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November 19 2013

17:26

Social Media in der Erwachsenenbildung

Am 18. November 2013 habe ich in Graz einen Workshop für das Frauennetzwerk in der Katholischen Erwachsenenbildung gestaltet. Unten sind meine Slides.

Zum Thema Social Media und Erwachsenenbildung stehen übrigens zwei eintägige Seminare an, die ich gemeinsam mit Gaby Filzmoser gestalten werde: am 18. Jänner in Linz und am 18. März in Innsbruck im Haus der Begegnung.


November 18 2013

16:24

Trends in der Kommunikation

Am Freitag, 15. November 2013, war ich Vortragende auf einer Tagung für Führungskräfte und ÖffentlichkeitsarbeiterInnen der Diakonie Österreich. Es war ein intensiver und spannender Austausch "in ökumenischer Verbundenheit", wie hieß. Hier gibts für Interessierte meine Slides zum Nachlesen:


September 19 2013

16:10

Freundschaft 2.0

Für die Zeitschrift "neue gespräche", herausgegeben von der AKP - Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung e.V., habe ich einen Beitrag zum Thema Freundschaft geschrieben. Danke an Uli Berens für die redaktionelle Bearbeitung.

Freundschaft 2.0

„Ich habe 137 Freunde.“ Solche Aussagen lassen den Wert des Internets für die Pflege von Beziehungen fragwürdig erscheinen. Vier Klarstellungen und Überlegungen. Von Andrea Mayer-Edoloeyi

1. Freund_innenschaft im Internet: Das Thema ist in der öffentlichen Diskussion von vielen Missverständnissen geprägt. Ein beträchtlicher Teil davon beruht auf einem Übersetzungsproblem: Der Begriff friend im Englischen meint den weiteren Bekanntenkreis, der Begriff Freund_in im Deutschen bezeichnet dagegen traditionell einige wenige Menschen, mit denen ich engere, vertrautere Beziehungen pflege. Über Facebook bin ich wohl auch mit einigen engen Freund_innen verbunden, den Großteil dieser Beziehungen bilden aber Beziehungen zu friends - zu losen Bekannten.

2. Das Beziehungsmanagement im Social Web ist also oft ein Management von „weak ties“, eines erweiterten Freundes- und Bekanntenkreises. Diese „weak ties“ spielen jedoch nach der soziologischen Netzwerktheorie eine wichtige Rolle für den Aufbau von Sozialkapital. Die engsten Beziehungen („strong ties“) werden online wie offline gepflegt; der Termin für den Kaffeetratsch wird vielleicht auf Facebook arrangiert, der gemeinsame Kaffee wird aber immer noch in der Kohlenstoffwelt getrunken. Der Facebook-Erfinder Marc Zuckerberg sagt dazu ganz prägnant: „Facebook hilft, mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die wir auch im echten Leben kennen. Mehr nicht. Wer glaubt, dass jeder Facebook-Kontakt ein Freund ist, der weiss nicht was Freundschaft bedeutet.“

Viele Jugendliche, die im Social Web besonders aktiv sind, verwenden große Kreativität darauf, um den Unterschied zwischen den „weak ties“ und „strong ties“ deutlich zu machen. Selbst dann, wenn der geschlossene Software-Code einer Social Networking-Site die spezifische Kennzeichnung enger FreundInnen nicht vorsieht, entwickeln sie diffizile Strategien, um ihre Kontakte zu unterscheiden, zum Beispiel über eindeutig benannte Fotoalben oder Verlinkungen auf Fotos. Dazu passt, dass Jugendliche seit Jahrzehnten als Lieblingsbeschäftigung faktisch unverändert „Mit Freunden treffen“ angeben. Überhaupt hat sich das Freizeitverhalten von jungen Menschen kaum nennenswert verändert; die ständige mediale Begleitung ist aber dazu gekommen.

3. Ein Start bei Facebook setzt in der Regel bestehende Beziehungen voraus. Das heißt: Ich nutze Facebook, um mit meinen Freund_innen, Bekannten, Verwandten in Beziehung zu bleiben. Auch die allmähliche Ausweitung des Beziehungsnetzes, die sich dann entwickelt, beruht in der Regel wieder auf gemeinsamen Bekanntschaften. Twitter ist anders: Es arbeitet nach dem „Follower-Prinzip“. Das bedeutet, ich „folge“ jemandem, indem ich seine Nachrichten (genannt „Tweets“, bestehend aus maximal 140 Zeichen) abonniere und dann automatisch mitlesen kann. Wenn das Gegenüber meinem Twitter-Account „folgt“, kann er meine Nachrichten mitlesen.

Meine friends auf Facebook habe ich also meist auch schon face-to-face getroffen, sie waren mir schon vorher näher oder weitläufiger bekannt. Meine follower auf Twitter dagegen habe ich meist dort erst kennen gelernt. Denn auf Twitter suche ich mir in der Hauptsache Anbieter_innen aus, deren Themen mich interessieren. Das kann Barack Obama sein oder die „Frankfurter Allgemeine“; mit beiden muss ich nicht befreundet sein, um follower zu werden. Twitter ist also stärker thematisch gruppiert. Allerdings bringt mich das Interesse am gleichen Thema möglicherweise mit Leuten in Freund_innenschaft zusammen, die ich vorher nicht kannte.

Das heißt: Die unterschiedliche Struktur der jeweiligen Social Media bringt einen unterschiedlichen Umgang mit Beziehungen mit sich. Ich möchte beides nicht missen und kann insbesondere sagen, dass ich manche mittlerweile zu meinen engen Freund_innen zähle, die ich ohne Twitter nie kennen gelernt hätte. Mittlerweile finde ich es nicht mehr ungewöhnlich, Bekannte von Twitter auch face-to-face zu treffen.

4. Das Social Web schafft durch die Möglichkeit der Anonymisierung neue Chancen. Ist das interessante Gegenüber, dass ich im Web als „BoingBoing“ kenne, nun alt oder jung, Mann oder Frau, „schwarz“ oder „weiß“, Professor oder Sponti? So manche interessante Überraschung habe ich da schon erlebt. Die Anonymität erleichtert es mir auch, aus meiner „Deckung“ zu kommen, mich zu offenbaren, zu zeigen, wie ich wirklich bin. Ein Beispiel: Der Hashtag (Schlagwort) #aufschrei bündelte in kurzer Zeit unzählige Berichte über Alltagssexismus. Er animierte viele Frauen und Männer, im Schutz der Anonymität ihre Erfahrungen zu erzählen; in kurzer Zeit kamen tausende, zum Teil sehr berührenden Tweets zusammen. Aus dem Netz wanderte das Thema zurück in die etablierten Medien und in die Politik, eine Wirkung, die zuvor noch kein Hashtag in Deutschland hatte; #aufschrei wurde dafür mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet.

Es lohnt sich darum darüber nachzudenken, wo sich durch die Kommunikation im Internet auch neue Chancen ergeben, sich vorurteilsfrei, offen und jenseits festgelegter Rollenklischees zu begegnen, und ob neue Freund_innenschaften möglich werden, die so einfach ohne das Internet nicht entstanden wären. Denn das Internet lässt mich ja zunächst einfach nur das wahrnehmen, was da jemand schreibt und mit seinen friends und followern teilt. Dabei bleibt das Faktum, dass mein Gegenüber im Internet zum Beispiel gehörlos ist oder ein schlimmes Flüchtlingsschicksal hat, für meine Begegnung und meinem Umgang mit ihm nicht entscheidend.

Das Social Web kann darum neue Freiheiten schaffen, womöglich Vorurteile abbauen und Freund_innenschaften jenseits von meinen bisherigen sicheren Gewohnheiten ermöglichen.

Foto: Flickr CC by-nc-sa amanda.venner

February 20 2013

13:48

Meine Diplomarbeit "Digital Natives und kirchliche Kommunikation" ist online

... und zwar hier im Blog auf einer eigenen Seite: http://andreame.at/diplomarbeit

Viel Vergnügen beim Schmöckern und Feedback wäre cool!

August 02 2012

18:34

Das II. Vatikanisches Konzil und das Social Web (Ausschnitt Diplomarbeit)

2vatOffenbar macht es den Leser_innen meines Blogs, Freude, wenn ich vorab noch unfertige Teile meiner Diplomarbeit hier veröffentliche (wie hier). Ich profitiere selbst sehr von den kompetenten und anregenden Rückmeldungen. Insofern probiere ich es wieder.
Diesmal geht es um einen Abschnitt zum Zusammenhang zwischen Medien- und Kirchenbild vor dem Hintergrund der Ekklesiologie des II. Vatikanischen Konzils. Meine These ist, dass das Social Web zumindest partiell ein Aufgreifen dieser Theologie befördert.
Da das Umwandeln in html-fähigen Text bei den Fussnoten etc. sehr tricky und aufwendig ist, habe ich diesmal ein PDF genommen und hochgeladen. Ich freue mich über Kommentare!

Das II. Vatikanisches Konzil und das Social Web

Ich ersuche hier ausnahmsweise darum, das Dokument nicht weiterzuleiten, sondern bei Interesse ggf. auf diesen Blogeintrag zu verweisen. Mein Gefühl ist, dass das noch nicht ganz fertig ist und ich würde dann schon gerne primär irgendwann die Endversion im Web finden. Danke!

Foto: CC by-sa Lothar Wolleh

July 29 2012

11:32

Kommunikationschancen der Kirche mit Digital Natives (Ausschnitt Diplomarbeit)

Nachdem ich das letzte Mal als ich einen Ausschnitt meiner Diplomarbeit ins Netz gestellt habe (Der Begriff der Digital Natives) so gute Erfahrungen mit den anregenden Rückmeldungen gemacht habe, möchte ich das wieder tun. Dieser Abschnitt ist bezieht sich auf meine Schlussfolgerungen aus der Lektüre unterschiedlicher Untersuchungen, die alle mit den Sinusmodell arbeiten und die ich in den vorherigen Punkten detailiert dargestellt habe. Es ist vermutlich nur dann gut verständlich, wenn jemand dieses sozialwissenschaftliche Modell zumindest etwas kennt. Trotzdem möchte ich es probieren und freue mich über kritische Anmerkungen! Und ja: Es geht voran!

Foto: Flickr CC by re:publica 2012Foto: Flickr CC by re:publica 2012

Zusammenfassend werden hier einige zentrale Zusammenhänge aus den vorgehenden Darstellungen in Form von vier Thesen beleuchtet.

(1) Die Kirche hat, so die Ergebnisse der Sinusstudien, ein massives Kommunikationsproblem mit postmodernen Milieus, die Digital Natives sind. Internet und Social Web ist für sie ein selbstverständlicher Teil ihres Alltags, es ist mit ihrer Identität, ihren Beziehungen und ihrem Informationsmanagement verwoben. Kirche wird von Menschen mit postmodernem Lebensstil als alt, verstaubt und reformresistent wahrgenommen. Im Alltag gibt es kaum Berührungspunkte, weil sie keinen Nutzen in den Angeboten der Kirche sehen. Der Vergleich verschiedener Untersuchungen zeigt: Je kirchendistanzierter jemand ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er_sie Digital Native ist.

(2) Bemerkenswert ist, dass es offenbar postmoderne Milieus sind, die kirchliche Internetkommunikationsangebote sehr stark nachfragen, das macht der MDG-Trendmonitor deutlich. Das hat wenig mit ihrem religiösen Interesse zu tun. Vielmehr ist ihre intensive Internetnutzung dafür ausschlaggebend. „Internet-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, gehen am Internet-Publikum weitgehend vorbei“ (Meier, Klaus, Positionierung der katholischen Kirche im Internet, in: Communicatio Socialis 3/2006, 292) hat Klaus Meier schon 2006 formuliert. Da mittlerweile aufgrund steigender Internetnutzer_innen insgesamt mehr Menschen im Internet unterwegs sind, ist natürlich auch der Nutzer_innenkreis religiöser Angebote breiter geworden. Es darf davon ausgegangen werden, dass sich dieser Bereich insgesamt differenziert hat. Doch intensive Social Web-Nutzer_innen sind primär postmoderne Milieus. Insofern darf geschlussfolgert werden, dass Social Media-Aktivitäten, die den kirchlichen Mainstream anpeilen, an der Dialoggruppe im Social Web weitgehend vorbeigehen. Die Ausnahme bilden dabei Jugendliche, denn diese kommunizieren alle - wenn auch in unterschiedlicher Form und Intensität - im Social Web.

(3) Gleichzeitig machen aber die Sinusstudien deutlich, dass es durchaus Chancen gäbe, einen positiven Kommunikationsraum mit diesen Milieus zu eröffnen, da sie mehrheitlich potentiell offen sind für Religion und noch mehr Glaube. Das Sinus-Institut nennt als grundlegende Veränderungstrendenzen unserer Gesellschaft drei Faktoren:

Modernisierung und Individualisierung: Öffnung des sozialen Raumes durch höhere Bildungsqualifikationen, steigende Mobilität und Kommunikation und dadurch erweiterte Entfaltungsspielräume und Wahlmöglichkeiten
Überforderung und Regression: Wachsende Überforderung und Verunsicherung durch den technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Wandel, durch die Vielfalt der Möglichkeiten (Multioptionsparalyse) und die Entstandardisierung von Lebensläufen – mit der Folge von Orientierungslosigkeit und Sinnverlust, Suche nach Entlastung, Halt und Vergewisserung (Regrounding)
Entgrenzung und Segregation: Durch Globalisierung und Digitalisierung getriebenes Auseinanderdriften der Lebens- und Wertewelten, sozialhierarchische Differenzierung und wachsende soziale Deklassierungsprozesse, Erosion der Mitte, Entstehen einer kosmopolitischen Elite (One-World-Bewusstsein)

Es ist naheliegend, das Orientierungsangebote aus der christlichen Tradition in diesem Regrounding-Kontext auf Ressonanz stossen könnten. Die christliche Botschaft ist in der Lebenswelt der Postmodernen nicht irrelevant, das aktuell vorfindliche institutionelle Gefüge der Kirche verstellt aber in vielen Fällen die Möglichkeit einer positiven Kommunikation.

(4) Dass das Internet und das Social Web dabei eine erhebliche Rolle spielt, ist naheliegend. Manchmal finden sich sogar diesbezügliche explizite Appelle im Social Web. Expemplarisch sei hier der Blogger, Künstler und Medienjournalist Sebastian Baumer zitiert, der sich selbst als Atheist bezeichnet und schreibt:

Wäre ich die katholische Kirche, ich würde eine Webseite bauen lassen, auf der man die ganze Bibel lesen kann, schön übersichtlich gestaltet, mit einzelnen Kapiteln, Zusammenfassungen, Illustrationen und teuflisch schicker Typographie. Man könnte einzelne Textstellen markieren und twittern oder bei Facebook und sonstigen Social Networks posten. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, dann würde ich einmal im Jahr einen Wettbewerb ausrufen, bei dem zeitgenössische Schriftsteller meine besten Stories (Mose und das Meer, Die Apokalyse, Adam und Eva etc.pp.) neu schreiben und vortragen, ohne irgendwelche Vorgaben. Die Texte gäbe es im Bundle mit den zugehörigen Originalen für jedermann kostenlos als Print- und eBook-Version. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde alle meine abgefahren beeindruckenden Kirchen, Klöster und sonstigen Bauwerke weltweit in 3d photographieren und ne iOS-App bauen lassen, mit der man sie alle virtuell besichtigen kann. [...]
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde sofort mehrere Kampagnen starten, in denen ich den Leuten klar machen würde, dass in der Vergangenheit zwar einiges schief gelaufen ist, aber dass meine Kernbotschaft von Nächstenliebe und sich nicht wie ein Scheißasi benehmen eigentlich ziemlich zeitlos gut ist, egal, ob man an den alten Mann in Himmel glaubt oder nicht.
Wäre ich die katholische Kirche, ich würde den Gottesdienst interaktiver und mit viel mehr Humor gestalten und würde jeden neu eingestellten Prediger dazu verpflichten, neben dem üblichen Beichtkram für die älteren Gläubigen einfach permanent für die Leute übers Netz erreichbar zu sein und bei Problemen aller Art zu helfen oder einfach nur zuzuhören.
Wäre ich die katholische Kirche, es könnte alles ziemlich cool werden, auch ohne den Inhalt groß zu verändern.

Ob der Weg der Glaubenskommunikation im Social Web aber überhaupt ein adäquater ist, kann allerdings nicht alleine auf der Ebene der Sozialwissenschaft verhandelt werden, sondern die Frage ist theologisch zu beantworten.

July 13 2012

10:59

Feminismus im Social Web

Im Rahmen des Projekts Donne habe ich heute über das Thema Feminismus im Social Web einen Input gemacht und mit den TeilnehmerInnen über das Thema diskutiert (Facebook-Event). Am Rande war auch Kirche und Social Media Thema, kein Wunder bei meinem Background ;-)

Von der Live-Videokonferenz gibt es den Mitschnitt und auch die Slides sind im Netz. Super wars!

June 07 2012

12:24

Sozialwort 2.0. Alle nur noch IchAG? Soziale Bewegungen und das Internet

Am 1. Juni gab es im Rahmen der Langen Nacht der Kirchen eine Live-Sendung bei DORF-TV, die ich moderiert habe. Thema war soziale Gerechtigkeit und das Internet. Mehr dazu gibt es unter http://kirche20.at/sozialwort nachzulesen.

May 09 2012

09:15

Der Begriff der Digital Natives II

Nachdem ich auf meinen ersten Beitrag zur Frage nach dem Begriff der Digital Natives so viel Feedback bekommen habe (Danke!), möchte ich die überarbeitete Form auch zur Verfügung stellen. Meine Diplomarbeit schreitet also voran, erfreulicherweise nicht nur an dieser Stelle. Beim Text ist aber zu bedenken, dass das ein Abschnitt aus der Arbeit ist, der etwas aus dem Zusammenhang gerissen ist, weil das davor und das danach hier fehlen. Irgendwann kommt aber sowieso die ganze Arbeit ins Netz..

Was sind Digital Natives? Der Begriff wurde von Marc Prensky geprägt, er greift den linguistischen Begriff der „Native Speaker“ auf und entwickelt ihn weiter. Als „Native Speaker“ werden Menschen verstanden, die in einer Sprache von der frühesten Kindheit aufgewachsen sind. „Digital Natives“ sind nach Prensky somit Menschen, die in einer Zeit erwachsen wurden, wo digitale Technologien wie Computer und das Internet bereits verfügbar waren. Entscheidend ist also das Alter der Personen. Das Gegenteil von „Digital Natives“ sind „Digital Immigrants“, die mit einem „Akzent“ in den virtuellen Welten unterwegs sind. Sie drucken beispielsweise Emails häufiger aus, können Informationen nicht so schnell verarbeiten und sind weniger multitasking-fähig. Prensky erklärt die Unterscheide mit Veränderungen im Gehirn.

Ähnlich wie in der linguistischen Debatte der Begriff der „Native Speakers“ umstritten ist (1), ist es auch der Begriff der „Digital Natives“. Der Begriff der Digital Natives, ebenso wie die synonym verwendeten Begriffe „Generation Y“, „Net Generation“ und „Millenials“, wird von vielen Medienwissenschaftler_innen auf Basis von Untersuchungen des Medienverhaltens kritisch gesehen (2). Ob sich das Nutzungsverhalten von älteren Personen, die intensiv das Social Web nutzen, qualitativ von dem der jüngeren Generation unterscheidet, ist umstritten. Vieles deutet darauf hin, dass das Alter als einziges Differenzierungskriterium auch für diese Frage wie andere gesellschaftliche Fragen nicht geeignet ist. Es gibt auch jüngere Personen, die ein Kommunikationsverhalten von „Digital Immigrants“ zeigen oder sogar „Digital Outsiders“ sind ebenso wie es Ältere gibt, die das Netz in einer Weise nutzen wie es Marc Prensky nur den Jüngeren zuschreibt.

Gründe für das prominente, aber problematische Labeling der Jugendlichen und jungen Erwachsenen liegen nach Susan Herring in der zu starken Erwachenenperspektive, die einen “generational divide” konstruiert. Jan Schmidt spricht davon, dass damit die Vorstellung aus den 1990er-Jahren reproduziert werde, dass Internet sei ein „eigener Raum, ein 'Cyberspace' mit eigenen Gesetzen, Riten und Normen, der losgelöst von der 'realen Welt' existiere“.

Ein anderer möglicher Zugang zu dieser Frage ist nicht eine nutzungs- sondern eine stärker wertorientierte Sichtweise der Menschen, die intensiv das Internet und Social Web nutzen. Bekannt geworden ist dazu im deutschsprachigen Raum der Ansatz des Organisationspsychologen und Unternehmensberaters Peter Kruse, der sich auf der re:publica7 2010 mit dieser Frage beschäftigte. Kruse hat in einer repräsentativen Untersuchung „heavy users“ nach ihren Werten befragt und kristallisierte zwei Gruppen heraus: Die „Digital Residents“ und die „Digital Visitors“. Das Alter ist hier nicht das Unterscheidungskritierium, die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. Es geht bei diesen zwei Gruppen von intensiven Internetnutzer_innen um signifikante Unterschiede in den Werthaltungen und einen unterschiedlichen Umgang mit dem Internet. „Digital Resident“ zu sein nach Kruse, ist eine Werthaltung, kein Geburtsrecht. „Digital Residents“ leben weitgehend - sowohl beruflich wie privat - im Web, sie bringen eine große Offenheit für den Austausch mit und sehen die Online-Kontaktpflege mit anderen Menschen gleichwertig zu Kontaktpflege offline. Sie wollen gestaltend eingreifen. „Digital Visitors“ gehen nur ins Internet, wenn sie schnell und aktuell praktische Informationen erhalten wollen. Beziehungen bauen sie erst in der Offline-Welt auf bevor sie sie im Social Web weiterpflegen.

Wertorientiert ist auch die neue Studie des Deutschen-Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), die mit dem Sinusmodell arbeitet. Die DIVSI-Studie legt eine Differenzierung der bundesdeutschen Bevölkerung in „Digital Outsiders“, „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ nahe. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob sie bei der Auswahl der zusammenfassenden Beschreibung der Internet-Milieus auf die dargestellte Debatte rund um die Begrifflichkeiten Bezug nimmt oder nicht. Die drei Segmente bzw. die sieben Internetmilieus entstanden auf Basis von qualitativen, repräsentativen Interviews. Die Gruppen werden wie folgt gefasst:

Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.
Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.
Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.“

Insgesamt ergibt sich für die Begrifflichkeiten ein mehr als unstimmiges Bild. Offenbar ist „Digital Native“ in der wissenschaftlichen Debatte weniger ein klar bestimmter Begriff als eine häufig verwendete Metapher, die eine gesellschaftliche Veränderung anzeigt. Jedenfalls scheint es gute Gründe zu geben, eine rein am Hineingeborensein ins digitale Zeitalter orientierte Definition des Begriffes nicht vorzunehmen, da dieses Kriterium alleine dem Phänomen nicht gerecht wird. Festzuhalten ist auch, dass es Forschungsbedarf rund um den Begriff der „Digital Natives“ gibt, gerade auch, weil dieser gesellschaftlich so populär verwendet wird.

Für die vorliegende Arbeit, die sich nicht ausschließlich mit Fragestellungen der Jugendpastoral beschäftigt und die in der grundsätzlichen Fragestellung auf wertorientierte Kommunikation abzielt, sind wertorientierte Ansätze der Begriffsbestimmung sinnvoller. Die DIVSI-Studie arbeitet mit dem Sinusmodell, das in der weiteren Folge dieser Untersuchung relevant ist und im folgenden Abschnitt genauer dargestellt wird, weil hier theologisch diskutierte Zielgruppenuntersuchungen für die Fragestellungen der Kirche und Glaubenskommunikation vorliegen. Aus diesem Grund verwende ich in der weiteren Diskussion den Begriff der „Digital Natives“ in der Fassung der DIVSI-Studie. Die von Peter Kruse vorgeschlagene und in der Argumentation sehr plausible Differenzierung findet sich dort in gewisser Weise auch wieder, weil es insgesamt sieben Internetmilieus gibt und die „Digital Natives“ noch einmal unterschieden werden. Das Milieu der „Digital Souveränen“ kommt vermutlich jener Gruppe, die Kruse „Digital Residents“ nennt in der Wertorientierung am nächsten. Ob das aber wirklich so ist, kann aber in diesem Rahmen nicht nachvollzogen werden, weil von Kruse nur sehr eingeschränkt Studienmaterialien öffentlich zugänglich vorliegen und der Abgleich zweier unterschiedlicher empirischer Forschungsansätze den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

(1) Vgl. Tronnier, Nemo, Rekonstruktion jugendlicher Erfahrungsräume im Internet, Norderstedt 2011, 5
(2) Ein prominenter Kritiker ist der Pädagogikprofessor Rolf Schulmeister, der verschiedene Studien zur Mediennutzung verglichen hat und daraus schlussfolgert, dass es keine Belege für eine andere Mediennutzung junger Menschen gibt. Vgl. Schulmeister, Rolf, Gibt es eine »Net Generation«?, Hamburg 2009

Foto Flickr CC by-sa Gideon Burton

Besser? Ich freue mich über weitere Rückmeldungen!

May 05 2012

19:34

Erfolgserlebnis

Hach, es ist schon einfach Erfolgserlebnisse zu kreiieren. So schaut der aktuelle Text meiner Diplomarbeit im Wordle aus. Witzig finde ich, dass das Tool mit den _innen nicht zurecht kommt und das als eigenes Wort wertet.
Sonst bin ich auch ganz zufrieden, denn es geht voran mit dem Ding :-)

April 04 2012

19:33

Arenen der Neukodierung von Öffentlichkeit und Privatheit

Meine heutige Erkenntnis beim Diplomarbeiten ist eine Strukturanalogie:

Religion als eine der zentralen Arenen in der Auseinandersetzung in der Konstituierung von Privatheit und Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften.
Das Internet ist eine der zentralen Arenen in der Auseinandersetzung in der Konstituierung von Privatheit und Öffentlichkeit in modernen Gesellschaften.

Was eigentlich sonst noch?

April 03 2012

19:47

Facebook-Cops. WTF.

copDas Innenministerium schickt sogenannte 300 Spezialermittler in die Schulen. Abgesehen davon, dass es wohl auch Spezialermittlerinnen geben könnte, frage ich mich ganz viel:

Was zeichnet Polizist_innen aus, um Schüler_innen den kompetenten Umgang mit Social Media zu vermitteln? Bekommen die jetzt alle eine medienpädagogische Ausbildung, die wohl mehr sein müsste als ein eintägiger Schnellsiedekurs?

Warum gibt es keine medienpädagogischen Projekte, wo junge Leute in kreativer Form Möglichkeiten finden, sich Kompetenzen anzueignen, sondern blosse Information über "Cyberkriminalität, Social-Media-Angebot und Onlinemobbing"?

Was spielen da Eltern und Lehrer_innen für eine Rolle? Sind die wurscht, weil eh die Cops die Sache übernommen haben?

Warum tut das Innenministerium so als ob es die seit Jahren sehr kompetent arbeitende Initiative Saferinternet nicht gäbe? Die Leute da haben wohl mehr Ahnung von der Sache und von der Kommunikation mit Schüler_innen als Polizist_innen und wenn mehr Bedarf da ist, liese sich das ja ausbauen.

Ist das alles sowieso nur Stimmenfang für die ÖVP, um ein Klientel zu bedienen, dass wieder mal nach mehr Kontrolle schreit?

Ergänzungen gerne möglich ...

Foto: Flickr CC by-nc-sa Alsterstar

March 24 2012

11:12

Tags zur Kommunikation der Kirche mit Digital Natives

Ich habe mir für meine Diplomarbeit mal eine Tagcloud gemacht, die für mich fast ein bisschen ein Resümee dessen ist, wie die Kommunikation der Kirche mit Digital Natives gelingen kann.

Ist das schlüssig? Was fehlt?

March 18 2012

10:03

Der Begriff der Digital Natives

Ein Ausschnitt aus meiner Diplomarbeit (Arbeitstitel: Kommunikationsräume der Kirche mit Digital Natives eröffnen), den ich gerne zur Diskussions stellen würde.

Was sind Digital Natives? Der Begriff wurde von Marc Prensky geprägt, er greift den linguistischen Begriff der „Native Speaker“ auf und entwickelt ihn weiter. Als „native speaker“ werden Menschen verstanden, die in einer Sprache von der frühesten Kinderheit aufgewachsen sind. „Digital Natives“ sind nach Prensky somit Menschen, die in einer Zeit erwachsen wurden, wo digitale Technologien wie Computer und das Internet bereits verfügbar waren. Entscheidend ist also das Alter der Personen. Das Gegenteil von „Digital Natives“ sind „Digital Immigrants“, die mit einem „Akzent“ in den virtuellen Welten unterwegs sind. Sie drucken beispielsweise Emails häufiger aus, können Informationen nicht so schnell verarbeiten und sind weniger multitasking-fähig. Prensky erklärt die Unterscheide mit Veränderungen im Gehirn.

Ähnlich wie ich in der linguistischen Debatte der Begriff der „Native Speakers“ umstritten ist (1), ist es auch der Begriff der „Digital Natives“. Der Begriff der Digital Natives, ebenso wie die synonym verwendeten Begriffe „Generation Y“ und Millenials“, wird von vielen Medienwissenschaftler_innen auf Basis von Untersuchungen des Medienverhaltens kritisch gesehen. Ob sich das Nutzungsverhalten von älteren Personen, die intensiv das Social Web nutzen, qualitativ von dem der jüngeren Generation unterscheidet, ist umstritten. Vieles deutet darauf hin, dass das Alter als einziges Differenzierungskriterium auch für diese Frage wie andere gesellschaftliche Fragen nicht geeignet ist. Es gibt auch jüngere Personen, die ein Kommunikationsverhalten von „Digital Immigrants“ zeigen oder sogar „Digital Outsiders“ sind ebenso wie es Ältere gibt, die das Netz in einer Weise nutzen wie es Marc Prensky nur den Jüngeren zuschreibt.

Ein anderer möglicher Zugang zu dieser Frage ist nicht eine nutzungs- sondern eine wertorientierte Sichtweise der Menschen, die intensiv das Internet und Social Web nutzen. Bekannt geworden ist dazu im deutschsprachigen Raum der Ansatz des Organisationspsychologen und Unternehmensberaters Peter Kruse, der sich auf der re:publica 2010 mit dieser Frage beschäftigte. Kruse hat in einer repräsentativen Untersuchung „heavy users“ nach ihren Werten befragt und kristallisierte zwei Gruppen heraus: Die „Digital Residents“ und die „Digital Visitors“. Das Alter ist hier nicht das Unterscheidungskritierium, die Zweiteilung geht quer durch alle Generationen. Es geht bei diesen zwei Gruppen von intensiven Internetnutzer_innen um signifikante Unterschiede in den Werthaltungen und einen unterschiedlichen Umgang mit dem Internet. „Digital Resident“ zu sein nach Kruse, ist eine Werthaltung, kein Geburtsrecht. „Digital Residents“ leben weitgehend - sowohl beruflich wie privat - im Web, sie bringen eine große Offenheit für den Austausch mit und sehen die Online-Kontaktpflege mit anderen Menschen gleichwertig zu Kontaktpflege Offline. Sie wollen gestaltetend eingreifen. „Digital Visitors“ gehen nur ins Internet, wenn sie schnell und aktuell praktische Informationen erhalten wollen. Beziehungen bauen sie erst in der Offline-Welt auf bevor sie sich im Social Web weiterpflegen.

Wertorientiert ist auch die neue Studie des Deutschen-Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (DIVSI), die mit dem Sinusmodell arbeitet. Die DIVSI-Studie legt eine Differenzierung der bundesdeutschen Bevölkerung in „Digital Outsiders“, „Digital Immigrants“ und „Digital Natives“ nahe. Sie gibt allerdings keine Auskunft darüber, ob sie beider Auswahl der zusammenfassenden Beschreibung der Internet-Milieus auf die dargestellte Debatte rund um die Begrifflichkeiten Bezug nimmt oder nicht. Die drei Gruppen bzw. die sieben Internetmilieus entstanden auf Basis von qualitativen, repräsentativen Interviews. Die Gruppen werden wie folgt gefasst:

Digital Outsiders (39 Prozent): Sie sind entweder offline oder verunsichert im Umgang mit dem Internet. Ausgehend von 72 Millionen Menschen in Deutschland ab 14 Jahren, stellt das Internet für 27 Millionen eine digitale Barriere vor einer Welt dar, von der sie sich ausgeschlossen fühlen.
Digital Immigrants (20 Prozent): Sie bewegen sich regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet. Sie sind in der digitalen Welt nicht aufgewachsen und stehen vielen Entwicklungen sehr skeptisch
gegenüber, insbesondere wenn es um das Thema Sicherheit und Datenschutz im Internet geht.
Digital Natives (41 Prozent): Für sie stellt die digitale Welt einen wesentlichen Teil des Lebens dar. Sie bewegen sich im Internet wie ein Fisch im Wasser – mit dem Lebensmotto „ich surfe also bin ich“. Sie stehen dem Internet sehr positiv gegenüber und sehen die fortschreitende Digitalisierung primär als persönliche Chance.“

Insgesamt ergibt sich für die Begrifflichkeiten ein mehr als unstimmiges Bild. Offenbar ist „Digital Native“ in der wissenschaftlichen Debatte weniger ein klar bestimmter Begriff als eine häufig verwendete Metapher, die eine gesellschaftliche Veränderung anzeigt. Jedenfalls scheint es gute Gründe zu geben, eine rein am Hineingeborensein ins digitale Zeitalter orientierte Definition des Begriffes nicht vorzunehmen, da dieses Kriterium alleine dem Phänomen nicht gerecht wird. Festzuhalten ist auch, dass es Forschungsbedarf rund um den Begriff der „Digital Natives“ gibt, gerade auch, weil dieser gesellschaftlich so populär verwendet wird.

Für die vorliegende Arbeit, die sich nicht ausschließlich mit Fragestellungen der Jugendpastoral beschäftigt und die in der grundsätzlichen Fragestellung auf wertorientierte Kommunikation abzielt, sind wertorientierte Ansätze der Begriffsbestimmung sinnvoller. Die DIVSI-Studie arbeitet mit dem Sinusmodell, das in der weiteren Folge dieser Untersuchung relevant ist und im folgenden Abschnitt genauer dargestellt wird, weil hier theologisch diskutierte Zielgruppenuntersuchungen für die Fragestellungen der Kirche und Glaubenskommunikation vorliegen. Aus diesem Grund verwende ich in der weiteren Diskussion den Begriff der „Digital Natives“ in der Fassung der DIVSI-Studie. Die von Peter Kruse vorgeschlagene Differenzierung findet sich dort in gewisser Weise auch wieder, weil es insgesamt sieben Internetmilieus gibt und die „Digital Natives“ noch einmal unterschieden werden. Das Milieu der „Digital Souveränen“ kommt vermutlich jener Gruppe, die Kruse „Digital Residents“ nennt in seiner Wertorientierung am nächsten. Ob das aber wirklich so ist, kann aber in diesem Rahmen nicht nachvollzogen werden, weil von Kruse nur sehr eingeschränkt Studienmaterialien öffentlich zugänglich vorliegen und der Abgleich zweier unterschiedlicher empirischer Forschungsansätze den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

(1) Tronnier, Nemo, Rekonstruktion jugendlicher Erfahrungsräume im Internet, Norderstedt 2011, 5
Foto Flickr CC by-sa Gideon Burton

Ist diese Argumentation schlüssig? Was fehlt? Was übersehe ich? Wer hat Einsprüche?

February 09 2012

21:41

Sag mir, wo die Frauen sind … (k)eine Antwort

fragezeichen

Gaby Filzmoser fragt in ihrem Blog, warum denn so offensichtlich weniger Frauen auf Barcamps sind. Ich finde die Frage total interessant und verfolge - sehr selektiv - auch mit, dass das Thema in der feministischen Szene in Deutschland intensiv diskutiert wird (wie auch das Phänomen, dass es bei der Piratenpartei ganz wenig Frauen gibt). Da gab es auch schon ein Frauenbarcamp.

Ich glaube, dass eine eindimensionale Erklärung des Phänomens zu kurz greifen würde. Es wirkt die Unterrepräsentation der Frauen in der Technik, es wirkt die noch immer vorhandene ungleiche Verteilung für die Verantwortung für die Kinder, ....

Beim aktiven Einbringen, was Gaby auch anspricht, bin ich mir nicht so sicher, ich glaube diese Sorge haben manche Männer genauso. Wer das Format aber mal kennt, ist zumeist begeistert und kommt wieder.

Vielleicht ich auch ein Faktor, dass Barcamps - ausser in einem gewissen Teilsegment - noch nicht so etabliert sind, dass das (auch) als Variante der Weiterbildung wahrgenommen wird. Ich weiss selber auch immer nicht, ob ich da jetzt hingehe wegen der Vernetzung, weil ich was aus meinem Arbeitsbereich erzählen und teilen will oder weil es meine Weiterbildung ist. Wenn ich mich nicht täusche, werden sind Frauen statistisch auch bei der Inanspruchnahmemöglichkeit beruflicher Weiterbildung nicht gerade vorne - auch wenn sie sich ansich viel mehr weiterbilden. Wenn das dann sowenig formal daher kommt, dann ist es vielleicht eine zusätzliche Hürde.

Sicher bin ich mir aber, dass aktive Massnahmen immer gut sind. Kinderbetreuung anbieten, vielleicht das Format besser erklären, damit es nicht nur die Insider_innen anspricht, im Vorfeld einfach auch persönlich drauf achten, Frauen gezielt davon zu begeistern, positive Vorbilder aktiv kommunizieren z.b. drüber bloggen ;-)

Schwierig, schwierig. Jetzt habe ich zwar viel geschrieben, aber eigentlich keine Antwort. Antje Schrupp würde vielleicht einfach sagen, dass es Frauen halt nicht freut, auf Barcamps zu gehen, weil sie etwas anderes lieber tun. Damit bin ich aber irgendwie auch nicht zufrieden und werfe die Frage darum auch hier in meinem Blog in die Runde. Jedenfalls könnte es uns hier in Österreich auch nicht schaden, dass Thema auf die Agenda zu setzen.

Foto Flickr CC by-sa alexanderdrachmann

09:23

Stop ACTA

Falls wer noch immer nicht wissen sollte, was ACTA ist und warum das wirklich gefährlich ist, da gäbe es ein VIdeo.

January 24 2012

20:10

Social Media. Kommunikationsräume mit Digital Residents eröffnen

Heute habe ich im Rahmen des interdisziplinären Oberseminars an der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz einen Vortrag (mehr oder minder) über das Thema meiner pastoraltheologischen Diplomarbeit gehalten.

Ich glaube, das ist ganz gut gelaufen und war interessant für die Teilnehmenden. Jedenfalls habe ich selbst viele spannende Anregungen bekommen und hätte natürlich gleich wieder mindestens fünf weitere Themen für Diplomarbeiten und so. Naja, so ist das halt ;-) Ich bleibe trotzdem bei meinem Thema und hoffe, das ich das energietechnisch hinkriege, das Ding dann auch wirklich zu schreiben und nicht nur drüber vorzutragen und zu diskutieren.

Hier gibts die Slides dazu:

Wer weitere Fragen hat und überhaupt ganz was anders meint: Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Kritik!

Foto Flickr CC by-nc-sa waferbaby

January 22 2012

20:52

God love Geeks

Meine Entdeckung des Tages. Auf Flickr steht drunter "But, usually, geeks don't believe in god...". Da sag ich nur: ich kenne vieeeeele!

Foto Flickr CC by Ricardo Hurtubia

November 22 2011

15:47

Hinweis auf die Blogparade zur Relevanz freier Initiativen für die Gesellschaft

Daniel Friesenecker hat in seinem Blog The Angry Teddy gestern spontan eine Blogparade gestartet. Thema ist: Was würde der Gesellschaft ohne freie Initiativen fehlen?

Ich werde dazu eh was schreiben, aber in aller Ruhe. Hier jetzt einfach nur der Hinweis mit der Bitte um rege Beteiligung. Falls wer gerne was schreiben würde, sich aber mit Blogs und so noch nicht auskennt, kann er/sie sich gerne auch bei mir melden. Ist alles nicht wirklich kompliziert, das wird sich finden.

October 21 2011

17:00

Religion, Ethik, Öffentlichkeit in mehr als 140 Zeichen

Heute ist wieder mal eine kleine Hin- und Her-Twitterei über Religion ausgebrochen. Mein Resümee war dann, dass das, was dort inhaltlich verhandelt wird, einfach den Rahmen sprengt, den 140 Zeichen so vorgeben. @digiom hat vorgeschlagen, ich möge doch mal drüber bloggen. Also tue ich das, auch wenn ich mir eigentlich denke, dass auch ein Blogpost viel zu wenig ist für die komplexe Materie. Wenn ich das so biografisch bedenke, dann stelle ich fest, dass ich - um das Verhältnis Religion - Gesellschaft und meine eigene Position da drin irgendwie klar zu kriegen, mindestens ein ganzes Theologiestudium gebraucht habe und eigentlich da selbst noch immer mehr Fragen als Antworten habe. Ja, aber so ist das halt, ich bin sowieso keine Freundin von vorschnellen und allzu fixen Antworten. Meine Motiviation überhaupt Theologie zu studieren, liegt tief da drin vergraben in diesem Thema.

Religion und Ethik

Das erste Thema (und sogar das noch einfachere), das immer wieder auftaucht auf Twitter ist, dass Christ_innen allen Nicht-Christ_innen unterstellen würden, sie hätten keine Werte und keine Ethik. Das ist natürlich ein ausgemachter Blödsinn und eigentlich etwas das seit mindestens 100 Jahren philosophisch völlig klar ist. Gott braucht es nicht, um ethisch gutes Verhalten zu rechtfertigen, dafür reicht die Vernunft der Menschen aus. Dass sich diese aber noch nicht wirklich durchgesetzt hat, dafür reicht ein Blick auf die Schlagzeilen der Nachrichten.
Menschen haben aber, oft biografisch begründet, sehr unterschiedliche Quellen wie sie zu ihren Werten kommen. Da kann der Glaube an Gott eine Quelle dafür sein, genauso wie die Sozialisiation in der Herkunftsfamilie und das ganze gesellschaftliche Umfeld, in dem Menschen leben. Erfahrung und Bildung sind wohl die entscheidenden Stichworte.

Der Glaube an Gott ist auch gewiss keine Garantie dafür, dass jemand zu einer besseren Ethik kommt. Beispiele von den Kreuzzügen bis Bin Laden lassen sich genug finden, wo das offensichtlich nicht der Fall ist. Was besser ist? Das entsteht wohl auch in kommunikativer Verhandlung, aber nehmen wir doch einfach mal die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als Orientierungspunkt (ja, ich weiss, das ist ein eurozentristisches Konzept ....).

Nun gibt es immer wieder auch Studien, die nachweisen wollen, dass die Religion ein Faktor dafür ist, dass Menschen besser oder glücklicher sind. @michalaki hat heute so eine Studie in die Debatte eingeworfen. Manche davon haben für mich ja auch durchaus eine gewisse Plausibilität. Trotzdem bin ich da skeptisch und zwar vor allem deswegen, weil der Begriff "Religion" religionssoziologisch heiss diskutiert ist und es bei solchen empirischen Untersuchungen immer sehr drauf ankommt, welcher Religionsbegriff als Referenz herangezogen wird und wie gefragt wird. Jürgen Habermas hat doch mal was von Erkenntnis und Interesse geschrieben ;-) Jedenfalls glaube ich, dass es selten produktiv ist, solche leicht zu kritisierenden Studien in Diskussionen ins Treffen zu führen, was ja nicht heissen soll, dass Forschung in dieser Richtung nicht sinnvoll und interessant sein kann.

Der Grund der Aufregung ist meistens ja sowieso wo anders zu finden: Zu recht fühlen sich Menschen, die glauben, ihnen würde unterstellt, sie wären, weil sie nicht an Gott glauben, die schlechteren Menschen, nicht gut dabei und regen sich auf. Das würde ich ja auch machen. Mich stimmt nachdenklich, dass das immer wieder auftaucht. Das, was ich oben als notwendige Differenzierung zum Thema Religion und Ethik geschildert habe, ist eine breit getragene Einsicht der (christlichen) Theologie und Philosophie, kein_e ernsthafte_r Theolog_in würde das bestreiten (da gibts aber noch immer genug zu diskutieren, z.B. die Frage, warum es so viel von Menschen produzierten unsagbares Leid auf dieser Welt gibt). Offenbar gelingt es den Kirchen in der Kommunikation ihrer Botschaften nicht, diese Einsicht klar mit zu kommunizieren. Leider. Das deutlicher zu machen, würde vieles vereinfachen.

Religion und Öffentlichkeit

Das zweite Thema, dass ich immer wieder mal auf Twitter und Co. diskutiere, ist die Frage nach Religion und Öffentlichkeit. Zumeist taucht da dann der Stehsatz "Religion ist Privatsache" auf. Diesen halte ich für genauso einen ausgemachten Blödsinn, wie die Rede davon, dass Ethik ohne Religion nicht möglich wäre. Das ist aber eine Erkenntnis, die bei mir sehr lange gedauert hat, noch vor zehn Jahren hätte ich da zugestimmt.

Einige Annäherungen ans Thema mit denen ich das erklären möchte:

"Das Private ist politisch" ist eine grundlegende Einsicht der Frauenbewegung der 1970er. Thema war damals, dass Gewalt gegen Frauen eine öffentliche Sache ist und nicht das Privatproblem der betroffenen Frauen. Menschen leben gesellschaftlich und damit politisch (Polis = die Stadt, der Stadtstaat, das Gemeinwesen). Ob ein Mann seiner Frau daheim in der privaten Wohnung die Hölle bereitet, ist eine öffentliche und politische Angelegenheit. Vor allem, dass da die Gesellschaft einschreiten muss.
Diese Einsicht möchte ich auf die Religion umdenken. Was jemand glaubt oder auch nicht glaubt, hat Einfluss auf ihr/sein Verhalten, ihr/sein gesellschaftliches Leben. Insofern ist der persönliche Glaube nicht nur eine Frage einer persönlichen Überzeugung, sondern Teil eines gemeinsamen gesellschaftlichen Prozesses. Damit kann es zum Gegenstand der Kommunikation der Menschen werden, auch medial.

Religion ist wesentlich mehr als Liturgie und Community-Building innerhalb der Angehörigen der Religionsgemeinschaft. Wie diese Bereiche die einzelnen Religionsgemeinschaften gestalten, müssen auch diese selbst ohne Einflussnahme von außen entscheiden können. Das ist wohl der Kern des Menschenrechts Religionsfreiheit - neben dem, dass jeder und jede öffentlich und frei darüber sprechen kann, was sie/er glaubt ohne deswegen irgendwelchen Repressionen ausgesetzt zu sein. Wie in diesem Rahmen mit Symbolen der Religionen im öffentlichen Raum (Kreuze in den Schulen, Moscheen mit Minaretten, ....) umgegangen wird, das ist öffentlich zu verhandeln. Ich persönlich wünsche mir hier mehr Pluralität und sicher nicht, dass alles, was mir persönlich nicht passt oder gefällt aus dem öffentlichen Raum verbannt wird. In der Differenz entwickeln wir uns weiter!

Religion ist (siehe oben) Teil der Quellen aus denen Menschen ihre Werte beziehen. Das über die Ausgestaltung unserer Bildungssystems - auch eine Werteproduzentin - öffentlich verhandelt werden sollte, wird wohl niemand bestreiten. Genauso verhält es sich auch mit der Religion. Welche Rolle diese in der Gesellschaft spielt, sollte gesellschaftlich verhandelt werden. Das geht ganz gewiss nicht, wenn Religion zur Privatsache erklärt wird.

Der christliche Gottesbegriff ist performativ. Das heisst für mich, dass ich nicht einfach sagen kann "Ich glaube an Gott" und dann ist alles eh so wie immer. Vielmehr ist damit Glauben und Handeln in eins gesetzt. Da kann ich mit dem Gedanken von Antje Schrupp erfahrungsbezogen (!) Gott und "Gutes Leben für alle" synonym zu setzen durchaus was anfangen. Das was damit verbunden ist, lebe ich dann ja nicht alleine zu Hause, sondern wie alle in aller Öffentlichkeit und Kommunikation mit anderen. Auch auf Twitter in 140 Zeichen.

So, Schluss, wissentlich, dass da zwischen den Zeilen wieder mal mehr Fragen als Antworten stecken. Oder?

Vögelchen Flickr CC by-nc Matt Hamm

Reposted bykatholisch katholisch
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