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September 13 2013

20:09

Feel the blood

Das hat Wolfie C. treffenderweise bei diesem Video kommentiert. Und doch ist es phaszinierend zu sehen, wie sich die Grenzen Europas seit dem Jahr 1000 bis heute verschoben haben.

Tags: Politik

February 10 2013

16:37

Gastfreundschaft beim #refugeecamp

Gestern war ich gemeinsam mit Freund_innen in Wien in der Votivkirche, um die Refugees zu besuchen, aber auch um mir endlich in der Sache eine Meinung vor Ort zu bilden. Organisiert haben wir das über PANGEA, waren zu viert und haben es erfreulicherweise auch geschafft, einen über Spenden finanzierten Laptop mit Internetzugang mitbringen zu können. Danke an alle, die sich daran ganz spontan beteiligt haben! Der Laptop ist gut angekommen und nach einem Anruf heute weiss ich, dass er schon im Einsatz ist.

CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC http://www.flickr.com/photos/ghmss/CC BY-NC-SA 2.0 DD4RC

Ich habe auch fotografiert, aber die schöneren Fotos hat Noora gemacht.

Mazda oder Menschenrechte

Kaum aus der U-Bahn ausgestiegen in Wien, wurden wir von einer großen Auto-Werbung auf der Votivkirche empfangen. So sinnvoll es wohl ist, dass die Kirche Kirchenrenovierungen auch mit Werbung finanziert, so absurd kommt das in der aktuellen Situation an. Spontan habe ich mir gedacht, dass da was von Menschenrechten drauf stehen müsste. Dass dem nicht so ist und die Schilder der Refugees in der Kirche viel bescheidener sind, ist die kapitalistische Realität, die Profit vor Menschen setzt :-(

Warmer Tee, Decken und Heizstrahler

Sehr herzlich wurden wir von den Refugees in der Kirche empfangen. Natürlich ist das für alle Beteiligten eine etwas merkwürdige Situation, weil wir uns nicht gekannt haben – aber das hat sich ganz schnell aufgelöst und wir sind gut miteinander ins Gespräch gekommen. Auf Englisch ist das überhaupt kein Problem, manche sprechen auch ganz gut Deutsch. Wir haben guten warmen Tee bekommen und gute Tipps gegen die Kälte. Gleich waren wir auch eingeladen, die Schuhe auszuziehen und unter die Decken zu kommen. Da drunter sind auch Heizstrahler bzw. gibt es Heizdecken. Darunter wird einem dann schon irgendwie an einem Eck des Körpers warm - richtig anstrengend war aber schon nach wenigen Stunden dauernd die kalte Luft zu atmen. Wie das Tag und Nacht ist, kann ich mir gar nicht vorstellen. Der Gang auf die zwei Dixi-Klos im Eingangsbereich der Kirche ist unangenehm kalt und auch ekelhaft, das wärmere Klo in der Kirche ist aber abgesperrt. Schockiert hat mich auch, dass das Licht in der Kirche auch nachts nicht abgedreht wird - das führt wohl dazu, dass die Refugees immer mehr das Gefühl für Tag und Nacht verlieren und nicht nur wegen des Hungerstreiks viel auch tagsüber schlafen. Vielleicht gerade wegen der Improvisiertheit in der Kirche ist mir die Gastfreundschaft der Refugees so eindrücklich geworden.

Miteinander reden und zuhören

Die meiste Zeit haben wir genutzt, zuzuhören und miteinander zu reden: über die Ignoranz der Politik, die Wichtigkeit des selbstorganisierten Protests, das improvisierte Leben in der Kirche und die persönlichen Wege der Refugees. Manchmal weiss auch einfach niemand mehr etwas zu sagen. Und doch ist es gut, da zu sein. Manche haben das Asylsystem auch schon in anderen europäischen Ländern erlebt. Sehr deutlich ist mir geworden, dass diese Männer wissen was sie tun. Sie haben einfach keine Alternative und hoffen auf eine Lösung, zu der sie gerne alles beitragen, was sie können. Die Lösung kann aber in Konsequenz nur von den politisch Verantwortlichen kommen. Die Refugees sind dankbar für jede Unterstützung, aber haben verständlicherweise ein gutes Stück Distanz zur Politik und grossen NGOs.

Der Normalbetrieb alltäglicher Solidarität

Wir haben eine junge Ärztin getroffen, die Suppe für die Refugees gekocht hatte und gemeinsam mit einer Freundin in die Kirche brachte. Zwei Frauen sind gekommen und haben Wäsche zum Waschen abgeholt und saubere Wäsche gebracht. Der Deutschunterricht musste am Samstag erstmals ausfallen, weil die Refugees zu schwach dafür waren und sich nicht genug konzentrieren konnten. Am Montag wird es trotzdem wieder das Angebot geben. Andere sind einfach gekommen, um zu reden und da zu sein - genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas. Alle Supporter_innen haben sich gefreut, andere zu sehen, die an irgendeinem anderen Eck mithelfen; manches kommt von solidarischen Privatpersonen, denen die Refugees einfach ein Anliegen sind, manches kommt von den grossen Hilfsorganisationen. Wichtig war den Refugees zu sagen, dass der Tee, den sie uns angeboten haben, von ihnen selbst gemacht wird. Während unseres Besuchs mussten wir auch erleben, dass zwei hungerstreikende Refugees ins Krankenhaus gebracht werden mussten. Da haben sich ein Arzt, die Caritas und die Johanniter sorgsam und kompetent drum gekümmert.

Im Haus Gottes

Immer wieder werden die Refugees gefragt, warum sie denn in keiner Moschee Zuflucht gesucht hätten - als ob da direkt neben dem Sigmund-Freud-Park eine Moschee wäre. Die Refugees nehmen sehr bewusst die Votivkirche als Haus Gottes wahr und behandeln das Haus mit dem nötigen Respekt. Trotzdem ist, selbst wenn, wie bei unserem Besuch, kein Gottesdienst ist, die Atmosphäre skurrill: Die hohen, neugotischen Räume und das Matratzenlager im Seitenschiff. In der einen Ecke hängen die Tafeln des Kameradschaftsbundes, in der anderen Ecke gibt es einen Erinnerungsort für den Seligen Franz Jägerstätter. Ich persönlich kann mir unmöglich vorstellen, wie da jemand Gottesdienst feiern kann und so tun kann, als ob die Menschen im Seitenschiff Luft wären: für mich ist das eine Pervertierung des Christlichen - denn zuallererst sind die Menschen heilig und nicht Räume oder offenbar erstarrte sinnentleerte Rituale. Da bin ich einer Meinung mit den Refugees: es geht uns allen im Kern, egal um ob Moslems oder Christ_innen, um Gott und um ein würdevolles Leben für alle Menschen. Ich verstehe schon, dass das für die konkrete Pfarrgemeinde nicht einfach ist, aber mir ist nicht nachvollziehbar, wie jemand solche Texte aufhängen kann und dann nicht merken, dass die Wärme, vielleicht nicht gerade gemütlich, aber doch, unter den Decken und im Gesicht der Refugees ist. Jenen, die da gerade da sind und nicht abstrakt irgendwo. Bei der heutigen Reaktion der Refugees auf die Provokation einer rechten Gruppe habe ich mich stark an manche Gleichnisse Jesu erinnert gefühlt: Der hat es auch verstanden, schwierige Situationen mit Menschenfreundlichkeit und Respekt für alle Menschen aufzulösen und genau daraus Autorität und Anerkennung bei seinen ersten Anhänger_innen gewonnen. Das wäre wohl auch der Weg, wie Kirche endlich wieder Profil gewinnen würde: nicht durch Herumlavieren, noble Zurückhaltung oder als vermeintlich "neutrale" Moderatorin, sondern durch eine klare und pointierte Haltung für Menschenrechte – für wirklich alle. Da ist manch Gutes in den letzten Wochen passiert - aber angesichts der Situation denke ich auch, dass da mehr möglich wäre - durchaus auch in Kooperation mit allen Menschen guten Willens, ganz egal, ob sie nun Christ_innen sind oder nicht.

"We are sorry ..."

Nachdem ich im Vorfeld schon viel über die Zugangskontrollen (maximal 5 Supporter_innen) erfahren hatte, habe ich mit der Caritas Kontakt aufgenommen, um zu klären, wie das bei unserem Besuch läuft. Da ist herausgekommen, dass es definitiv keine Ausnahmeregelung gibt. Vor Ort hatten wir dann aber Glück und sind gleich in die Kirche rein gekommen, weil gerade nicht zu viele Besucher_innen da waren. Etwas später habe ich dann aber miterlebt, wie elf Innsbrucker_innen, die auch einen Solidaritätsbesuch gemacht hatten und Geschenke mit hatten, zum Teil vor der Tür gestanden sind bzw. nur abwechselnd rein durften. Einer der Refugees hat sich dafür entschuldigt und deutlich gemacht, dass ihm diese Zugangsregelung sehr leid tut. Ich habe meinerseits auch weitere Refugees gefragt und von allen einhellig vernommen, dass sie gerne möchten, dass mehr SupporterInnen gleichzeitig kommen können. Warum die Caritas da wiederholt sagt, dass die Refugees selbst diese restriktive Regelung auch haben möchten, ist mir nicht nachvollziehbar. Die beiden Mitarbeiter des Security Dienstes waren uns gegenüber sehr freundlich genauso wie die Mitarbeiter_innen der Caritas, die vor Ort waren.

Mein Resümmé

Ich bin extrem froh, dass ich gestern in der Votivkirche war. Es war intensiv, kalt und warm zugleich - und ich war entsprechend müde hinterher. Ich habe von den Refugees ganz viel bekommen. Mein über das Internet und über Gespräche gewonnenes Bild der Situation hat sich bestätigt: Die Refugees organisieren selbstbestimmt ihren Protest für Menschenrechte und es gibt viele solidarische Unterstützer_innen. Die Caritas sorgt für einen einen gewissen notwendigen Rahmen; es ist gut, dass sie vor Ort ist, auch wenn manche Regelungen in der Kirche für mich nicht nachvollziehbar und sinnvoll einsichtig sind.
Wie das alles weitergeht, weiss ich auch heute nicht. Das habe ich mir aber realistischerweise auch nicht erwartet. Es steht mir auch nicht zu, den Refugees irgendetwas raten zu wollen. Wie wohl alle mache ich mir Sorgen um die Gesundheit der Refugees wegen des Hungerstreiks - ich habe aber auch erlebt, dass sie sehr klar wissen, was sie wollen und was nicht. Sicher bin ich mir bei zwei Dingen: Die Refugees brauchen all unsere Solidarität und es braucht noch mehr politischen Druck, um endlich zu Veränderungen im in den letzten Jahren immer inhumaner gewordenen Asylsystem zu kommen. Wenigstens in der Frage des Arbeitsmarktzugangs für Asylsuchende gibt es Ansätze von Bewegung (Unterschriftenliste).

Mach was!

Ich möchte alle, denen die Refugees nicht egal sind, ermutigen was zu tun. Zuschauen und sich denken "eh schlimm" macht nichts besser.
Fahr hin und besuche Sie! Sie freuen sich und am besten geht das praktisch in kleinen Gruppen, weil es dann am einfachsten mit der Zugangsregelung zur Kirche klappt. Wenn Du was mitbringen kannst, steht da, was gebraucht wird.
Erzähl' es weiter und glaub nicht alles, was in der Zeitung und im Internet steht! Verlässliche Infoquelle ist die Website der Refugees, die Facebook-Page und vor allem für aktuelle Aktionen Twitter.
Beteiligte Dich an Solidaritätsaktionen und Protesten! Am 16.2. gibt es in Wien eine Demo, weitere Aktivitäten sind geplant. Morgen gibts in Linz ein Vernetzungstreffen in der Sache. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Protest der Refugees nicht nur ein politischer Lernraum sein kann, wie es ist, wenn Migrant_innen selbst als Protagonist_innen auftreten, sondern dass es auch an der Zeit ist, zu lernen, dass es unterschiedliche Formen von Solidarität geben kann und die allesamt wertvoll sind für das Anliegen der Menschenrechte der Refugees, die im übrigen unser aller Menschenrechte sind - denn entweder sind die universal oder verdienen diese Bezeichnung nicht. Mich nerven die Gebete der Solidarität lächerlich machenden Meldungen genauso wie ich es nicht verstehe, dass jemand nicht bei einer Demo mit dabei ist, weil es dort auch passieren könnte, dass wer neben einen ein Schild hochhält, wo was drauf steht, dass er_sie nicht teilt. Wer selbst ein Schild mitbringt, kann auch selbst zeigen, worum es ihm_ihr geht. Hoffnung macht mir, dass diese Bewegung auch zeigt, dass es viele Menschen gibt, denen es um Menschlichkeit geht.

January 26 2013

18:48

Politisches Nachtgebet in Solidarität mit dem #refugeecamp

Am Montag, 28. Jänner 2013, gibt es um 18.00 Uhr ein politisches Nachtgebet. In Linz findest dieses in der Ursulinenkirche statt, es gibt aber auch Gebete der Solidarität in Wien und Graz. Damit ja niemand sagt, er_sie habe es nicht gewusst, steht es hier nochmal.

>> Infos zum Politischen Nachtgebet

>> Refugeecamp-Blog

Das Foto (by Daniel Weber) zeigt übrigens die Realität in der Votivkirche: immer mehr sind die Refugees dort eingesperrt :-(

January 24 2013

21:42

Video Demo #refugeecamp in Linz

Heute war ich auf der Demo in Solidarität mit dem #refugeecamp und habe ein Video zusammengeschnipselt. Ich finde es so befreiend, da auf die Demo zu gehen und was zu machen - anders ist es einfach nicht auszuhalten, denn ganz besonders bei den rechten Parteien hält die Ignoranz, wenn es um Menschenrechte für Refugees geht, leider nach wie vor an. Drum: Wir müssen was tun!

Das Video gibts auch bei DORF und Ich mach Politik.

January 19 2013

21:55

Nein zum Berufsheer

In Ermangelung einer einer echten friedenspolitischen Alternative am Stimmzettel werde ich morgen schweren Herzens für die Wehrpflicht stimmen. Mein zentrales Argument für diese Entscheidung ist, dass ich auf keinen Fall ein System will, dass die noch stärkere Einbindung Österreichs in Kampfeinsätze im Rahmen der EU oder anderen Militärpakte ermöglicht. Das ist das Berufsheer. Ich will nicht, dass in meinem Namen Kriege geführt werden.

Freuen tut mich diese Entscheidung aber überhaupt nicht - aber in der ganzen Debatte in den letzten Wochen gab es überhaupt wenig Hoffnung, dass Frieden und zivile Konfliktprävention durch ein neutralen Land Österreich wieder auf der Tagesordnung stehen. Da gibts auch nach dem 20. Jänner noch viel zu tun.

Hier ist übrigens das Video von der Diskussion vom 9. Jänner zum Thema, organisiert von der Solidar-Werkstatt, die ich moderiert habe. Haufenweise unterschiedliche Positionen gibts im Blog der Katholischen Aktion.

Tags: Politik

December 04 2011

13:19

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen? Das fragt Daniel Friesenecker in der gleichnamigen Blogparade. Ich komme nun endlich dazu, dazu etwas zu schreiben und möchte meinen Beitrag im übrigen gleich auch als Beitrag zur Diskussion um die Neufassung des Kulturentwicklungsplans verstanden wissen.

Demokratie!

Das mit den freien Initiativen ist für mich allen voran eine demokratiepolitische Frage. Gibt es in einer Stadt und einem Land mehr an Mitgestaltungsmöglichkeiten als alle 4, 5 oder 6 Jahre irgendwo hingehen und wählen? Können sich Menschen zusammentun für etwas, was ihnen ein Anliegen ist und damit aktiv in die Gestaltung ihres Lebensumfeldes eingreifen? Wird das, was die da tun, als wichtiger Beitrag der Zivilgesellschaft für das Zusammenleben in einer Gesellschaft begriffen oder ist es nur eine lästige Störung des 'Business as usual' der Politik? Haben nur die, die sowieso über gesellschaftliche Macht verfügen, eine Lobby oder wird auch auf Stimmen gehört, die vielleicht nicht so laut, aber mindestens genauso wichtig sind?

Konkret äußert sich dieses Engagement freier Initiativen in vielfältigen Formen: Vom Kulturverein und Künstler_innenkollektiv über die Initaitive für ein gutes Zusammenleben im Stadtteil, vom sozialen Engagement bis zu freien Medienprojekten, von der Selbstorganisation von Migrant_innen bis zu konkreten Projekten für ökologische Nachhaltigkeit, von Friedensbewegten bis zu emanzipatorischen Bildungsinitiativen, von feministischen Kollektiven bis zu Jugendprojekten.

Manche verstehen dieses Engagement explizit politisch, wenn auch nicht unbedingt parteipolitisch. Andere würden es selbst nicht politisch nennen, tragen aber doch etwas ganz Wichtiges zur gemeinsamen Sache, der 'Polis' (das Gemeinwesen) bei.

Manche Initiativen arbeiten rein ehrenamtlich, andere wiederrum sind so groß geworden, dass das regelmässige Engagement ohne hauptamtliche Mitarbeiter_innen nicht machbar wäre. Gesellschaftliche sinnvolle Arbeitsplätze sind so entstanden.

Alles ist gemeinsam, dass sie demokratisch organisiert sind und fast alle gestalten ihre Arbeit so, dass sie für Interessierte Mitgestaltungsmöglichkeiten bieten. In diesen Initiativen passieren ganz oft Politisierungsprozesse von Menschen. Nicht wenige von diesen Menschen können mit der etablierten Parteipolitik nichts anfangen. Ihre Antwort ist dann aber nicht der Rückzug, sondern die gemeinsame und unmittelbare Gestaltung von Lebenwelt. Insofern halte ich zivilgesellschafliches Engagement auch für entscheidend für die Demokratie ansich. Diese kann nur leben und sich weiterentwicklen, wenn die öffentliche Sache eine gemeinsame Sache aller ist. Was da dann gemeinsam passiert, ja, das ist politisch auszuhandeln. Aber ohne die betroffenen Menschen wird es nicht gehen.

Freie Initiativen können vieles besser als der Markt und der Staat. Nicht alles. Ich bin mir sicher, dass es, wenn es um grundlegende Infrastukturen (Bildung, Verkehr, Sozialstaat, ...) geht, staatliches Handeln braucht. Und es braucht auch Gesetze, die das Zusammenleben in den Grundzügen regeln. Was freie Initiativen aber besser können, ist das Miteinander der Menschen zu organisieren. Sie können bedarfsorientierter und unmittelbarer konkrete Projekte und Ansatzpunkte entwickeln. Sie stellen den gesellschaftlichen Profit und nicht den ökonomischen Profit in die Mitte. Sie machen wirklich, wirklich spürbar, wie es sein könnte mit einem guten Miteinander. Nein, nicht ohne Konflikte und notwendige Aushandlungsprozesse von Interessen, aber doch in einer Form, dass Betroffene zu Mitgestalter_innen werden können. Mehr als es je über Wahlen möglich sein wird.

Ich möchte auch nicht naiv verschweigen, dass es in dieser offenen Definition diesem Definitionsversuch freier Initiativen auch Initiativen gibt, die in ihrem Tun der Demokratie zuwiderlaufen, sie in Frage stellen. Ja, auch die Nazis, Ewiggestrigen und Rassist_innen werden stärker und organisieren sich. Hier gilt es eine klare Grenze zu ziehen und bestehe Gesetze konsequent umzusetzen - und vor allem Alternativen zu schaffen. Die liegen meiner Meinung nach durchaus aber auch wieder im zivilgesellschaftlichen Bereich. Ja, es läuft vieles schief in unserer Gesellschaft. Wenn das nicht in einer autoritären, rechtsextremen und rechtspopolistischem Umwandlung der Gesellschaft enden soll, sondern in guten Lösungen für alle Menschen, dann wird es zivilgesellschaftliches Engagement und konkrete Mitgestaltungsmöglichkeiten vor Ort brauchen. Damit aus Wut über Ungerechtigkeit nicht Wut gegen Minderheiten wird. Damit sich die Demokratie nicht selbst in Frage stellt.

Kultur! Kunst!

Der Ausgangspunkt dieser Blogparade ist der Kunst- und Kulturbereich. Das ist auch kein Zufall, denn einerseits wird hier seit vielen Jahren offensiv der Begriff "Freie Szene" verwendet und andererseits ist kulturelles und künstlerisches Engagement für oben formulierte Überlegungen wohl ein paradigmatisches Anwendungsfeld. Das passiert ja auch.

Seit den 1970ern sind zahlreiche Kulturiniatiativen entstanden und wenn ich anfangen sollte deren Impulse für Linz und Oberösterreich aufzuzählen, dann würde ich wohl in meinem Leben nichts mehr anderes tun als bloggen ;-) Gerade auch wegen dieser Impulse, aber auch, weil sich Kunst ansich mittlerweile sowieso stärker gesellschaftlich bezogen begreift, passiert heute in kulturelles Institutionen inhaltlich viel, was, was vor 20 oder 30 Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Im ländlichen Bereich sind Kulturiniativen unverzichtbare kulturelle Nahversorger_innen, doch in der Stadt ist es nicht immer unbedingt das Programm, dass wirklich unterscheidet. Vielmehr ist es die Offenheit und Impulskraft dieser Initiativen, die sie so wertvoll macht. Kunst und Kultur wird dort anders organisiert als in den Institutionen und erst recht im kommerziellen Bereich. Das hat zur Folge, dass immer wieder Neues entsteht, sich Inhalte und Strukturen weiterentwickeln können und Freiräume da sind, die Menschen erst eine unmittelbare Beteiligung ermöglichen. Aus diesen breiten Strukturen wachsen dann auch immer wieder Künster_innen oder Kollektive, die mit ihrer Arbeit österreichweit oder international für Furore sorgen.

Medien!

Medien spielen in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen eine besondere Rolle. Ja, auch der öffentliche Raum ist spannend, aber vieles passiert medial vermittelt. Freie Medien wie sie die Freien Radios, das Community-Fernsehen, unabhängige Zeitprojekte und selbstorganisierte Internetinitativen repräsentieren, eröffnen Menschen einen unmittelbaren Zugang zur Medienarbeit. Da steckt ein entscheidendes Potential für die breite Vermittlung von Medienkompetenz drin. Doch genauso geht es auch um einen unmittelbaren Zugang von zivilgesellschaftlichen Initiativen und eizelnen Bürger_innen zur Öffentlichkeit. Das Internet verschiebt hier vieles, weil vieles umittelbarer, einfacher und kostengünstiger möglich geworden ist. Doch bin ich mir sicher, dass Radio, Fernsehen und Zeitung weiter eine Rolle spielen können, die sich aber durchaus verändert. So wie ich es wahrnehme, sind diese auch enorm wichtig für die Vernetzung unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche. 'Keine Demokratie ohne Medien' - von wem ist das?

Kulturentwicklungsplan Linz: Meine Vision und mein Realismus

Wenn ich nun wirklich sehr visionär denke, dann würde ich mir ob dieser Tatsachen wünschen, dass in der Stadt Linz der Anteil institutioneller Kultur radikal verkleinert wird und vieles in die Hände der Initiativen gegeben wird. Die Kommune wäre für mich sinnvollerweise für die Sorge für Infrastrukturen, Koordination und die Vergabe von Fördergeldern (nach auszuhandelnden Kriterien und durch Expert_innenjurys, denn schließlich geht es um Steuergelder) zuständig, aber eigentlich braucht es viel weniger städtisch organisierte Kunst und Kultur. Kulturbeamt_innen und Leiter_innen von Häusern wären in diesem Bild mehr Community-Manager_innen als Kulturveranstalter_innen.

Ja, ich könnte jetzt einfach sagen, 'mehr Geld für Kunst und Kultur'. Ja, das sage ich auch. Aber da bin ich jetzt vielleicht nicht recht visionär, sondern realistisch, dass angesichts der finanziellen Situation der Kommunen nicht wirklich viel drin sein wird. Darum glaube ich, dass ein Kulturentwicklungsplan als langer 'Wunschzettel ans Christkind' wenig Sinn macht. Vielmehr wäre es an der Zeit mit dem Umbau der Kunst und Kultur in Linz anzufangen. Wirklich anzufangen!

Sonst passiert nur - geduldiges KEP-Papier hin und her -salamitaktikmässig der Abbau von Kunst und Kultur. Erst in der freien Szene, weil die weniger Lobby hat und dann irgendwann mal auch in den Institutionen.

Gemeinsam mit den zivilgesellschaftlichen Initiativen im Kulturbereich könnte die Stadt Linz sich entscheiden, einen zukunftsweisenden Weg zu beschreiten. Sie könnte endlich aufhören (was sich seitens mancher Stadtpolitiker_innen leider eingebürgert hat), diese Initiativen als lästige Störung, sondern als wertvolle Mitstreiter_innen um ein gutes Leben in dieser Stadt wahrzunehmen. Nicht nur in Sonntagsreden, sondern durch glaubwürdige Schritte, die die Vielfalt dieser Initiativen auch in Zukunft garantieren und die es neuen Initiativen möglich machen, sich zu entwickeln. Auf Augenhöhe wäre ganz viel möglich, denn in den Kulturiniativen werken allesamt Leute, denen die Mitgestaltung dieser Stadt ein wirkliches Anliegen ist. Sonst würden sie unter den derzeit widrigen Bedingungen überhaupt nichts tun oder woanders hinziehen.

Wohin dieser gemeinsame Weg von Stadt Linz und zivilgesellschaftlichen Initiativen führen soll und wie dieser Weg gegangen werden kann, vor allem das sollte im Kulturentwicklungsplan stehen.

Ende 1: Apropos Realismus: Das, was ich mir wünsche, wird so nicht stattfinden. Aus vielerlei Gründen. Aber genauso wie bei anderen Dingen werden Forderungen nicht weniger wichtig und richtg, weil sie nicht morgen umgesetzt werden. Vielleicht übermorgen? ;-)

Ende 2: Ob ich die Frage, was der Gesellschaft FEHLEN würde ohne freie Initiativen wirklich beanwortet habe, weiss ich nicht so genau. Jedenfalls danke an Daniel für das Initieren der Blogparade, die für mich der Anlass war, dieses Thema wieder mal grundsätzlicher zu reflektieren.

Fotos:
Flickr CC by Ralph Aichinger
Flickr CC by - nc - sa a_kep

October 15 2011

17:38

Pics von #OccupyAustria #Linz

gibts auf Flickr oder gleich hier zum Gucken:

Tags: Politik

October 12 2011

08:31

#sbsm - Soziale Bewegungen und soziale Medien

Zwar habe ich auf Kirche 2.0 über #sbsm gebloggt, es aber bisher verabsäumt das hier entsprechend zu tun. Das ist ein Fehler, der geändert werden muss!

Wer #sbsm nicht kennt, sollte es kennenlernen. Ebenso wie die Leute, die hier als Avatare sichtbar sind :-(Naja, den Obama vielleicht nicht wirklich, der ist ein Kriegsherr und Handlanger der Banken und Konzerne wie die anderen US-Präsidenten auch).

#sbsm ist ein Buch, eine Website und ein Camp. Das Buch ist ein Kind des Web, im Web steht mit CC-Lizenz alles, was im Buch steht und das Camp ist die Face2Face-Vernetzungsveranstaltung dafür. Viele von euch werden #sbsm sowieso schon kennen, weil es mit dieser Verschränkung meiner Meinung nach hervorragend gelungen ist, dass darüber im Web geredet wird, Menschen sich aktiv austauschen und vernetzen. Ich habe da auch was geschrieben in diesem feinen Buch, aber wie das mit Büchern so ist, ein paar Kleinigkeiten würde ich heute schon wieder anders sagen. Aber gedruckt ist gedruckt ;-)

#sbsm ist aber auch eine Bündelung von Aktivitäten im Social Web, die sich diesem Thema aus der Perspektive von sozialen und nicht-kommerziellen Organisationen, Bewegungen und Kampagnen nähern. Ganze Bücherregale voll gibt es dazu, wie Unternehmen im Social Web kommunizieren können (ehrlich, ich habe kaum was davon, weil die besten Social Media Marketing & Co. Dinge sowieso in Blogs und nicht in Büchern stehen). Letztlich geht es da immer darum, dass sich das Engagement im Internet irgendwann mal rechnen muss: ROI, Conversion Rate und was es da alles an Buzzwords gibt. Bei den sozialen Bewegungen ist das anders, die Blickrichtung ist eine andere, das Ziel ist ein anderes. Manchmal sind die Tools die gleichen, aber die Wahl der Tools folgt hoffentlich dem Inhalt und nicht umgekehrt ;-) Gleichzeitig ist aber das Feld sozialer Bewegungen in sich sehr differenziert, von Grassroot-Initiativen über anlassbezogene Protestbewegungen bis zu lange gewachsenen Institutionen wie der Arbeiterkammer, den Gewerkschaften oder auch der Kirche (ja, der Kirche, wenns wen interessiert, erkläre ich gerne mal, warum ich das so sehe). #sbsm versammelt sehr unterschiedliche Zugänge und ich bin davon überzeugt das ist bereichernd, wenn das Social Web dazu beiträgt, dass die, die doch sowieso irgendwie auf der gleichen Seite stehen, mehr voneinander wissen und voneinander lernen.

Vom Buch gibt es einen Klappentext. Weiterblättern online geht von dort aus auch sehr gut, alle Beiträge sind dort verfügbar und noch ein bisserl mehr. Wer das Buch in Händen halten will, kann es über jede Buchhandlung bestellen, es ist - was für manche meiner Kolleg_innen in der Kirche vielleicht praktisch ist - auch im Behelfsdienst im Pastoralamt Linz erhältlich. Wer aber näher ins Thema eintauchen will, der oder die sollte das #sbsmCamp nächste Woche in Wien nicht verpassen. Ich bin da dort und habe mit Erschrecken festgestellt, dass es der liebe Hans Christian Voigt geschafft hat, mich für drei Dinge einzuteilen. Ich mache einen Facebook-Strategie-Workshop, leiere eine Feminismus 2.0 Diskussionsrunde an (sehr offen, mal sehen, was draus wird) und habe auch noch einen kleinen Input bei der Session zur Mitgliederkommunikation zugesagt. Cu there!

September 28 2011

14:15

Das Netzwerk

Sehenswert! Gerade via Thomas Knapp auf Facebook entdeckt.

August 28 2011

10:28

Create your world!?

Otelo organisiert im Rahmen der Ars Electronica ein Barcamp und lädt zur Blogparade. Das Thema des ganzen Events ist Create your World, es ist die Jugendschiene der Ars.

Als Theologin ist dieser Slogan "Create your World" einer, der mich aufmerken lässt. Wirklich? Kreiieren wir die Welt - oder ist diese Welt nicht vielmehr von Gott geschaffen* und ein Geschenk an uns Menschen? Ich denke dann aber gleich an Dorothee Sölle und ihre Rede von den Mit-Schöpfer_innen, die wir Menschen sind und werde gleich versöhnter. Gott hat uns die Welt nicht gegeben, um passiv zu sein, sondern um sie zu gestalten. Und wie wir das tun, ist überhaupt nicht wurscht, sondern das das alles hat etwas mit dem guten Leben für alle Menschen zu tun. Sobald ist daran glaube, dass diese Welt von Gott geschaffen ist, lebe ich anders. Vor allem heisst dann gutes Leben nicht Machbarkeit um jeden Preis, nicht immer noch mehr und mehr, sondern auch mal Innehalten und nachdenken, was da eigentlich passiert und wohin das führt. Und das was wirklich wichtig ist, ist nicht selbstgeschaffen, sondern ein Geschenk. Gnade nennt sich das in theologischer Sprache, die heutzutage furchtbar antiquiert klingt und in so einem Blog wie meinem nur in sanften Dosen verwendbar ist ;-)

In der Blogparade wird gefragt, ob Bloggen und Barcamps die Welt verändern können. Ja, klar. Welche Frage! Interaktive Kommunikation im Internet verändert und Barcamps sind genau aus dieser Kultur des Miteinanders entstanden. Man_frau muss gar nicht nach Ägypten oder China schauen, um zu erkennen, dass der offene Zugang zu Medien Demokratie und Partizipation fördert. Ein Blick aufs Ganze, die Frage nach dem Woher und Wohin, an die uns schon das Wort "Gott" erinnert, ist da durchaus gut, denn das verhindert, dass wir in aller Euphorie all zuviel an Heilserwartung mit dem Internet verbinden und eng im Blickwinkel werden. Create your World gibt es auch ohne Internet ;-)

* Disclaimer für alle, die das unbedingt missverstehen wollen: Ich schreibe hier in der Ich-Perspektive und vom Glauben. Das ist etwas anderes als eine naturwissenschaftliche Perspektive - und gar kein Widerspruch, denn in der Ich-Perspektive geht es um Sinn, in der 3.-Person-Perspektive um Beschreibung.

August 23 2011

08:58

‎"Großbrittanien hat 15 Jahre Vorsprung im Abbau des Sozialstaats"

Schon über Twitter, Facebook und Google+ weiterverbreitet, aber bloggen muss ich dieses Video auch noch. Andrej Holm analysiert die Riots in Großbrittanien. Ich finde, sehr treffend.

Tags: Politik

August 02 2011

17:38

Zwei Seiten einer Medaille

Am 6. bzw. 9. August jähren sich die Atombomben-Abwürfe auf Hiroshima bzw. Nagasaki wieder. 300.000 Menschen sind damals unmittelbar ums Leben gekommen, wie viele es in Folge der radioaktiven Verstrahlung waren und sind, ist nicht ganz genau bekannt. Vermutlich noch einmal soviele.

Das ausgerechnet in diesem Land, das durch diese Atombomben-Abwürfe so schwer getroffen wurde, heuer ein Atomkraftwerk so beschädigt wurde, dass die Folgen dieses Unfalls noch immer völlig unabsehbar sind, ist traurig und bedenkenswert. Offenbar hat es die japanische Atom-Lobby geschafft, die "friedliche" Nutzung von Atomenergie als komplett etwas anderes darzustellen als den militärischen Einsatz dieser Technologie. Tatsache ist allerdings, dass die Zusammenhänge realistisch betrachtet unübersehbar sind - die zwei Seiten einer Medaille.

Genau so wenig wie es gute oder schlechte atombewaffnete Länder gibt, gibt es gute oder schlechte Nutzungsformen der Atomenergie. Die einzige Konsequenz muss sein: Atomkraft - Nein Danke! Wir brauchen weder die angebliche Abwehr von Bedrohungen durch Atomwaffen - denn Sicherheit entsteht im Miteinander, nicht im Gegeneinander - noch die "friedliche" Nutzung der Atomenergie - denn die möglichen Folgen eines Unfalls und die Müllprobleme für die nächsten Generationen sind unabsehbar und es gibt längst wirklich saubere Energieproduktions-Technologien, die nur entsprechend gefördert werden müssten.

Was braucht es, damit die Menschen verstehen, dass die Zukunft atomfrei oder gar nicht sein wird?

Hinweise:

Foto BY-NC-ND by jpellgen

Tags: Politik

July 30 2011

11:27

"Ein Kind, das heute verhungert, wird ermordert"

Ziegler

Unique Content ist es nicht, denn erfreulicherweise verbreitet sich die nicht gehaltene Rede von Jean Ziegler derzeit sehr gut im Netz. Aber doch: Sharing ist Caring.

Foto CC-BY-SA Manfred Werner

Tags: Politik

July 26 2011

16:08

Erwin Pröll unzensuriert

Ich kenne das Video schon länger, aber es sollten eigentlich alle kennen. Es hat Seltenheitswert, dass Politiker_innen so ehrlich sagen, was sie wirklich denken.

Tags: Politik

July 25 2011

17:10

Ein "christlicher Fundamentalist"?

Anders B., der mutmaßliche Urheber der grausamen Attentate in Norwegen wird in den Medien immer wieder als "christlicher Fundamentalist" bezeichnet. Seine wirren Gedanken weisen offenbar nicht nur in die Richtung des Rechtsextremismus, sondern enthalten eben auch Spuren des Christlichen - oder was er da auch immer darunter versteht. Die Aussage, Anders B., sei "christlich-fundamentalistisch" orientiert, stammt von der norwegischen Polizei.

Zu Recht gibt es Empörung auf Twitter, wenn der ORF Niederösterreich nun diese Bezeichnung verbieten lassen will. So eine Direktive ist wohl mit einem guten Stück Verleugnung der Realität verbunden. Es gibt sie, diese Leute, die die christliche Botschaft so derartig missverstehen, dass sie Fremdenhass, nationalsozialistisches Gedankengut und in letzter Konsequenz einen unglaublichen Gewaltausbruch gegen Kinder und Jugendliche damit verbinden. Ich erinnere nur an die Holocaust-Leugnung des Piusbruders Richard Williamson und letztlich kommt der Auftritt von HC Strache mit einem Kreuz auch aus dieser Ecke. Aber keine Frage, da liegen trotzdem noch Welten zwischen den drei genannten Personen.

Und doch: Ich verstehe das Unbehagen von Christ_innen, wenn sie mit jemand wie Anders B. irgendwie in einen Topf geworfen werden. Ich habe das selbst. Zwar wird korrekterweise von "fundamentalistisch-christlich" gesprochen und nicht nur von "christlich", aber trotzdem: Die Pauschalverurteilung alles Christlichen schwingt da mit und mich wundert nicht, dass im Standard-Forum auch schon wieder die Kreuzzüge herhalten müssen. Es ist eine Pervertierung des Christlichen, die da passiert (und bei den Kreuzzügen passiert ist): Jesus war derjenige, der ermordet wurde und nicht umgekehrt. Christ_innen sind parteilich für die Opfer und arbeiten für eine Welt, in der es keine Opfer mehr gibt. Wenn ich sage, "Ich glaube an Gott" kann ich nicht weiterleben, also ob das nichts für mein Leben in dieser Welt bedeuten würde. Es geht um nicht mehr und um nicht weniger als die Würde jedes Menschen.

Und doch: Es gibt sie, diese Fundamentalist_innen, die sich Versatzstücke des Christlichen nehmen, missverstehen und umdeuten. Die traurige Spitze des Eisberges ist in Norwegen sichtbar geworden, eine Aussage, die wohl auch für den Rechtsextremismus in Europa gelten muss. Die Geschichte des Christentums ist wohl auch nicht unschuldig an der Ambivalenz des Themas. Damit das künftig vielleicht irgendwann nicht mehr so ist, wünsche ich mir, dass sich Christ_innen, die Kirchen, die beeindruckenden Worte des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg beim Trauergottesdienst in Oslo auch für sich selbst zu Herzen nehmen:

Noch sind wir geschockt, aber wir werden unsere Werte nicht aufgeben. Unsere Antwort lautet: mehr Demokratie, mehr Offenheit, mehr Menschlichkeit.

Nachtrag: ORF Niederösterreich: Anders B. kein "Christ" von Alexandra Bader

Foto: CC BY-SA by johsgrd

July 21 2011

20:25

Unendliche Weiten ...

Mit zwölf wollte ich Weltraumforscherin werden. Da ist nichts draus geworden, aber noch heute übt der Weltraum eine riesen Phaszination auf mich aus, auch wenn ich mich damit nicht wirklich bschäftige. Heute ist das letzte Space Shuttle gelandet. Ein bißchen Wehmut stellt sich ein, wie wird es weitergehen? Und doch auch eine Frage: Wenn es die Menschheit nicht mal schafft, dass niemand mehr an Hunger sterben muss, warum fliegen "wir" dann in den Weltraum?

Foto: BY-NC-SA by Flying Jenny

Tags: Politik

July 18 2011

17:35

Bildung für die Zukunft

Das Video ist schon älter, doch heute bin ich wieder mal drübergestolpert und finde echt, alle, die irgendwas mit Bildung zu tun haben, sollten sich diese 11:40 Minuten unbedingt ansehen.

July 16 2011

11:37

Was wäre wenn ...

richtung... ein deutscher, rechtskonservativer Ex-Politiker heute beerdigt wird - und niemand geht hin außer der enge Familienkreis und enge Freund_innen?

... die ganzen Wichtigen in der Katholischen Kirche heute nicht dort wären, sondern ihre Zeit zum Beispiel in einem Obdachlosenheim verbringen würden?

... nicht nur die Kollektensammlung für die Opfer der Hungerkatastrophe am Horn von Afrika verwendet würde, sondern das ganze Geld, das dieser Trubel dem österreichischen Staat kostet?

Foto Flickr CC by jazzlog

May 27 2011

16:40

Netzneutralität?

Der Erfolg des Internet beruht auf der Gleichheit aller Datenpakete. Neuere Überlegungen orientiert - an der kommerziellen Verwertung - könnten das in Frage stellen. Nach der Zwei-Klassen-Medizin nun auch das Zwei-Klassen-Internet?

Frage am Rande ;-) Ist irgendwer in den Kirchen schon auf die Idee gekommen, dass das alles eine entscheidende Frage sozialer Gerechtigkeit von morgen sein könnte?

May 21 2011

18:01

Livestream #spanishrevolution

Ich kann zwar so wie kein Wort Spanisch, aber schon alleine das Anschauen dieses Stimmung gefällt mir. Wann gibts die #austrianrevolution?

Live video chat by Ustream

Tags: Politik
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Schweinderl