seite.

Nein mit Weihnachten hat das gar nichts zu tun. Überhaupt nichts. Weihnachten ist nur Weihnachten, wenn es für alle ist. Und nicht nur für die, die das Glück hatten im richtigen Land mit der richtigen Hautfarbe auf die Welt gekommen zu sein.

Tags: Migration

October 18 2010

16:59

Humanitäres Bleiberecht anwenden! Offener Brief der Kath. Frauenbewegung und Kath. Männerbewegung an Ministerin Fekter

Die Asyldebatte bewegt. Viele Menschen fragen sich: "In welchem Land leben wir?", wenn sie von Kindern im Gefängnis und der Abschiebung von Menschen hören, die oft fünf, sechs, ja sieben oder acht Jahr bestens integriert in Österreich gelebt haben. Heute war zu erfahren, dass Familie Komani aus Steyr zurückkehren darf und auch die Familie Zogaj gute Chancen hat wieder nach Österreich kommen zu dürfen. Gott sei Dank. Aber: Ist das alles so nötig? Was ist eigentlich mit all den anderen?

  Erika Kirchweger und Franz Gütlbauer

Diese für human denkende Menschen unverständlichen Tatsachen war der Anlass, dass Katholische Frauenbewegung OÖ und Katholische Männerbewegung OÖ am gemeinsamen Diözesantag am 16. Oktober in Wels einen offenen Brief an Bundesministerin Fekter als zuständige Ministerin formuliert haben, worin sie gebeten wird, "mehr Humanität im Umgang mit jenen Menschen walten zu lassen, die nach Österreich geflüchtet sind und hier Wurzeln geschlagen haben" und das humanitäre Bleiberecht wirklich auch anzuwenden. 668 Personen, darunter auch Bischof Ludwig Schwarz, haben diesen offenen Brief unterzeichnet. Diesen dokumentieren wir hier auf ThemaTisch.

Sehr geehrte Frau Bundesministerin,

 

viele Mitglieder der Katholischen Frauenbewegung und der Katholischen Männerbewegung sind besorgt bis fassungslos, wenn kleine Kinder in Schubhaft genommen und Familien durch staatliche Gewalt getrennt werden, wie dies zuletzt im Fall der Familie Komani geschehen ist.

 

Die von Ihnen angekündigten Maßnahmen zur humaneren Vorgehensweise bei der Abschiebung von Familien können in unseren Augen nur ein erster Schritt sein.

 

Denn als Christinnen und Christen, die sich ehrenamtlich und unentgeltlich zum Wohl von Mitmenschen engagieren, macht es uns zutiefst betroffen, wenn in unserem Land Familien, die sich nichts zuschulden kommen haben lassen, trotz langjährigem Aufenthalt und guter Integration mit Bezugnahme auf gesetzliche Grundlagen ihre Existenzgrundlage verlieren.

 

Wir bemühen uns in unserem Bereich um ein gutes gesellschaftliches Miteinander und um Gerechtigkeit. Gleichzeitig fordern wir aber auch von den politischen VerantwortungsträgerInnen einen respektvollen und menschlichen Umgang mit schutzbedürftigen Menschen wie Asylsuchenden und MigrantInnen.

 

Wir ersuchen Sie deshalb dringend, als zuständige Ressortministerin mehr Humanität im Umgang mit jenen Menschen walten zu lassen, die nach Österreich geflüchtet sind und hier Wurzeln geschlagen haben! Es kann nicht sein, dass Kinder und Jugendliche, die oftmals sogar in Österreich geboren sind oder einen Großteil ihres Lebens hier verbracht haben, sowie Familien, die ihren Willen zur Integration unter Beweis gestellt haben, keine Zukunft in Österreich haben dürfen. In diesem Sinne fordern wir eine großzügigere Anwendung des humanitären Bleiberechts.

 

Freundliche Grüße

Margit Hauft, Präsidentin Kath. Aktion OÖ
Dr. Franz Gütlbauer, Diözesanobmann Kath. Männerbewegung OÖ
Erika Kirchweger, Diözesanvorsitzende Kath. Frauenbewegung OÖ

Weitere Hinweise zum Thema: 

  • Unterschriftenaktion der Caritas, KJ und vieler anderer Organisationen - Kinder gehören nicht ins Gefängnis: http://www.gegen-unrecht.at/
  • In Steyr ist ein Fackelzug geplant, Informationen dazu auf Facebook
  • Pax Christi plant zum gleichen Thema eine Mahnwache in Linz am Donnerstag

 

 

June 29 2010

17:36

Realistisch in der Analyse, optimistisch im Handeln

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Mit Erschrecken stelle ich fest, dass immer mehr Menschen in meiner Umgebung bedroht sind, abgeschoben zu werden. Die restriktiven Asyl- und AusländerInnengesetze, die ich als juristische Laiin sowieso nicht ganz durchblicke, wirken - wirken in grausamer Weise. Sie bewirken, dass Menschen, die oftmals viele Jahre in Österreich leben, plötzlich dieses Land verlassen sollen. Sie bewirken, dass Menschen, die hier leben über Jahre nicht legal arbeiten dürfen. Sie bewirken, dass ein Miteinander immer schwerer möglich ist. Das Schicksal von Arigona Zojaj und ihrer Familie ist nur die Spitze des Eisbergs, viele Menschen sind betroffen, vom Baby bis zum Greis.

Ich tue das meinige dazu, dass es anders wird. Aber oftmals fühle ich mich hilflos. Soviele Menschen engagieren sich für Humanität, aber letztlich wird es immer schlimmer im Lande. Boulevard und rechte Parteien haben die Oberhand, die Regierung hat vielleicht freundlichere Worte, aber auch keine freundlicheren Taten anzubieten.  Selbst ökonomische Argumente werden ignoriert. KA-Präsidentin Luitgart Derschmidt bringt es auf den Punkt: "Früher hieß es Gnade vor Recht, jetzt ist es umgekehrt".

Am Donnerstag wird unter dem Motto "Genug ist genug" in Wien demonstriert, Pfarrer Josef Friedl wird u.a. sprechen. Ich finde jede Demo, jede Kundgebung, jede Aktion und jede Stellungnahme wichtig, genauso wichtig wie konkrete Unterstützung für Asylsuchende. Noch immer kann und will und werde ich nicht glauben, dass es nicht möglich ist, solidarisch zusammenzuleben, ganz egal, woher wer kommt. Es ist wichtig, sich nicht entmutigen zu lassen, weiterzumachen, kreativ zu werden, Widerstand zu üben, alternative Praxen zu entwickeln. Genug ist es schon lange, sicher schon seit 10, 15, 20 Jahren. Es wird Zeit, nocheinmal und wieder und immer wieder aufzustehen - nach dem Motto (um Bert Brecht sinngemäss zu zitieren): "Realistisch in der Analyse, optimistisch im Handeln".

Hinweis: Zusammenfassung kirchlicher Stellungnahmen in der Linzer Kirchenzeitung

BlogParade GENUG IST GENUG on the roll, join now:

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Foto: camera-caritatis
17:36

Realistisch in der Analyse, optimistisch im Handeln

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Mit Erschrecken stelle ich fest, dass immer mehr Menschen in meiner Umgebung bedroht sind, abgeschoben zu werden. Die restriktiven Asyl- und AusländerInnengesetze, die ich als juristische Laiin sowieso nicht ganz durchblicke, wirken - wirken in grausamer Weise. Sie bewirken, dass Menschen, die oftmals viele Jahre in Österreich leben, plötzlich dieses Land verlassen sollen. Sie bewirken, dass Menschen, die hier leben über Jahre nicht legal arbeiten dürfen. Sie bewirken, dass ein Miteinander immer schwerer möglich ist. Das Schicksal von Arigona Zojaj und ihrer Familie ist nur die Spitze des Eisbergs, viele Menschen sind betroffen, vom Baby bis zum Greis.

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June 25 2010

12:25

Internet für alle! PANGEA in St. Georgen

PANGEA zieht für die nächste Woche um nach St. Georgen im Attergau, dorthin, wo es nicht nur Einheimische und Tourist_innen gibt, sondern auch die Erstaufnahmestelle für Asylwerber_innen. Es gibt freien Internetzugang für alle, Workshops, Diskussionsrunden und natürlich eine Abschlussparty. Idee ist, dass die Medienaktivitäten verbindend wirken - und die Hoffnung ist, dass vielleicht etwas übrig bleibt vom Miteinander ...

Uns allen, die wir so gerne jeden Tag vor unseren Rechnern sitzen, uns online vernetzen und über allerlei Wichtiges, aber auch Belangsloses kommunizieren, ist wohl kaum bewusst, dass das nicht für alle möglich sind. Ich rede hier jetzt nicht von Menschen, die aus welchen Gründen auch immer einfach kein Email, Web oder gar Social Media wollen, sondern von Menschen, die strukturell ausgeschlossen werden.
Asylwerber_innen gehören zu diesen Menschen. In St. Georgen im Attergau gibt es keine Möglichkeit für kostenlosen Internetzugang. Außer nächste Woche, da schon. Wie es in Traiskirchen ausschaut weiss ich nicht, aber ich vermute es ist ähnlich trist.

Die Erfahrungen von PANGEA in Linz (wo ich seit einigen Jahren im Vereinsvorstand aktiv bin) zeigen, dass Internetzugang für Asylwerber_innen etwas ganz wichtiges ist, denn nur so ist für viele ein Kontakt mit Freund_innen und Familie im Herkunftsland möglich, da Telefonieren oft zu teuer ist. Internetzugang ermöglicht aber auch Orientierung in Österreich und erste Kontakte. PANGEA bietet weit mehr, Workshops, Kulturprojekte, technische Unterstützung, ... - aber wichtig ist und bleibt ganz simpel der Zugang zu einem Computer mit Internetanschluss. Das jetzt exemplarisch auch in St. Georgen zu bieten, ist möglich geworden durch eine Projektförderung des KUPF-Innovationstopfes.

March 18 2010

11:49

Fakten, Fakten, Fakten: Soviel kriegen Asylsuchende wirklich

Ungewisse WegeWelche Leistungen erhalten Asylsuchende wirklich? Erschreckend wenig, ich wüsste nicht, wie ich von sowenig Geld leben könnte - es ist gerade mal nicht verhungern. Gutes Leben ist damit nicht möglich.

Um rechten Propagandasprüchen gegen "die Ausländer" oder "die Asylanten" entgegenwirken zu können, ist Faktenwissen immer gut. Die Arbeitskammer hat bezüglich der Lebensbedingungen von Asylsuchenden eine kompakte Information (PDF) zusammengestellt, die ich unbedingt weiterempfehlen möchte. Diese Information ergänzt auch sehr gut die Broschüre "Da mach ich nicht mit! Argumente gegen rechte Sprüche" von Land der Menschen.

Foto: Pangea

Reposted bykellerabteil kellerabteil

March 02 2010

16:29

Da mach ich nicht mit! Argumente gegen rechte Sprüche. Eine Leseempfehlung von Land der Menschen

Wir kennen das - Eine typische Situation am Stammtisch, grauenhafte Sprüche - gegen die Ausländerinnen und Ausländer gehts wieder einmal. Und dann gehts frustriert nach Hause, weil wieder mal im richtigen Moment die passenden Gegenargumente und Kommunikationsstrategien nicht eingefallen sind. Abhilfe schafft das Büchlein "Da mach ich nicht mit! Argumente gegen rechte Sprüche", das Land der Menschen nun schon in zweiter Auflage herausgegeben hat. Marion Wisinger gibt darin nützliche Tipps für den Umgang mit solchen schwierigen Situationen und man_frau erfährt eine Menge an Fakten zum Thema MigrantInnen in Österreich. Obendrein ist das Büchlei superhübsch geworden, finde ich. Doch schaut selbst:

Wer es lieber gleich in Händen hält - Bestellungen an landdermenschen.ooe@aon.at

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December 22 2009

16:39

Erfriert das Christkind in Wien?

Auch davon unabhängig wie man_frau die bildungspolitischen Wirkungen der am Montag erfolgten Räumung des von Studierenden besetzten Audimax sieht, hat dieses Thema auch eine enorme sozialpolitische Dimension. Obdachlose, für die offenbar in Wien zuwenig Schlafplätze zur Verfügung stehen mitten im eiskalten Winter, hatten die Gelegenheit genutzt und im warmen Audimax übernachtet und wie von den Studierenden, die die wohnungslosen Menschen mit Essen aus der Volxküche versorgten, berichtet wird konstruktiv in der Bewegung im Rahmen ihrer Möglichkeiten in der Bewegung mitgearbeitet. Dass die problematische Situation dieser Menschen auch manche Probleme mit sich bringt, ist klar - aber:

Die völlig überraschende Räumung des Hörsaal hatte zur Folge, dass die begonnenen Planungen für eine passende Unterbringung der Obdachlosen fast zunichte gemacht wurde, weil die Betroffenen nun in alle Winde zerstreut sind. Die Caritas konnte nun bekanntgebenen, dass die Stadt Wien für 40 Männer zusätzliche Schlafplätze finanziert, eine Lösung für Frauen lässt noch immer auf sich warten. "Auf Wiens Straßen darf niemand erfrieren, egal welcher Herkunft", erklärt Caritas-Generalsekretär Alexander Bodmann und erläutert, dass es sich bei den Obdachlosen aus dem Audimax größtenteils um Menschen aus osteuropäischen Ländern handelt - für die die Caritas schon seit geraumer Zeit eine Lösung eingefordert hat.

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April 17 2009

22:14

March 06 2009

15:33
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